Maschinen unterschiedlicher Fluggesellschaften stehen auf dem Flughafen in Hamburg

BGH-Urteil Airlines haften auch für Subunternehmen

Stand: 13.09.2017 15:07 Uhr

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Fluggesellschaften bei Verspätungen auch dann haften, wenn sie von Subunternehmern verursacht wurden. Das Urteil könnte auch im Hinblick auf die Krise der insolventen Air Berlin von Bedeutung sein.

Auch bei Flügen, die von Subunternehmern durchgeführt werden, müssen Fluggesellschaften ihre Passagiere im Fall von Verspätungen oder Annullierungen entschädigen. In einer Grundsatzentscheidung stellte der Bundesgerichtshof (BGH) klar, dass stets diejenige Airline die Ausgleichszahlung leisten muss, bei der das Flugticket gebucht wurde. Das gelte auch dann, wenn die Fluggesellschaft die Maschine und die Besatzung im Rahmen einer so genannten „Wet-Lease-Kooperation“ bei einem Subunternehmen gemietet hat.

Anlass der Entscheidung war ein Rechtsstreit über eine Flugreise von Düsseldorf nach Marokko im Juli 2014. Die Passagiere hatten bei der marokkanischen Airline Royal Air Maroc gebucht. Dass diese das Flugzeug und die Besatzung ihrerseits bei einer spanischen Fluggesellschaft gemietet hatte, erfuhren sie nicht. Die Maschine landete mit mehr als sieben Stunden Verspätung.

Entscheidung auch für Air Berlin von Bedeutung

Das Amtsgericht und das Landgericht Düsseldorf hatten die Klage der Passagiere auf Ausgleichszahlungen zunächst abgewiesen, weil die Kunden die falsche Gesellschaft verklagt hätten. Sie hätten die ausführende spanische Airline in Anspruch nehmen müssen, entschieden die Vorinstanzen. Der BGH hob diese Urteile nun aber in letzter Instanz auf und verurteilte Royal Air Maroc zur Zahlung von 400 Euro an jeden Fluggast.

Flugzeuge der Linien Niki und Air Berlin am Flughafen Schwechat bei Wien (Quelle: imago) | Bildquelle: imago/Viennareport
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Flugzeuge der Gesellschaft Niki Air sind zurzeit im Auftrag von Eurowings unterwegs

Die Entscheidung ist durch die Krise der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin auch für zahlreiche Reisende von Eurowings von Bedeutung. Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings hat im großen Stil Flugzeuge von Air Berlin einschließlich des gesamten Flugbetriebs mit Crews und Wartung angemietet und bedient mit der Air-Berlin-Tochter Niki Air etwa die Strecke nach Mallorca. Für eventuelle Verspätungen dieser Flüge müsste nach dem Urteil des BGH nun die anmietende Gesellschaft Eurowings haften, sofern die Kunden ihre Tickets bei ihr gekauft haben.

Aktenzeichen XI ZR 102/16 und 106/16

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