Las Vegas Skyline

Technologiemesse in Las Vegas CES - diesmal nur eine Geistermesse?

Stand: 24.12.2021 19:54 Uhr

Wegen der sich rasant ausbreitenden Omikron-Variante droht die größte Technologiemesse der Welt ein Geister-Event zu werden. Große US-Konzerne sagten bereits ab. Deutsche Firmen sind dagegen noch dabei.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, zzt. Silicon Valley

Angesichts der immer weiter steigenden Zahl an Covid-19-Infektionen könnte die größte Technologie-Messe der Welt, die CES, in diesem Jahr ausfallen. Nahezu im Stundentakt sagen Unternehmen ihre Teilnahme an der Veranstaltung, die vom 5. bis zum 8. Januar in Las Vegas stattfinden soll, ab.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Zuletzt hat der größte US-Automobilhersteller GM bekannt gegeben, keine Mitarbeitenden oder Führungskräfte in die Wüstenstadt im US-Bundesstaat Nevada zu entsenden. Eigentlich hatte der Autobauer Großes vor. GM-Chefin Mary Barra wollte auf der Messe den ersten elektrischen Pickup des Unternehmens, den "Chevrolet Silverado", vorstellen. Nach Angaben eines Sprechers wird Barra das neue Fahrzeug nun virtuell via Live-Video-Streaming präsentieren.

Keine Keynote vom T-Mobile-Vorstandschef

Hauptsponsor der CES ist die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile USA. Dessen Vorstandschef Mike Sievert teilte mit, dass er auf seine Keynote vor Ort verzichten wolle. Eine gestreamte Rede sei nicht geplant. Die Teilnahme von Mitarbeitenden werde das Unternehmen aus Seattle auf ein Mindestmaß reduzieren. Der größte Telekommunikationsanbieter der USA, AT&T, hat seine Teilnahme ebenfalls abgesagt.

Ohne Google, Amazon und Meta

Das kalifornische Suchmaschinenunternehmen Google hatte in den vergangenen Jahren auf der CES meist sehr extravagante Auftritte mit einem eigenen Pavillon direkt vor den Messehallen in Las Vegas. Sowohl Google als auch die Tochterfirma Waymo, die Technologie für selbstfahrende Autos produziert, werden nicht dabei sein.

"Wir haben die Entwicklung der Omikron-Variante genau verfolgt und entschieden, dass dies die beste Wahl für die Gesundheit und Sicherheit unserer Teams ist", teilte Google-Sprecherin Ivy Hunt mit. Man werde nach Möglichkeiten suchen, einzelne Neuheiten virtuell zu präsentieren.

Auch Amazon, Pinterest oder der von Facebook in Meta umbenannte Social-Media-Konzern haben einen Rückzieher gemacht. Ebenfalls vor Ort nicht mit dabei sind Unternehmen wie Nvidia, das nur eine virtuelle Keynote abgeben will.

Viele andere Unternehmen haben dagegen angekündigt, mit deutlich weniger Mitarbeitenden anzureisen und Veranstaltungen zum Teil nur virtuell abzuhalten. Dazu gehören die Chiphersteller Intel und AMD sowie die asiatischen Unterhaltungsriesen Sony, LG und Samsung. Letztere wollen aber an ihren in den vergangenen Jahren großen Messeständen festhalten.

Noch keine Absage von großen deutschen Firmen

Bislang scheinen auch große deutsche Firmen wie Daimler, BMW oder Bosch an ihren Messeauftritten festhalten zu wollen. Die Unternehmen hatten die Messe häufig genutzt, um neue Produkte vorzustellen. Insbesondere für Autohersteller und Zulieferer wurde die CES in den vergangenen Jahren wichtiger, weil sie dort neue Technologien bei selbstfahrenden Elektroautos zeigen konnten.

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen könnten die Firmen ihre Teilnahme überdenken und nach den Feiertagen die Situation nochmals neu bewerten.

Bislang 42 Stornierungen

Der Messeveranstalter CES teilte mit, bislang habe man 42 Stornierungen erhalten. Das entspreche weniger als sieben Prozent der Ausstellungsfläche. Gleichzeitig sei es gelungen, mehr als 60 neue Aussteller hinzuzugewinnen. CES-Messeschef Gary Shapiro rechnet in diesem Jahr mit rund 85.000 Besuchern, halb so viel wie 2020, als die CES das letzte Mal stattfand.

Der Veranstalter betonte, wer an der Messe teilnehme, müsse geimpft sein, Maske tragen und einen Covid-19-Test vor Ort machen. In Verbindung mit zu erwartenden geringeren Besucherzahlen sei man zuversichtlich, eine gute Veranstaltung auf die Beine stellen zu können.

Experten rechnen aufgrund der Weihnachtsfeiertage mit einem verstärkten Anstieg der sich schnell ausbreitenden Omikron-Variante. Mehr als 73 Prozent aller Neuinfektionen in den USA gehen mittlerweile auf diese Variante zurück.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Dezember 2021 um 13:5 Uhr in der Sendung "Wirtschaft am Mittag".