Logo der Deutschen Bundesbank | picture alliance / Geisler-Fotop

Staatspapiere gefragt Bund verdient am Schuldenmachen

Stand: 15.12.2020 16:45 Uhr

Die Corona-Pandemie macht neue Schulden des Bundes unvermeidlich. Deutschland als Schuldner mit hoher Kreditwürdigkeit hat dabei aber einen Vorteil, denn seine Anleihen bringen sogar noch Geld ein.

Die negativen Renditen bei Staatsanleihen wirken sich bei der Neuverschuldung des Bundes in Milliardenerträgen aus. Der Schuldner Bundesrepublik Deutschland kann durch die negativen Zinsen für seine Schuldpapiere sogar noch Zinseinnahmen verbuchen. Nach einer Berechnung der Nachrichtenagentur Reuters beliefen sich diese Erträge bis Anfang Dezember auf rund 7,1 Milliarden Euro.

"Der Staat verdient dank der negativen Rendite noch Geld mit dem Verkauf von Anleihen", sagte der Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi gegenüber Reuters. Dennoch waren die Papiere gefragt: Die Gebote der Investoren übertrafen trotz negativer Zinsen den Wert der verkauften Anleihen um rund das Zweifache. "Deutsche Staatsanleihen gehen weg wie warme Semmeln", sagte der Finanzexperte der Linkspartei dazu. "Anleger können gar nicht genug davon bekommen."

Sicherheiten für Geschäftsbanken

Möglich ist das, weil Deutschland als der wichtigste Schuldner der Eurozone über die höchstmögliche Kreditwürdigkeit verfügt und in der Niedrigzins-Phase sogar bei negativen Zinsen seine Papiere am Markt los wird. Bundesanleihen mit dreijähriger Restlaufzeit sind derzeit mit einem negativen Zins von 0,8 Prozent ausgestattet, Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentieren bei minus 0,6 Prozent. Und sogar "Langläufer", also Papiere mit 30 Jahren Laufzeit, weisen inzwischen Minuszinsen von etwa 0,2 Prozent auf.

Dass Bundesanleihen, mit denen der Staat die Wirtschaft in der Pandemie stützt, dennoch begehrt sind, hat mehrere Gründe: "Bundesanleihen sind wegen der hohen Kreditwürdigkeit Deutschlands für Banken oder auch Versicherungen wichtig", so Thomas Altmann, Portfolio-Manager bei QC Partners gegenüber tagesschau.de. "Sie sind bei der Europäischen Zentralbank hinterlegungsfähig. Damit können Geschäftsbanken wichtige Eigenmittel-Richtlinien erfüllen."

Hohe Nachfrage durch die EZB

Die EZB selbst sorgt außerdem mit ihrem Anleihekaufprogramm dafür, dass die Nachfrage nach deutschen Schuldpapieren hoch ist. Sie hat in der vergangenen Woche erst eine Aufstockung ihres Krisenprogramms PEPP um weitere 500 Milliarden Euro angekündigt.

Zudem sind Bundesanleihen jederzeit "liquide", also auch in großen Mengen handelbar. Wenn ein Investor seine Bestände auflösen will, etwa um Aktien oder andere Vermögenswerte kaufen will, kann er dies mit den deutschen Staatspapieren schnell umsetzen.

Spekulation auf noch tiefere Minuszinsen

Nicht zuletzt spekulieren einige Investoren mit Bundesanleihen auf weiter sinkende Zinsen in den Negativbereich: "Damit wären insbesondere bei lang laufenden Anleihen weitere Kurssteigerungen möglich, die trotz negativer Verzinsung noch eine positive Gesamtrendite bringen können", meint Marktbeobachter Altmann. Trotz der erfreulichen Nebeneffekte beim Zins für deutsche Staatsanleihen: Die Schulden muss der Bund irgendwann dennoch zurückzahlen.

Über dieses Thema berichteten am 10. Dezember 2020 Deutschlandfunk Nova um 16:10 Uhr sowie Deutschlandfunk um 19:08 Uhr und am 15. Dezember 2020 tagesschau24 um 17:40 Uhr.