EC-Karten verschiedener Banken

Streit mit Verbraucherschützern Check24 beendet Girokonten-Vergleich

Stand: 18.01.2021 16:40 Uhr

Nach nur fünf Monaten schaltet Check24 seine Internetseite zum kostenlosen Vergleich von Girokonto-Gebühren ab. Verbraucherschützer hatten gegen das nichtkommerzielle Angebot geklagt.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Das Vergleichsportal Chech24 wird künftig keinen kostenlosen Vergleich von Girokonto-Gebühren mehr anbieten. Hintergrund ist eine Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen das Angebot.

Die erste vom TÜV zertifizierte Vergleichswebseite für Girokonten war Anfang August 2020 an den Start gegangen. Dort konnten Verbraucher 19 unterschiedliche Kostenpositionen ihres Girokontos vergleichen - von Kontogebühren und der Höhe der Dispozinsen bis hin zu den Kreditkartengebühren. Check24 listete die Konditionen aller großen Privatbanken, den meisten Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken sowie den Online-Banken auf.

Deckt der Vergleich nicht den gesamten Markt ab?

Doch um die Vergleichsseite entbrannte ein Streit zwischen Check24 und dem vzbv. Die Verbraucherschützer monierten, dass die Bankkunden nicht genügend Durchblick im Gebührendschungel erhielten. Der Kontenvergleich decke nur 613 von insgesamt mehr als 1.700 Banken in Deutschland ab. Zudem sei in über 90 Prozent der Fälle nur ein Girokontomodell des jeweiligen Geldinstituts analysiert worden. Meist haben die Banken aber verschiedene Kontenmodelle.

Nach Ansicht der Verbraucherschützer erfüllte die Vergleichswebseite nicht die Vorschriften der europäischen Zahlungskonten-Richtlinie, da sie nicht den Markt abdecke. Verbraucher könnten auf Grundlage eines intransparenten Vergleichs zu falschen Geschäftsabschlüssen verleitet werden. Der vzbv zog deshalb vor das Landgericht München und klagte gegen Check24.

Check24 verweist auf Zertifizierung durch den TÜV

Der Plattformbetreiber Check24 reagierte mit Unverständnis auf die Vorwürfe der Verbraucherschützer. Der Girokontenvergleich sei vom TÜV Saarland zertifiziert worden. Man habe exakt die Kriterien umgesetzt, die vom Gesetzgeber definiert und vom TÜV zertifiziert worden seien, beteuerte Check24-Chef Christoph Röttele. Sein Unternehmen habe einen siebenstelligen Betrag in ein Angebot investiert, mit dem es kein Geld verdiene.

Nun hat Check24 die Konsequenzen aus dem Streit mit den Verbraucherschützern gezogen. Wegen der unklaren Rechtslage hat der Plattformbetreiber die Vergleichswebseite abgeschaltet.

Somit gibt es künftig keine nichtkommerzielle Vergleichswebseite für Girokonten mehr. Kleinere Vergleichsplattformen wie FMH, Biallo oder Tagesgeldvergleich.net haben darauf verzichtet, sich zertifizieren zu lassen.

Künftig nur noch ein kommerzieller Kontenvergleich

Check24 wird in Zukunft nur noch einen nicht-zertifizierten kommerziellen Kontenvergleich auf seiner Internetseite anbieten. Dabei zahlen Anbieter Provisionen, wenn Verbraucher über das Portal Verträge mit ihnen abschließen. Das ist das Geschäftsmodell von Check24.

Umstritten ist, wie objektiv ein solches Vergleichsportal sein kann. Seit kurzem mischt Check24 nämlich selbst im Bankengeschäft mit. Im Oktober ging die C24 Bank an den Start. Sie bietet ein Bankkonto und eine App an.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 18. Januar 2021 um 20:00 Uhr.