Spinnenkrabbe | dpa

Brexit-Folgen Ein neuer Name für die Seespinne

Stand: 09.02.2021 12:03 Uhr

Britische Fischer fangen unter anderem auch "Spider Crabs" und Migrim Fish. Doch weil die Namen möglicherweise abstoßend klingen, will der Fischerverband sie künftig appetitlicher bezeichnen. Hintergrund der Aktion ist der Brexit.

Viele britische Fischer haben sich die wirtschaftliche Lage mit dem Brexit besser vorgestellt und viele wiederum stellen nun fest, dass sich ihre Situation gar verschlechtert hat. Den heimischen Fang zu verkaufen, gestaltet sich schwierig. Möglicherweise liegt dies auch an den Namen einzelner Meerestiere.

Um die Verkaufsquote zu verbessern, will ein englischer Fischereiverband einem Fisch und einer Krabbe deshalb neue, appetitlichere Namen geben. Der Megrim Fish (auf Deutsch: Flügelbutt) habe wegen seiner Bezeichnung einen "grimmigen" Beiklang, sagte Paul Trebilcock, der Chef des Fischereiverbands von Cornwall, der Zeitung "The Times".

Auch der Name der Spider Crab (wörtlich: Spinnenkrabbe, Deutsch: Dreieckskrabbe oder Seespinne) wirke möglicherweise abstoßend. Deshalb will der Verband die Meerestiere in Cornish Dole (Cornwall-Seezunge) und Cornish King Crab (Cornwall-Riesenkrabbe) umbenennen.

Flügelbutt | picture alliance / WILDLIFE

Auch der Megrim Fish (auf Deutsch: Flügelbutt) soll nach dem Willen des Verbandes einen "schöneren" Namen bekommen. Bild: picture alliance / WILDLIFE

Export-Geschäft weggebrochen

Wegen des Brexits ist den Fischern ihr Exportgeschäft weggebrochen. Zuvor hatten sie fast alle Flügelbutte und den überwiegenden Teil der Krabben nach Spanien verkauft. Seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt zum 1. Januar leidet der Handel aber unter Grenzkontrollen, Zollvorschriften und Bürokratie.

Export von Frischware lohnt sich oft nicht

Es wäre nicht das erste Mal, dass Fischarten aus Marketinggründen umbenannt werden, wie die "Times" berichtete. So sei in den USA und Kanada der englische Name des Schwarzen Seehechts von Patagonian Toothfish (Patagonischer Zahnfisch) in Chilean Seabass (Chilenischer Wolfsbarsch) geändert worden.

Großbritannien hatte fast das ganze vergangene Jahr über einen Freihandelsvertrag mit der EU verhandelt, der erst im letzten Augenblick zustande kam. Er verhindert zwar Zölle und Exportquoten. Händlern von Frischware hilft dies aber nur bedingt weil ihre Ware bei Verzögerungen an der Grenze verdirbt oder aber unter hohen Kosten gekühlt und gelagert werden muss.

Zusätzliche Zoll- und Veterinärgebühren

Nicht nur die Fischer, denen Premierminister Boris Johnson Vorteile durch den Ausstieg aus der EU versprochen hatte, kritisieren neue Hemmnisse durch den Brexit. Auch die Fleischindustrie klagt über kostspielige Verzögerungen. Für viele Unternehmen lohne es sich nicht mehr, ihre Produkte in die EU zu schicken, teilte der Verband der Fleischproduzenten mit.

Verbandschef Nick Allen betonte: "Das neue System verlängert den Prozess um durchschnittlich 30 Stunden und erhöht die Lieferkosten im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent." Grund seien zusätzliche Zoll- und Veterinärgebühren, Verzögerungen an der Grenze sowie erhöhte Versicherungsprämien.

Über dieses Thema berichtete WDR5 am 09. Februar 2021 um 19:04 Uhr.