Lastwagen fahren zum Check-in in das Terminal am Hafen in Dover | dpa

Warenhandel komplizierter Die Brexit-Folgen werden spürbar

Stand: 08.01.2021 13:40 Uhr

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt behindert den Warenverkehr mit der EU. Der höhere bürokratische Aufwand sorgt für Verdruss - und vielleicht bald auch für leere Regale.

Der Brexit hat bereits in den ersten Tagen nach dem Auslaufen der Übergangsregeln handfeste Auswirkungen für viele Unternehmen, die den Warenverkehr zwischen Großbritannien und der EU abwickeln oder ihre Waren über die neuen Grenzen hinweg vermarkten wollen.

Fischer sollen wegen Bürokratie auf Exporte verzichten

Schottische Fischer etwa beklagen eine tagelange Verzögerung der Lieferzeiten und eine deutliche Erhöhung der Kosten. Der Export von Fischen und Meeresfrüchten sei nur noch mit dem Ausfüllen aufwändiger Erklärungen zu bewerkstelligen, heißt es vom Verband Seafood Scotland. Dazu kämen IT-Probleme. Könne die leicht verderbliche Ware nicht schnell genug ausgeführt werden, müsse sie weggeworfen werden. Der Handelsverband SB Fish riet den Fischern nun dazu, ganz auf den Fang für Exportlieferungen zu verzichten.

Die "erhöhte Belastung durch die erforderliche Zollbürokratie" ist für den Paket-Dienstleister DPD Grund genug, seine Lieferungen von Großbritannien auf den europäischen Kontinent einzustellen. Ein Teil der Pakete aus dem Königreich seien ohne ausreichende Zollerklärung verschickt worden und müssten nun an die Absender zurückgeschickt werden.

Lkw mit falschen Papieren

Auch der Warenverkehr zwischen Großbritannien und Nordirland ist von der Verunsicherung stark betroffen. Hier gelten laut dem Brexit-Abkommen noch die EU-Handelsregeln, um den Warenverkehr auf der irischen Insel nicht zu behindern. Laut britischen Medien leide nun die Lebensmittelversorgung nach Nordirland, weil vielen Lieferanten nicht bewusst sei, dass sie neue Papiere bei Lieferungen auf die irische Insel bräuchten.

Auch Warenhäuser wie Debenhams oder Anbieter wie John Lewis und TKMaxx haben wegen der Verunsicherung über die Handelsbestimmungen ihre Lieferungen nach Nordirland vorübergehend eingestellt.

"Komplex und teuer"

Britische Medien sehen den Jahresbeginn als Testphase für den wirklichen Brexit an. Laut BBC dürfte die Zeit der Nachsicht im gegenseitigen Handelsverhältnis bald vorbei sein. Den Beteiligten werde nun schmerzhaft klar, dass die "neue Handelsrealität komplex und teuer" werde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Januar 2021 um 17:00 Uhr.