Der Doppelstockzug "Ville de Geneve" von Bombardier FV-Dosto | Bildquelle: REUTERS

Millionen-Deal Alstom will Bombardier-Zugsparte kaufen

Stand: 17.02.2020 19:12 Uhr

Der kanadische Konzern Bombardier ist finanziell schwer angeschlagen. Nun soll das Eisenbahngeschäft verkauft werden. Übernehmen will das der französische TGV-Hersteller Alstom.

Der französische TGV-Hersteller Alstom will die Zuggesparte des kanadischen Konkurrenten Bombardier übernehmen. Dafür solle ein Preis in der Spanne von 5,8 Milliarden Euro bis 6,2 Milliarden Euro gezahlt werden, wie Alstom am Saint-Ouen-sur-Seine bei Paris mitteilte. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet worden.

Bombardier ist finanziell schwer angeschlagen. 2019 rissen Probleme im Zuggeschäft den Konzern tief in die roten Zahlen. Bereits in der vergangenen Woche stieg das Unternehmen deswegen bei dem gemeinsam mit Airbus gebauten Kurz- und Mittelstreckenjet Airbus A220 aus.

Die Kanadier hatten den Flieger unter dem Namen Bombardier C-Serie für mehr als sechs Milliarden US-Dollar selbst entwickelt, sich dabei aber finanziell verhoben. Die Bombardier-Führung suchte nach weiteren Möglichkeiten, den Schuldenberg des Konzerns abzutragen.

Logo Alstom | Bildquelle: dpa
galerie

Der französische TGV-Hersteller Alstom will die in Berlin ansässige Zugsparte des angeschlagenen kanadischen Rivalen Bombardier übernehmen.

Bombardier unterhält mehrere Standorte in Deutschland

Für Deutschland wäre die Transaktion von großer Bedeutung. Der Hauptsitz der Bombardier-Zugsparte ist in Berlin. Von den insgesamt 40.650 Mitarbeitern, die laut dem Unternehmen zuletzt in 60 verschiedenen Ländern tätig waren, arbeiten nach Gewerkschaftsangaben rund 6500 Stammbeschäftigte in Deutschland.

Hinzu kommen rund 1100 Leiharbeiter. Die größten Standorte sind Hennigsdorf, Görlitz und Bautzen. Auch in Mannheim, Kassel und Siegen sind jeweils mehrere Hundert Menschen beschäftigt. Kleinere Standorte bilden zudem Braunschweig und Frankfurt.

Die Zug-Sparte gilt als wertvollster Teil von Bombardier, auch wenn sie mit operativen Schwierigkeiten kämpft, die das Unternehmen vor kurzem zu einer Gewinnwarnung gezwungen hatten. Auch mit Aufträgen für die Deutsche Bahn gab es Ärger.

Mit der Übernahme erhöhe Alstom seinen Auftragsbestand auf 75 Milliarden Dollar und baue seine Präsenz auf dem Weltmarkt aus, erklärten die Franzosen. Die Europäische Union muss dem Deal noch zustimmen.

Alstom übernimmt Zugsparte von Bombardier
Marcel Wagner, ARD Paris
17.02.2020 21:13 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: