Eine Frau stapelt Bücher an einem Stand der Frankfurter Buchmesse. | dpa

Frankfurter Buchmesse Buchbranche überwindet Corona-Krise

Stand: 19.10.2021 12:12 Uhr

Die harten Zeiten hat die Buchbranche hinter sich gelassen: Im ersten Halbjahr gab es noch ein dickes Minus. Inzwischen wird sogar das Vor-Corona-Niveau teilweise übertroffen.

Von Steffen Clement, hr

Selbst im Lockdown, als keine einzige Kundin, kein einziger Kunde den "Buchladen am Markt" in Offenbach betreten durften, hat Buchhändlerin Andrea Tuscher ihren Optimismus nicht verloren. "Das lag aber eher daran, dass ich immer zuversichtlich in die Zukunft blicke", sagt die Buchhändlerin. Seit kurzem geben nun auch die Geschäftszahlen einen Anlass für den optimistischen Blick nach vorne. "Seit Ende August, Anfang September mache ich wieder den Umsatz wie vor Corona", sagt die Chefin. Für ihre sechs Beschäftigten ist damit auch das Kapitel Kurzarbeit erledigt.

Damit steht der Buchladen beispielhaft für den Branchentrend, wie die aktuelle Auswertung zeigt, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels heute anlässlich des Auftakts der Frankfurter Buchmesse veröffentlicht hat: In der Bilanz für das erste Halbjahr 2021 hatten die lokalen Buchhändler noch ein Minus von 22,9 Prozent gegenüber der Vor-Corona-Zeit gemeldet. Laut der jüngsten Erhebung ist das Umsatz-Minus inzwischen auf 13,3 Prozent abgeschmolzen. "Der Rückstand reduziert sich Woche für Woche", fasst der Börsenverein die jüngste Entwicklung zusammen.

Kinderbücher auch in der Krise gefragt

Noch besser sieht es für den Buchmarkt insgesamt aus, also mit E-Commerce und Verkaufsstellen am Bahnhof oder in Kaufhäusern: Im ersten Halbjahr verringerte sich das Geschäft noch um 3,7 Prozent. Inzwischen gibt es ein Umsatzplus von 0,7 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona. "Somit stehen die Chancen auf ein positives Jahresergebnis gut", heißt es vom Branchenverband.

Nach dem Corona-Schock geht es auch für die Reiseliteratur wieder aufwärts, die durch Lockdown und Reisebeschränkungen gleich doppelt getroffen war. Das kann Frank Schwarz direkt an den Verkaufszahlen für seinen Reiseführer "CityTrip Rom" ablesen: Der verkaufte sich in den sechs Monaten vor Corona 3800 mal, im zweiten Halbjahr 2020 waren es gerade mal 175 Exemplare. "Seit Wochen kennen die Zahlen nur eine Richtung", so Autor Frank Schwarz. "Nach oben. Die Reiselust ist zurück und damit sind Reiseführer auch wieder gefragt."

Neben den nackten Verkaufszahlen sorgt noch ein ganz anderer Trend für viel Zuversicht in der Branche: junge Leser überall. Da ist zum einen die Kinder- und Jugendliteratur, die von Corona profitierte. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 legte hier der Umsatz im ersten Halbjahr 2021 um 8,3 Prozent zu. So gehören Kinder- und Jugendbücher zu den Gewinnern.

Kunden werden jünger

Doch der Trend geht weit über dieses Buchsegment hinaus: Ganz generell werden die Kunden jünger, bemerkt Andrea Tuscher im Verkaufsalltag. Dabei versteht sie unter "jung" alle unter 40. "Wenn ich mit diesen Kunden ins Gespräch komme, sagen viele: Ich kaufe jetzt ganz bewusst bei Euch statt im Internet, um den lokalen Buchhandel zu unterstützen." 

Ganz ähnlich das Bild bei der Büchergilde Gutenberg, einer Art Buchklub in Deutschland und der Schweiz. Die rund 60.000 Mitglieder bekommen eigene Bücher oder Lizenzprodukte zu Vorzugspreisen, müssen im Gegenzug mindestens ein Buch im Quartal kaufen. Lange Zeit hatten Jüngere an diesem Vertriebsmodell wenig Interesse. Beispielhaft dafür steht der Bertelsmann-Buchclub, der 2015 für immer geschlossen wurde. Auch die Mitgliederzahl der Büchergilde ging über viele Jahre zurück, die Bestandskunden wurden immer älter.

"Echte Trendumkehr"

Das ändert sich gerade: Vor Corona waren zwei Drittel aller Neumitglieder älter als 50 Jahre. Inzwischen sind zwei Drittel der Neumitglieder jünger als 50 Jahre. "Eine echte Trendumkehr", sagt Ingmar Weber, Leiter Digital- und Direktmarketing der Büchergilde. "Vor Corona ist unsere Mitgliederzahl stetig gesunken, jetzt legen wir kontinuierlich zu."

Höhere Verkaufszahlen und mehr Erfolg bei den Jüngeren. Da hat die Buchbranche gleich doppelt Grund, um optimistisch auf die nächsten Wochen mit dem so wichtigen Weihnachtsgeschäft zu blicken. Und Buchhändlerin Andrea Tuscher ist inzwischen richtig entspannt. "Aus wirtschaftlicher Sicht ist für mich Corona erledigt", so die Buchhändlerin. "Ich mache persönlich da ein Häkchen dran."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Oktober 2021 um 11:00 Uhr.

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