Mehr Spielraum für Erhöhung Das Briefporto wird teurer

Stand: 18.04.2019 11:39 Uhr

Briefeschreiben wird künftig teurer: Das Porto für einen Standardbrief könnte auf bis zu 90 Cent steigen. Die Bundesnetzagentur gewährt der Post nach langem Hin und Her den Spielraum für eine deutliche Erhöhung.

Verbraucher müssen sich auf ein deutlich höheres Briefporto einstellen. Die Bundesnetzagentur teilte mit, dass die Deutsche Post einen Preiserhöhungsspielraum von 10,6 Prozent habe. Diesen kann sie für die verschiedenen Briefarten unterschiedlich nutzen.

Das Porto für einen Standardbrief könnte demnach noch stärker steigen - Branchenkreisen zufolge ist eine Anhebung auf bis zu 90 Cent möglich, aktuell sind es 70 Cent. Dann würde sich das Porto für andere Arten - ob Maxi-Brief, Kompaktbrief oder Postkarte - gar nicht oder kaum verteuern.

Das genaue Porto ist noch unklar. Erst im Mai kann die Deutsche Post die konkreten Preiserhöhungen beantragen. Die gelten dann voraussichtlich ab dem 1. Juli.

Deutsche Post will sich noch nicht festlegen

Die Deutsche Post legte sich in einer ersten Reaktion nicht fest, wie stark sie das Porto für einen Standardbrief erhöhen wolle. Das Unternehmen verwies darauf, dass die Netzagentur ihre Vorgaben zunächst nur zur Kommentierung veröffentlicht habe. Einen endgültigen Beschluss will die Behörde Ende Mai fassen. "Erst danach kann die Deutsche Post AG auch die konkreten Briefpreise beantragen, die ab 1.07.2019 gelten", stellte das Unternehmen klar.

FDP-Fraktionsvize Frank Sitta warf Union und SPD vor, sie hätten durch eine Änderung der Entgeltverordnung "die von der Post gewünschte Portoerhöhung durchgedrückt". Dies bringe für den Bundeshaushalt nun zusätzliche Dividendeneinnahmen "auf Kosten der Postkunden". Der Linken-Politiker Pascal Meiser warnte die Post vor "Abzocke": "Portoerhöhungen von bis zu 25 Prozent, die einzig der Steigerung der Milliardengewinne des Post-Konzerns dienen, sind inakzeptabel", erklärte Meiser.

Porto für Standardbriefe bei der Deutschen Post seit 2002
JahrPorto
200256 Cent
200355 Cent
201358 Cent
201460 Cent
201562 Cent
201670 Cent

Verordnung ebnete Weg zu größerem Preisspielraum

Bereits im Januar hatte die Bundesnetzagentur einen ersten "Preiserhöhungsspielraum" vorgeschlagen, damals waren es nur 4,8 Prozent. Dies war der Post zu wenig, sie drohte indirekt mit Job-Abbau. In der Bundesregierung stieß der ehemalige Staatsmonopolist mit seinem Anliegen auf Verständnis: Das Bundeswirtschaftsministerium brachte eine Verordnungsänderung auf den Weg, woraufhin die Netzagentur neu rechnen musste und dann auf den höheren Wert kam. Von Konkurrenten der Post kam scharfe Kritik - sie sehen den Bonner Konzern von der Bundespolitik begünstigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2019 um 12:00 Uhr.

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