Ein Mann betritt in Washington D.C. eine Filiale von "WeWork". | Bildquelle: AFP

Abstufung durch Ratingagentur WeWork nur noch Ramsch

Stand: 02.10.2019 17:02 Uhr

Vor kurzem war WeWork noch das wertvollste Start-up der USA. Nun geht dem US-Büroraumvermieter das Geld aus. Nach dem gescheiterten Börsengang hat die Ratingagentur Fitch die Firma auf Ramsch-Niveau herabgesetzt. Ist WeWork noch zu retten?

Wer hochgelobt wird, kann tief fallen. Diese Erfahrung muss gerade WeWork machen. Anfang des Jahres wurde der Co-Working-Anbieter noch als Wunderfirma gefeiert. Der damalige WeWork-Chef Adam Neumann versprach, eine Gesellschaft formen, in der "sich niemand allein fühlt" und jeder "einem Sinn folgt". WeWork vermietet in 126 Städten Büroräume, darunter in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München.

Bei der letzten Finanzierungsrunde im Januar wurde WeWork mit stolzen 47 Milliarden Dollar bewertet. Die japanische Softbank investierte Milliarden in den CoWorking-Anbieter und ist mit 20 Prozent am Start-up beteiligt.

Hohe Verluste und wilde Partys

Doch die hochfliegenden Börsenpläne scheiterten krachend. Investoren störten sich unter anderem an den hohen Verlusten und der Rolle des Gründers und ehemaligen Firmenchef Adam Neumann. Der charismatische langhaarige Startup-König und "Shared-Economy"-Pionier soll laut "Business Insider" Nonstop-Partys mit "Sex, Tequila und Tigern" gefeiert haben. Von Meetings mit Tequila-Shots, ständigen Frauen-Diskriminierungen und wilden Orgien auf Betriebsausflügen war die Rede. Neumann soll ständig herumgebrüllt haben.

Nach massiver Kritik nahm Neumann in der vergangenen Woche seinen Hut. Nach einigem Hin und Her wurde das IPO Ende September auf Eis gelegt. Seither gerät WeWork immer mehr unter Druck. Zuletzt wurde das Unternehmen nur noch mit zehn bis zwölf Milliarden Dollar die Rede - weniger als die 12,8 Milliarden an Eigenkapital, die WeWork laut dem Datenanbieter Crunchbase seit seiner Gründung vor neun Jahren bei Investoren eingesammelt hat.

Börse 6.00 Uhr: WeWork-Börsengang wird verschoben, Teamviewer läuft

02.10.2019 16:32 Uhr

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Wie lange reicht das Geld noch?

Die Ratingagentur Fitch stufte in der Nacht zum Mittwoch die Kreditwürdigkeit des Unternehmens tiefer in den Ramschbereich herab und drohte mit einer weiteren Senkung. Ohne einen Börsengang habe WeWork keine ausreichenden Mittel, um seine Wachstumspläne umzusetzen, erklärte Fitch. Der Bürovermieter, der 2018 einen Verlust von 1,9 Milliarden Dollar verbuchte, wollte mindestens drei Milliarden Dollar durch den Börsengang einnehmen und sich weitere sechs Milliarden Dollar als Kredit sichern, die an den Erfolg eines Börsengangs gekoppelt waren.

Die Ratingagentur Fitch stufte WeWork wegen der Kapitallücke auf "CCC+" herab und versah das Rating mit einem negativen Ausblick. In den Augen der Bonitätswächter ist damit ein Kreditausfall möglich. Ohne Restrukturierungskosten reiche das Geld aktuell noch vier bis acht Quartale, erklärte Fitch.

WeWork will Jobs streichen und Expansion bremsen

WeWork hat reagiert. Das Start-up will Arbeitsplätze streichen und die Expansion verlangsamen, um weniger Geld zu verbrennen und seine Abhängigkeit von frischem Kapital zu reduzieren. Dem "Wall Street Journal" zufolge erwägt das neue WeWork-Management daher, sein Wachstum in China zu drosseln.

Der geplante Stellenabbau könnte für den US-Bürovermieter teuer werden. Insidern zufolge verhandelt WeWork aktuell mit seinem größten Geldgeber, dem japanischen Technologieinvestor Softbank, über eine neue Geldspritze. Neben der Finanzlücke fürchten die Fitch-Analysten, dass sich Großkunden von WeWork abwenden könnten.

nb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 Börse (BR) am 30. Oktober 2019 um 22:13 Uhr.

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