Flugpassagiere bei der Einreise in die USA | REUTERS

Ende des "Travel Ban" Buchungen für USA-Reisen ziehen an

Stand: 21.09.2021 19:13 Uhr

Die Reisebranche atmet auf: Von November an dürfen geimpfte deutsche Urlauber wieder in die USA reisen. Airlines und Reiseveranstalter berichten von kräftigen Buchungszuwächsen. Doch die Krise ist noch längst nicht vorbei.

von Notker Blechner, tagesschau.de

Die Erleichterung in der Lufthansa-Zentrale ist groß. "Endlich", jubelte die Airline in einer Pressemitteilung, "endlich: Nach rund 20 Monaten können viele Europäer wieder in die USA fliegen". Auch der deutsche Reiseverband DRV, das Sprachrohr der Reiseveranstalter und -büros, freut sich über die aus ihren Augen seit Monaten überfällige Lockerung. Der Schritt der USA sei lange erwartet worden und nun eine gute Nachricht für Kunden und Reiseanbieter, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. "Das Land ist mit jährlich über zwei Millionen Besuchern aus Deutschland das wichtigste Fernreiseziel für den deutschen Markt."

Die EU hatte schon im Juni geimpfte und genesene US-Touristen zur Einreise nach Europa wieder zugelassen. Dass es umgekehrt so lange dauern würde, bis die USA im Gegenzug ihre Grenzen wieder öffnen, hatte kaum jemand erwartet. Im März 2020 hatte US-Präsident Donald Trump ein Einreisestopp für Europäer verhängt.

40 Prozent Buchungsanstieg bei der Lufthansa

Die Ankündigung der US-Regierung unter Präsident Joe Biden, voll geimpfte Europäer nach eineinhalb Jahren ab November wieder einreisen zu lassen, ließ das US-Geschäft bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern sprunghaft ansteigen. So berichtete die Lufthansa von einem Buchungsplus von 40 Prozent für Lufthansa-Flüge über den Nordatlantik bereits in den ersten Stunden nach der Entscheidung der US-Administration.

Die Kranich-Airline, die vom Staat in der Krise gestützt werden musste, plant nun, die Kapazitäten für Transatlantik-Flüge weiter hochzufahren. Schon jetzt bietet die Lufthansa mehr als 200 wöchentliche Verbindungen in 17 amerikanische Städte an - fast so viele wie vor der Pandemie. Selbst mit wenigen Passagieren an Bord lohne sich das Geschäft, weil die Flieger voll mit Fracht gefüllt seien, erklärte Lufthansa-Manager Harry Homeister. Die Frachtpreise sind seit Monaten hoch.

Sollten Geschäfts- und Privatreisende wieder verstärkt Richtung USA abheben, würde die Lufthansa davon stark profitieren. Denn die Nordamerika-Flüge gelten als die rentabelsten Strecken. Vor der Pandemie machte das US-Geschäft gut die Hälfte des Passagieraufkommens und des Gewinns aus.

TUI und FTI rechnen ebenfalls mit großer Nachfrage

Eine wichtige Rolle spielt das US-Geschäft ebenfalls für die TUI. Die USA gehören zu den Top Ten der Reisedestinationen. Der Reiseveranstalter verzeichnete ebenfalls eine sprunghafte Belebung des Interesses für Amerika-Reisen. Anfragen dazu seien in den Reisebüros und Suchabfragen auf der TUI-Webseite bereits deutlich gestiegen, betonte ein Konzernsprecher gegenüber tagesschau.de. Dies dürfte sich kurzfristig in den Buchungen widerspiegeln.

Auch der Münchner Konkurrent FTI rechnet in den nächsten Monaten mit mehr Nachfrage - vor allem für den Osten der USA. "Angesichts der Öffnungsperspektive rechnen wir jetzt mit einem steten Anstieg der Buchungszahlen in den nächsten Monaten", sagte Geschäftsführer Ralph Schiller gegenüber tagesschau.de. Gerade der "Sunshine State" Florida sei aufgrund seiner stets sommerlichen Temperaturen auch zur Winterzeit ein populäres Ziel.

Noch immer nicht auf dem Vorkrisen-Niveau

Die USA werden allerdings das Tourismusjahr 2021 nicht mehr retten können; zu gering sind die positiven Effekte in den letzten beiden Monaten des Jahres. Zudem seien die USA eher eine Sommerdestination, betont ein Sprecher von DERTOUR. Wegen der Reiseflaute in den ersten vier Monaten des Jahres wird die Branche 2021 nicht an das Niveau von vor der Pandemie herankommen. Die TUI rechnet mit 60 Prozent der Kapazitäten des Vorkrisenniveaus. In Deutschland dürfte das Reiseangebot 75 bis 80 Prozent erreichen.

Zwar lief die Sommerurlaubssaison vielversprechend an - im Juni lagen laut dem Marktforscher Travel Data and Analytics die Buchungen um 42 Prozent über dem Vor-Corona-Niveau. Ab Juli schwächte sich dann aber die Dynamik ab. Eine hohe Zahl von Stornierungen bremste zudem die Erholung der Reisebranche. Gut jede vierte Reise im August sei storniert worden, heißt es von den Reisebüros. Die Lufthansa sprach gar teilweise von 75 Prozent stornierten Reisen im August.

Hoffen auf die Herbstsaison

Nun richtet sich die Hoffnung auf die Herbst-Reisesaison. Diese dürfte sich diesmal verlängern, weil viele Bürger wegen der Ausbreitung der Delta-Variante noch abgewartet hätten, heißt es bei der TUI. "Nach einem eher trüben August sehnen sich viele nach Sonne in der zweiten Jahreshälfte - entsprechend hoch ist der Run auf die Mittelmeerziele", erklärt TUI-Geschäftsführer Stefan Baumert. Die Top-3-Destinationen seien im Herbst laut TUI Antalya, Mallorca und Kreta. Der Reiseveranstalter hat die Kapazitäten im Herbst hochgefahren und bietet bis in den November hinein zusätzliche Verbindungen etwa in Richtung Balearen, Griechenland oder Madeira an.

Von einer bisher zufriedenstellenden Frühbucher-Saison spricht auch Konkurrent FTI. Am gefragtesten für Herbsturlaub aktuell seien vor allem die Türkei, Spanien mit den Balearen und Kanaren, Griechenland, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie auf der Fernstrecke der Indische Ozean, insbesondere die Malediven und Mauritius, und die Karibik, etwa die Dominikanische Republik, sagt Geschäftsführer Schiller.

Rückkehr der Geschäftsreisenden

Auch Geschäftsreisen ziehen wieder an. Die Lufthansa vermeldete für August einen Anstieg von 160 Prozent im Vergleich zum März. Im Herbst locken nun zahlreiche Messen, Kongresse und Firmenmeetings Business-Touristen an. Allerdings dürfte sich das Rekordjahr 2019 mit 195 Millionen Geschäftsreisen in der deutschen Wirtschaft für lange Zeit nicht übertroffen werden. "Es wird einige Jahre dauern, bis wir wieder dahin kommen", glaubt Niklas Andreen vom internationalen Geschäftsreisemanagement-Anbieter CWT. Wegen Videokonferenzen und Homeoffice haben viele Unternehmen Geschäftsreisen stark reduziert oder ganz gestrichen. Der DRV rechnet dauerhaft mit 30 Prozent weniger Geschäftsreisen.

Sollten die Corona-Neuinfektionen wegen zunehmend ansteckender Varianten wieder sprunghaft steigen, wird die Debatte über Urlaub nur für Geimpfte wieder an Fahrt gewinnen. Bisher setzen noch die meisten Veranstalter auf die 3G-Regel. Nur einzelne Anbieter wie Alltours lassen ab Ende Oktober nur Gäste mit vollem Impfschutz in ihre Allsun-Hotels rein.

Immer mehr Kreuzfahrten nur für Geimpfte

Anders sieht es bei Kreuzfahrten aus. TUI und Aida Cruises haben zuletzt mehrere Kreuzfahrten nur für Geimpfte durchgeführt. Auch in den USA sind Ungeimpfte auf Kreuzfahrtschiffen unerwünscht.

Wie groß die Einschränkungen für die Winterurlaubssaison sein werden, ist noch offen. Mehrere Skilift-Betreiber haben aber schon klar gemacht, dass die 3G-Regelung der Super-GAU wäre und nicht durchführbar sei. Die Nachfrage nach Skireisen jedenfalls boomt. Die TUI berichtete kürzlich über eine starke Frühbucher-Nachfrage nach Ferienorten in Österreich und Südtirol. "Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass es im Winter einen Ansturm auf die Skigebiete geben wird", sagte TUI-Geschäftsführer Baumert.