Eine Frau geht mit einem Schirm an der Bank of England vorbei | AFP

Größter Zinsschritt seit 1997 Britische Notenbank erhöht Leitzins

Stand: 04.08.2022 14:19 Uhr

Die Bank of England hebt den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 1,75 Prozent an, um die hohe Inflation unter Kontrolle zu bringen. Es ist der größte Zinssprung der Notenbank seit 27 Jahren.

Die britische Zentralbank hat ihren Leitzins deutlich um einen halben Prozentpunkt auf 1,75 Prozent angehoben. Seit der 1997 erlangten Unabhängigkeit der Bank of England (BoE) wurde der Zins noch nie so stark erhöht. Der geldpolitische Ausschuss stimmte mit einer deutlichen Mehrheit von acht zu eins für den Zinsschritt. Nach dem Zinsentscheid schwächelte das Pfund. Die Währung des Vereinigten Königreichs fiel auf ein Tagestief.

In Großbritannien steht die Notenbank seit längerem unter Druck, der grassierenden Inflation Einhalt zu gebieten. Die Teuerungsrate war zuletzt auf 9,4 Prozent angestiegen, es ist der höchste Wert seit 40 Jahren. Das angestrebte Ziel liegt bei zwei Prozent Inflation.

Inflation von 13 Prozent erwartet

An den Märkten hatte man mit einer deutlichen Erhöhung gerechnet. Die Währungshüter in London hatten die Zinsen bereits seit Dezember 2021 schrittweise angehoben, jedoch nur in kleinen Trippelschritten. "Es mag aus Sicht eines Beobachter der EZB überraschend erscheinen, aber die Bank of England steht im Vereinigten Königreich unter öffentlicher Kritik für einen als zu expansiv empfundenen Kurs ihrer Geldpolitik", sagt LBBW-Analyst Dirk Chlench dazu. Dabei sei die Notenbank bereits im Dezember 2021 auf einen Zinserhöhungspfad eingeschwenkt und damit früher als andere Zentralbanken großer Länder.

Der Inflationsschub im Vereinigten Königreich dürfte nach Ansicht von Experten länger anhalten als in vielen anderen Volkswirtschaften. Dabei spielt auch der Austritt des Landes aus der Europäischen Union eine Rolle, was sich unter anderem auf den Handel auswirkt. Die Bank of England rechnet in den nächsten Monaten mit einem weiteren Anstieg der Verbraucherpreise. Man glaube, dass die Preiserhöhungen die Inflation noch weiter auf rund 13 Prozent im vierten Quartal treiben werden, hieß es in dem heute veröffentlichen Bericht der Notenbank.

Rezession im vierten Quartal erwartet

Die Währungshüter gehen davon aus, dass das Vereinigte Königreich voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres in eine Rezession rutschen wird. Ab dem nächsten Jahr könnte zudem die Arbeitslosigkeit ansteigen.

Die Finanzmärkte waren darauf eingestellt, dass die BoE dem Beispiel der Europäischen Zentralbank (EZB) folgen würde. Diese hatte ihre Zinswende jüngst mit einem großen Schritt eingeleitet und den Leitzins ebenfalls um 0,5 Prozent erhöht.

Notenbanken weltweit unter Druck

Weltweit stehen Notenbanken unter Zugzwang, die hohen Inflationsraten einzudämmen, die derzeit von den explodierenden Energiekosten und Lieferkettenproblemen angetrieben werden. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihren Leitzins bereits das zweite Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte nach oben gesetzt.

Höhere Preise für Rohstoffe und handelbare Güter würden dabei den Aufwärtsdruck auf die weltweiten Verbraucherpreise erhöhen, hieß es in dem Bericht der Bank of England. Die Prognosen der globalen Inflation und Wirtschaftsfähigkeit seien aber mit erheblichen Risiken behaftet und hängen vor allem davon ab, wie sich die geopolitischen Spannungen entwickeln.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 04. August 2022 um 13:15 Uhr.