Das Zalando-Logo auf einem Karton | Bildquelle: dpa

Konkurrenz aus Amerika Gegenwind für Zalando

Stand: 08.05.2018 08:46 Uhr

Wenn es um Mode geht, ist der Onlinehändler Zalando für viele Verbraucher in Europa die erste Adresse. 24 Millionen Kunden lockt Zalando mittlerweile in seinen Online-Shop. Damit das so bleibt, muss der MDax -Konzern kräftig investieren. Denn ein mächtiger Konkurrent macht jetzt auch in Mode.

Von Lothar Gries, boerse.ard.de

Zalando ist ehrgeizig. Bis 2020 will der Berliner Online-Shop, der längst auch eigener Geschäfte im realen Leben betreibt, seinen Jahresumsatz auf zehn Milliarden Euro steigern - mehr als doppelt so viel wie 2017. "Wir haben den Ehrgeiz, fünf Prozent Marktanteil zu erreichen", erklärt Co-Vorstandschef Rubin Ritter bezogen auf den europäischen Modemarkt. Derzeit liege der Anteil bei 1,3 Prozent.

Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, muss das Unternehmen kräftig investieren: in den Ausbau der Logistik, neue Servicecenter und zusätzliches Personal. Dazu will Zalando in diesem Jahr 2000 neue Stellen schaffen, vor allem in Berlin. Bereits im letzten Jahr ist die Zahl der Beschäftigten europaweit um ein Drittel auf 15.000 gestiegen.

Expansion kostet viel Geld

Ambitionierte Ziele, die sehr viel Geld kosten, wie die aktuellen Geschäftszahlen des ersten Quartals belegen. Denn der Expansionswille und der späte Start ins Frühjahr-Sommer-Geschäft - das Wetter ist schuld - habe dazu geführt, dass ein sattes Minus steht. Nach einem Nettogewinn von 5,1 Millionen Euro im Vorjahr fiel nun ein Minus von 15 Millionen Euro an. Analysten hatten mit besseren Ergebnissen gerechnet. Hatte Zalando im Jahr zuvor noch 20,3 Millionen Euro (Ebit) erwirtschaftet, waren es nun magere 400.000 Euro. Zu wenig, um die ambitionierten Pläne zu stemmen.

Rubin Ritter
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Zalando-Co Vorstandschef Rubin Ritter: Ambionierte Ziele

Denn die sind teuer, spielt doch die Technologie eine immer wichtigere Rolle. Mit Hilfe von Algorithmen, die Kaufentscheidungen analysieren, sollen die Angebote so passgenau wie möglich auf die Wünsche der einzelnen Kunden zugeschnitten werden. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Mitarbeiter: 250 Marketingexperten müssen ihren Job verlassen, sollen aber an anderer Stelle des Unternehmens eine neue Aufgabe bekommen.

Amazon greift an

Mit den Investitionen will Zalando aber nicht nur seinen Marktanteil ausbauen. Die Berliner reagieren damit auch auf den Druck des mächtigen Konkurrenten Amazon, der weltweiten Nummer eins im Online-Shopping. Die Amerikaner bieten nämlich in Europa jetzt auch Mode an - und greifen damit den europäischen Marktführer aus Berlin frontal an. "Wir haben das Ziel, bei den Kunden zur am meisten geliebten Adresse für Modekäufe zu werden", verkündete Amazons Modebeauftragte für Europa, Susan Saideman. Damit nehmen die Überschneidungen zwischen Zalando und Amazon deutlich zu.

Um seinen Vorsprung in Europa zu sichern, weitet Zalando deshalb sein Produktangebot immer weiter aus. Seit März bieten die Berliner auch Kosmetikprodukte an. Der Beauty-Markt, etwa 80 Milliarden Euro schwer, ist bislang online noch recht unerschlossen. Zalando verspricht sich daher viel. Langfristig sehe er für Zalando ein Umsatzpotenzial von mehreren hundert Millionen Euro mit Kosmetik, prophezeit Vorstand Rubin Ritter.

Expansion in neue Länder

Zudem will Zalando in diesem Jahr in zwei neue Länder expandieren. Auch wird das Markenangebot im Modebereich permanent erweitert. Inzwischen wirbt Zalando mit einem Angebot aus 1500 verschiedenen Marken. In diesem Jahr sollen weitere hinzukommen. Gleichzeitig sollen Angebote wie die Lieferung am gleichen Tag und die Abholung von Retouren ausgebaut werden.

Zalando-Vorstand (v. l.) Rubin Ritter, David Schneider, Robert Gentz
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Auf Expansionskurs: Zalando-Vorstand (v. l.) Rubin Ritter, David Schneider, Robert Gentz

Für Aktionäre bedeutet das: Eine Dividende wird es auch im zehnten Jahr des Bestehens von Zalando nicht geben. "Wir haben immer gesagt, dass wir unser Wachstum vor die Profitabilität stellen“, betont Vorstand Rubin Ritter. Deshalb sind mittelfristig auch keine steigende Margen zu erwarten. Diese Strategie erklärt, warum das Unternehmen für dieses Jahr zwar ein Umsatzwachstum von 20 bis 25 Prozent anpeilt, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern aber kaum zulegen und bei 220 bis 270 Millionen Euro liegen soll, nach 215 Millionen in 2017.

Erdrückende Marktmacht

Darin sind sich Zalando und Amazon sehr ähnlich: Auch die Amerikaner verwenden das eingenommene Geld vor allem für Investitionen. Dividendenzahlungen gibt es nicht. Aktionäre müssen sich mit Kursgewinnen begnügen. Damit sind sie bisher nicht schlecht gefahren. Die am ersten Oktober 2014 zu 21,50 Euro an die Börse gebrachte Zalando-Aktie hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Der MDax mittelgroßer Werte, dem sie seit Juni 2015 angehört, legte im gleichen Zeitraum um rund 60 Prozent zu. Bei diesem Vergleich hat Amazon allerdings die Nase weit vorn: dessen Kurs hat sich seit Herbst 2014 verfünffacht.

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Vom Flip-Flop-Verkäufer zum Kosmetik-Anbieter

Vor knapp zehn Jahren gründeten zwei Austauschstudenten Zalando und verkauften Flip-Flops übers Internet. Aus dem kleinen Schuh-Shop ist inzwischen Europas größter Online-Modehändler mit über vier Milliarden Euro Umsatz geworden. Jetzt will Zalando auch noch im Kosmetik-Geschäft mitmischen.

von Notker Blechner

Auch der Größenunterschied zwischen beiden Firmen ist enorm: Zalando zählt 24 Millionen aktive Kunden, Amazon kommt weltweit inzwischen auf rund 300 Millionen Kundenkonten - eine erdrückende Marktmacht. Läuft Zalando also Gefahr, den Wettbewerb mit Amazon zu verlieren?

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Scott Galloway hat Bedenken

Der New Yorker Marketingprofessor Scott Galloway hat mit Blick auf die langfristige Zukunft des Unternehmens Bedenken. "Zalando ist wunderbar, sie machen einen tollen Job – aber Amazon wird ihnen schaden", so Galloway. Amazons Expansion im Logistikbereich in Europa sei eine Art zweiter D-Day: "Da landen Millionen von Truppen an den europäischen Ufern." Galloway sieht sich durch diesen Umstand einmal mehr in seiner Forderung bestätigt, dass Amazon zerschlagen werden sollte.

Die meisten Analysten bleiben dennoch positiv gestimmt und zeigen Verständnis für die teure Expansion. Die Wachstumsstory Zalandos sei aber weiterhin intakt, so das Urteil. Von den von dpa-AFX befragten Analysten empfehlen elf die Aktie zum Kauf. Acht Experten raten die Aktie zu halten und drei zu verkaufen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Mai 2018 um 15:35 Uhr.

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