Der Doppelstockzug "Ville de Geneve" von Bombardier FV-Dosto | Bildquelle: REUTERS

Alstom und Bombardier Ungewisser Milliarden-Deal

Stand: 18.02.2020 17:39 Uhr

Nach der Ankündigung des TGV-Herstellers Alstom, die Zugsparte von Konkurrent Bombardier zu übernehmen, sind viele Fragen offen: die kartellrechtlichen Hürden sind hoch - und die Sorge um Jobs und Standorte ist groß.

Bis zu 6,2 Milliarden Euro will der französische TGV-Hersteller Alstom für die Zugsparte des finanziell angeschlagenen kanadischen Konkurrenten Bombardier zahlen. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet worden, hatte Alstom am Montag mitgeteilt. Konzernchef Henri Poupart-Lafarge zeigte sich ebenso wie der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire optimistisch, dass die EU-Kommission die Übernahme billigen wird.

Ob es soweit kommt, ist jedoch ungewiss: Branchenexperten warnen vor Wettbewerbsnachteilen vor allem für kleinere Anbieter von Schienenverkehr. "Die kartellrechtlichen Hürden sind sehr hoch", sagte Maria Leenen vom Beratungsunternehmen SCI Verkehr. Die aktuell starke Nachfrage nach Bahntechnik werde auf ein geringeres Angebot stoßen.

Schlechte Aussichten für kleine Firmen

Vor allem für kleinere Bahnunternehmen könnte es schwieriger werden. Alstom und Bombardier würden insbesondere den Markt für Diesel- und Hybridfahrzeuge in Europa beherrschen. Auch in dem für den Regionalverkehr wichtigen Segment Elektrotriebwagen kämen beide in Europa auf einen Marktanteil von 47 Prozent. Siemens und Stadler brächten es zusammen auf 39 Prozent. Danach kämen nur wenige andere.

Logo Alstom | Bildquelle: dpa
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Der französische Alstom-Konzern erhofft sich von der Übernahme der Bombardier-Zugsparte einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz aus China und den USA.

Gewerkschaften befürchten Jobverluste

Für Deutschland wäre die Transaktion von großer Bedeutung. Die IG Metall befürchtet weitere Werksverlagerungen an Billigstandorte und forderte von der Politik, den Prozess zu begleiten. Bombardier hat mehrere Werke in Deutschland, Alstom betreibt sein größtes Werk in Deutschland. Beide beschäftigen hierzulande zusammen mehr als 9000 Mitarbeiter. Zu den Großkunden zählt die bundeseigene Deutsche Bahn.

Bombardier hat sich verhoben

2019 rissen Probleme im Zuggeschäft Bombardier tief in die roten Zahlen. In der vergangenen Woche war der Konzern deswegen bei dem gemeinsam mit Airbus gebauten Kurz- und Mittelstreckenjet Airbus A220 ausgestiegen. Die Kanadier hatten den Flieger unter dem Namen Bombardier C-Serie für mehr als sechs Milliarden US-Dollar selbst entwickelt, sich dabei aber finanziell verhoben. Die Zugsparte gilt als wertvollster Teil von Bombardier, auch wenn sie aufgrund operativer Schwierigkeiten das Unternehmen vor kurzem zu einer Gewinnwarnung gezwungen hatte. Auch mit Aufträgen für die Deutsche Bahn gab es Ärger.

Alstom übernimmt Zugsparte von Bombardier
Marcel Wagner, ARD Paris
17.02.2020 21:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2020 um 06:01 Uhr.

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