Das "Wirecard"-Logo auf dem Gebäude des Firmensitzes in Aschheim bei München | Bildquelle: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX/S

Verdacht der Marktmanipulation Razzia bei Wirecard

Stand: 08.06.2020 20:00 Uhr

Der Zahlungsabwickler Wirecard kommt nicht zur Ruhe. Nach einer Durchsuchung der Büros der Vorstandsmitglieder am Freitag durch die Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts der Marktmanipulation stand die Aktie zunächst unter Druck.

Nach einem Einbruch um zwölf Prozent im Frankfurter Späthandel am Freitag fiel die Reaktion der Anleger am Morgen moderater aus. Die Titel verloren im Xetra-Handel anfangs sechs Prozent, konnten ihre Verluste im weiteren Verlauf aber deutlich abbauen und drehten am Nachmittag ins Plus.

Auslöser des neuerlichen Kursrutsches war die Mitteilung des Unternehmens vom Freitagabend, wonach die Geschäftsräume in Aschheim von der Staatsanwaltschaft München durchsucht worden seien. Es bestehe der Verdacht, "dass die Verantwortlichen der Wirecard durch die Ad-hoc-Mitteilungen vom 12.03.20 und vom 22.04.20 irreführende Signale für den Börsenpreis der Aktien der Wirecard AG gegeben haben könnten".

Weitere Kursinformationen zu Wirecard

Das Unternehmen bestätigte die Untersuchungen und teilte mit, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Gesellschaft, sondern gegen ihre vier Vorstandsmitglieder richten. Die sind "zuversichtlich, dass der Sachverhalt sich aufklären wird und die Vorwürfe sich als unbegründet erweisen werden". Am Wochenende schaltete das Dax-Unternehmen die neue Rubrik "Transparenz" auf seiner Website frei, die weitere Aussagen zu den aktuellen Vorgängen bietet.

Umstrittene Pflichtmitteilungen

In den zwei Pflichtmitteilungen am 12. März und 22. April hatte Wirecard erklärt, die KPMG-Wirtschaftsprüfer hätten nichts zu beanstanden. Bei der Vorlage ihres Berichts Ende April erklärten die Prüfer aber, dass sie einige der in Medienberichten erhobenen Vorwürfe nicht entkräften konnten. Zudem warfen sie dem Unternehmen vor, die Untersuchungen teilweise behindert zu haben. Wirecard wird vorgeworfen, Bilanzen, vor allem im Geschäft mit Auslandstöchtern, nicht richtig wiedergegeben zu haben.

Mit den Ermittlern will Wirecard nun kooperieren. "Alle von den Behörden im Rahmen der Durchsuchung angeforderten Daten wurden kurzfristig bereitgestellt", heißt es in einer aktuellen Stellungnahme, die das Unternehmen auf seiner Webseite veröffentlichte. Weitere öffentliche Erklärungen wollen Vorstand und Aufsichtsrat nicht abgeben, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Die Anzeige und die Durchsuchung kommen zur Unzeit für Wirecard, erhöhen sich doch erneut den Druck auf Konzernchef Braun. Am 18. Juni will Wirecard seine dreimal verschobene Jahresbilanz vorlegen. Der Wirtschaftsprüfer EY muss sie testieren, doch unter Anlegern wächst die Sorge, dass es dabei zu Problemen kommen könnte.

Braun im Mittelpunkt der Kritik

Im Mittelpunkt der Kritik steht Vorstandschef Markus Braun. Großinvestoren wie die Fondsgesellschaft Deka fordern deshalb seinen Rücktritt. Schließlich sei er der Hauptverantwortliche für den Vertrauensverlust am Kapitalmarkt, sagte Fondsmanager Ingo Speich. Dieser lasse sich nur reparieren, indem ein anderer den Chefposten übernehme.

Auch der Corporate-Governance-Experte und frühere DWS-Chef Christian Strenger hält die Rolle von Braun, der auch sieben Prozent der Wirecard-Anteile besitzt, für zunehmend problematisch. "Brauns Problem ist, dass er immer noch mit den für ein Dax-Unternehmen im Kapitalmarkt geltenden Regeln fremdelt", sagte Strenger dem "Handelsblatt". Und weiter: "Angesichts der öffentlichen Bedeutung des Konzerns kann ich das Agieren des CEO immer weniger nachvollziehen.

Brauns Handeln sei zwar gut gemeint, wirke aber schädlich für den Konzern. Auch ist Strenger der Meinung, dass die BaFin schon deswegen "viel schneller" hätte reagieren sollen. Tatsächlich war die BaFin Wirecard im letzten Jahr noch zur Seite gesprungen und hatte mit einem Leerverkaufsverbot die Aktie vor unerwünschten Angriffen durch Hedgefonds geschützt. Nach dem verheerenden Prüfbericht durch die KPMG hat sich die Meinung zu Wirecard geändert. Jetzt äußern sich auch Fondsmanager, Anlegervertreter sowie Rechtsanwälte offen kritisch zu dem Unternehmen und fordern Veränderungen im Vorstand. Die Aktie stieg am Montag auf Xetra trotzdem 1,6 Prozent auf 97,48 Euro.

boerse.ARD.de

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 05. Juni 2020 um 22:02 Uhr.

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