Jens Weidmann | REUTERS

Zehn Jahre im Amt Bundesbank-Chef Weidmann tritt zurück

Stand: 20.10.2021 14:51 Uhr

Nach mehr als zehn Jahren an der Spitze der Bundesbank tritt Präsident Weidmann zum Jahresende zurück. Seine Entscheidung hat laut der Zentralbank persönliche Gründe.

Der Chef der Bundesbank, Jens Weidmann, will seinen Posten räumen. Er habe Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier um seine Entlassung zum 31. Dezember gebeten. Wie die Zentralbank weiter mitteilte, will Weidmann aus persönlichen Grünen zurücktreten. Auf ihrer Internetseite zitierte die Bundesbank aus einem Schreiben Weidmanns an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses:

Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass mehr als zehn Jahre ein gutes Zeitmaß sind, um ein neues Kapitel aufzuschlagen - für die Bundesbank, aber auch für mich persönlich.

"Klare, stabilitätsorientierte Stimme der Bundesbank"

In dem Brief schaut Weidmann auf seine Zeit als Präsident des Instituts und auf das gemeinsam mit der Belegschaft Erreichte zurück. Er verweist etwa auf die Herausforderungen der Staatsschuldenkrise und zuletzt auf die Hürden durch die Corona-Pandemie. "Das Umfeld, in dem wir operieren, hat sich massiv verändert und die Aufgaben der Bundesbank sind gewachsen", schreibt Weidmann:

Mir war es dabei immer wichtig, dass die klare, stabilitätsorientierte Stimme der Bundesbank deutlich hörbar bleibt.

Ein wiederholter Kritiker der EZB

Explizit dankte Weidmann auch Christine Lagarde als Präsidentin des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) für "die offene und konstruktive Atmosphäre in den zuweilen schwierigen Diskussionen der vergangenen Jahre". In der Vergangenheit hatte sich Weidmann wiederholt kritisch zu der lockeren Geldpolitik der EZB geäußert.

Es sei ihm "eine Ehre und eine Herzensangelegenheit" gewesen, die Bundesbank zu führen, heißt es in Weidmanns Schreiben weiter, "und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen die Positionen der Bank im Interesse einer stabilen Währung, eines stabilen Finanzsystems, stabiler Zahlungsverkehrssysteme und einer sicheren Bargeldversorgung zu gestalten".

Lob und Bedauern aus der Politik

Die Entscheidung Weidmanns habe schon vor der Bundestagswahl festgestanden, erfuhr das ARD-Hauptstadtstudio aus seinem Umfeld. Man habe sie aber nicht im Wahlkampf verkünden wollen. Die Entscheidung liege allein im Bereich persönlicher Überzeugungen über die jetzt notwendige Geldpolitik angesichts einer sich anbahnenden herausfordernden Lage bei der Inflationsbekämpfung, heißt es.

Kanzlerin Angela Merkel bedauerte die Entscheidung. Sie habe zugleich großen Respekt dafür, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Weidmann habe die Bundesbank "national wie international herausragend vertreten". Merkel danke ihm für seine Arbeit "in diesen währungspolitisch und finanzpolitisch sehr herausfordernden Jahren seiner Amtszeit".

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bescheinigte Weidmann ein außerordentliches Engagement an der Spitze der Notenbank in den vergangenen zehn Jahren. "Er hat nicht nur die Geldpolitik in Deutschland und Europa in dieser Zeit maßgeblich geprägt, sondern auch die Weiterentwicklung der internationalen Finanzmärkte vorangebracht."

FDP-Chef Christian Lindner, den seine Partei gern als künftigen Finanzminister in einer Ampel-Koalition sähe, twitterte, er bedauere den Weidmann-Rücktritt. "Er stand für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik, deren Bedeutung angesichts von Inflationsrisiken wächst."

Neue Regierung muss Nachfolger finden

Weidmann steht seit Mai 2011 an der Spitze der Bundesbank. Somit wurde er im Alter von 43 Jahren der bislang jüngste Präsident des Instituts. Er folgte auf Axel Weber, der im Streit über die Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank hingeworfen hatte. Seit November 2015 ist Weidmann zudem Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Die Aufgabe der neuen Bundesregierung wird es sein, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden. Laut Bundesbankgesetz schlägt die Bundesregierung einen Kandidaten für das Amt vor. Das letzte Wort bei der Besetzung hat der Bundespräsident.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.