Wohngebiet

Nicht trotz, sondern wegen Corona Wohnimmobilien werden immer teurer

Stand: 25.11.2020 09:40 Uhr

Der Trend zu steigenden Preisen für Häuser und Wohnungen in Deutschland ist auch in der Corona-Krise ungebrochen. Im dritten Quartal kletterten die Immobilienpreise so stark wie zuletzt Ende 2016.

Der Trend zu steigenden Preisen für Häuser und Wohnungen in Deutschland ist auch in der Corona-Krise ungebrochen. Im dritten Quartal kletterten die Immobilienpreise so stark wie zuletzt Ende 2016. Zu Beginn der Corona-Krise waren viele Immobilienexperten absolut sicher, dass die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie früher oder später auch den überhitzten Wohnungsmarkt hart treffen würden.

Privatinsolvenzen, Arbeitnehmer in Kurzarbeit, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können, sowie die Angst vorm Jobverlust bei potenziellen Käufern würden zu einer Welle von Zwangsversteigerungen und sinkenden Immobilienpreisen führen. Nun, diese Einschätzung hat sich bislang so gar nicht bewahrheitet. Im Gegenteil.

Stärkster Anstieg seit Ende 2016

Durchschnittlich waren Wohnimmobilien im dritten Quartal 2020 sogar um 7,8 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung, die die Wiesbadener Behörde am Mittwoch veröffentlichte.

Der Preisanstieg sei der stärkste seit dem vierten Quartal 2016 mit damals durchschnittlich 8,4 Prozent. Im Vergleich zum zweiten Quartal des laufenden Jahres kletterten die Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland im Schnitt um 2,6 Prozent.

Corona als Preistreiber

Der deutliche Preisanstieg bei Wohnimmobilien findet ganz offensichtlich nicht trotz, sondern wegen Corona statt: Wer möchte schon in Zeiten von Lockdowns, Home-Office und Home-Schooling mit seiner Familie auf beengtem Raum leben? Wer es sich leisten kann, vergrößert sich.

"Wir sind der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub bei gleichzeitig beschränktem Angebot erzeugt hat", betonte jüngst Bernd Leutner, Chef des Hamburger Beratungsunternehmens F+B, auf Basis einer aktuellen Studie.

Kommt es zur Flucht raus aufs Land?

Die Nachfrage nach Wohnraum ist vor allem in Ballungsräumen groß. Weil dort die Preise in der Regel höher sind als auf dem Land, weichen Kaufinteressenten auch auf ländliche Regionen aus.

Es bleibt abzuwarten, ob der Corona-bedingte Trend zum Homeoffice das Zeug dazu hat, die Wohnungsmärkte in Großstädten mittel- bis langfristig zu entlasten, wie es einige Beobachter des Immobilienmarktes vermuten.

Niedrige Hypothekenzinsen stützen die Nachfrage

Stützend für die Wohnimmobilienpreise wirken weiterhin die Hypothekenzinsen, die wohl noch für viele Jahre auf ihrem niedrigen Niveau verharren dürften. Damit bleibt es für Kaufinteressenten attraktiv, ein Eigenheim zu finanzieren oder in Immobilien zu investieren und als Vermieter regelmäßige Einkünfte zu erzielen.

Bei dem heute vorgelegten Ergebnis zu den Wohnimmobilienpreisen im dritten Quartal handelt es sich übrigens laut Statistischem Bundesamt um eine Schnellschätzung, die anlässlich des großen Interesses an möglichen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Entwicklung des Immobilienmarkts veröffentlicht worden sei. Der reguläre Veröffentlichungstermin ist weiterhin der 28. Dezember.

ag

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. November 2020 um 09:37 Uhr.

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