Gabelstapler verlädt Holzpaletten |

Nach dem Brexit Neue Paletten-Norm bedroht Handel

Stand: 18.01.2021 10:46 Uhr

Wegen einer neuen Norm für Holzpaletten warnt die Logistikbranche vor zusätzlichen Verzögerungen im Warentransport mit Großbritannien. Ohnehin ist der Handel seit dem Brexit-Abkommen von Bürokratie belastet.

Die deutsche Logistikbranche warnt vor weiteren Verzögerungen im Handel mit Großbritannien. Grund ist eine neuerdings vorgeschriebene Palettennorm. Viele Unternehmen hätten noch nicht auf die seit dem Brexit geforderte Norm ISPM 15 umgerüstet, teilte der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) mit.

Zoll drückt ein Auge zu

"Schätzungsweise nicht einmal die Hälfte aller Paletten, die zwischen England und Europa unterwegs sind, entspricht den ISPM-Vorgaben", sagte HPE-Geschäftsführer Marcus Kirschner. HPE-Vorstandsmitglied Joachim Hasdenteufel sagte: "Das kann für längere Zeit zu einem massiven Hindernis werden." Derzeit drückten Zöllner auf beiden Seiten des Ärmelkanals noch ein Auge zu. Doch wenn angefangen werde, die Paletten genauer zu untersuchen, "bleibt jeder dritte Lastwagen stehen", sagte Hasdenteufel.

Bei Exporten ins und Importen aus dem Nicht-EU-Ausland - mit Ausnahme der Schweiz - müssen Holzpaletten nach dem ISPM-15-Standard behandelt sein. Damit soll sichergestellt werden, dass Holzschädlinge nicht in andere Ökosysteme verbreitet werden. Dazu wird der Holzkern für mindestens eine halbe Stunde auf 56 Grad Celsius erhitzt. Innerhalb der EU gilt die Vorschrift nicht. Großbritannien hatte den EU-Binnenmarkt und die Zollunion zum Jahreswechsel verlassen.

Europlatten |

Innerhalb der EU gelten die Vorgaben für Holzpaletten nicht.

"Die Überraschung überrascht"

Das Problem sei schon seit langem bekannt, betonte Hasdenteufel. Vor allem exportorientierte Unternehmen nutzten häufig bereits ausschließlich Paletten mit ISPM-15-Standard. Dennoch gebe es viele Unternehmen, denen nun erst klar werde, dass sie sich umstellen müssen. "Die Überraschung überrascht", sagte der Geschäftsführer des Holzverpackungsherstellers Hapack in Montabaur.

Holzpaletten sind ein integraler Bestandteil des Handels. Auf ihnen werden zahlreiche Waren transportiert, Lebensmittel ebenso wie Autoteile. Paletten seien wie Toilettenpapier, sagte Hasdenteufel. Der Branchenvertreter betonte, es seien ausreichend Paletten vorhanden. Es gehe in aller Regel nur darum, diese nachzubehandeln. Das könne höchstens zu leichtem Zeitverzug, aber nicht zu Engpässen führen. Künftig werde vermutlich nur noch der ISPM-15-Standard eingesetzt, sagte Hasdenteufel. "Die Kunden machen da keine Unterscheidung mehr."

Es gibt bereits Verzögerungen

Im Handel zwischen der EU und Großbritannien kommt es seit dem zu Jahresbeginn vollzogenen Brexit bereits zu Verzögerungen, etwa wegen neuer Zollvorschriften. Denn trotz des Handelspakts gibt es Zölle, darauf weist unter anderem die Unternehmensberatung BDO hin.

Das gilt beispielsweise dann, wenn Waren aus Großbritannien nicht britisch sind - zum Beispiel bei in Asien produzierte und über britische Händler vertriebene Kleidung. Das Stichwort heißt Ursprungsregeln. Bei Lebensmitteln werden ferner eingehende Kontrollen auf Verbraucher- und Hygienestandards nötig, vor allem zum Seuchenschutz.

Unterm Strich verursacht der Brexit also auch mit dem Handelsabkommen Aufwand, Bürokratie und Kosten. Das dürfte Exporte bremsen. So rechnet eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes vor, dass Exporteure in Großbritannien Einbußen in einem Volumen von 12 bis 25 Milliarden Pfund (13,5 bis 28,1 Milliarden Euro) zu erwarten hätten. Als Gründe nennt die Studie eine schwache Nachfrage, Bürokratie und die Abwertung des britischen Pfund.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Januar 2021 um 14:00 Uhr.