Autos in der Innenstadt | Bildquelle: dpa

Privates Carsharing Wie Airbnb - nur für Autos

Stand: 27.02.2018 05:50 Uhr

Private Carsharing-Portale bieten die Möglichkeit, private Autos zu mieten. Wie gut das funktioniert, untersucht derzeit die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Von Ingrid Bertram, WDR

Über das Wochenende mal eben raus aus der Stadt - mit dem eigenen Auto kein Problem. Aber extra ein Auto dafür mieten? Private Carsharing-Portale wie Drivy, SnappCar oder Getaway versuchen genau diese Frage möglichst nutzerfreundlich zu lösen: Ähnlich wie es Airbnb mit privaten Wohnungen und Häuser macht, werden auf den jeweiligen Plattformen private Pkw zur Vermietung angeboten.

Ein Beispiel: Wer heute am Kölner Hauptbahnhof ein Auto für einen Tag sucht, der kann von Amin O. für 35 Euro dessen Renault Mégane inklusive 100 km bei Drivy bekommen. Oder wer es etwas luxuriöser will, kann zum Beispiel in Krefeld auf dem Portal SnappCar einen Porsche Panamera für einen Tag ab 300€ inklusive 200 Freikilometer mieten.

Hürden bei der Vermietung

Der größte Anbieter SnappCar bietet laut eigenen Angaben bundesweit 15.000 Fahrzeuge, der zweitgrößte Anbieter Drivy immerhin 6000 Pkw. Das Prozedere ist einfach - die Miete schließt nicht nur die Provision an das Portal sondern auch eine eigene Vollkaskoversicherung für den Mieter ein. Im Fall eines Unfalls wäre nicht die Versicherung des eigentlichen Besitzers betroffen, sondern nur die des vorübergehenden Nutzers. So weit, so gut.

Gunnar Stevens | Bildquelle: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
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Gunnar Stevens von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg untersucht das Konzept.

Aber haben diese Portale tatsächlich ein Potenzial wie Airbnb, der große Bruder aus dem Wohnungsmarkt? "Es gibt noch einige Hürden", sagt Professor Gunnar Stevens von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Seit Dezember nehmen die Wissenschaftler die Portale und deren Nutzer und Vermieter genauer unter die Lupe.

Zum einen ist die Logistik nicht immer so einfach wie beim Carsharing mit Neuwagen. Denn beim privaten Carsharing gehört am Anfang und am Ende eine Schlüsselübergabe dazu. Das Auto muss immer am ursprünglichen Standort abgeliefert werden. Dafür kann man aber womöglich einige Euro sparen.

Tatsächlich wäre es technisch machbar, so der Wissenschaftler, eine App wie bei Car2go, Flinkster oder DriveNow auch bei Privat-Pkw zu nutzen. Mit der könnte man geeignete Autos mit dem Handy in der Nähe finden, mieten und sogar öffnen. Auch der Abstellort müsste nicht dem Startpunkt entsprechen. Doch dazu müssten die Autoinhaber bereit sein, einen kleinen Bordcomputer einzubauen. Beim Berliner Startup Getaway ist das bei der Vermietung bereits möglich.

Auf dem Land noch ausbaufähig

Beim eigenen Auto schwingen immer Emotionen mit, so Stevens: Wer fährt das eigene Auto, kommt da auch kein Kratzer rein? Noch gibt es viele Vorbehalte bei Autoeigentümern, vor allem, wenn man selbst noch nie ein Auto vermietet hat.

Die Vermieter könnten aber auf der anderen Seite die Unterhaltskosten für das eigene Auto mindern und nebenbei das Umweltbewusstsein beruhigen, da das eigene Auto besser ausgelastet wird.

Autos fahren in Frankfurt am Main (Hessen) in der Innenstadt durch eine große Pfütze | Bildquelle: dpa
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Beim eigenen Auto schwingen Emotionen mit, wenn man es jemandem Unbekannten überlässt.

Genau damit werben auch die Anbieter der Vermietungsplattformen: weniger Neuwagen und dafür mehr Mobilität. Das gilt allerdings wie bei anderen Carsharing-Angeboten oft nur für die Hotspots in den großen Ballungsräumen. Die Plattform Getaway versucht derzeit in der Region Fürth ein privates Carsharing-Angebot aufzubauen.

In den ländlichen Regionen gibt es noch Ausbaupotenzial, bestätigt auch Mats Joosten von Drivy. Das Problem sei allerdings, dass fast jeder, der dort ein Auto braucht, auch eines besitze. Daher könnte das private Carsharing künftig auch ein Modell für die Städte bleiben. Das Carsharing kann künftig eine Ergänzung im Mietwagenmarkt sein, glaubt auch Wissenschaftler Stevens.

Über dieses Thema berichtete am 27. Februar 2018 WDR 5 in der Sendung "Morgenecho" ab 06:05 Uhr sowie WDR 2 in der Sendung "Der Vormittag" ab 09:00 Uhr in der Rubrik "Servicezeit".

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