Trockenes Flussbett

Wasserstreit Geschäfte mit der Wasserknappheit

Stand: 21.08.2018 06:45 Uhr

Wegen Hitze und Dürre wird in vielen Teilen der Welt das Wasser knapp. In den französischen Vogesen gibt es nun sogar einen Streit zwischen der Bevölkerung und Nestlé: Wem gehört das Wasser?

Von Notker Blechner, boerse.ard.de

Eigentlich hat die Erde genügend nasse Ressourcen: Mehr als zwei Drittel der Oberfläche ist von Wasser bedeckt. Das Problem: Das meiste davon ist Salzwasser, nur 0,3 Prozent der H2O-Vorkommen auf der Erde ist trinkbar. Und diese Menge ist auch noch ungleich verteilt in der Welt. Während Nordeuropa Wasser im Überfluss hat, herrscht in Afrika, Lateinamerika und Asien vielerorts dramatische Wasserknappheit. Laut den UN haben weltweit rund 750 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mit der wachsenden Weltbevölkerung und den zunehmenden Dürreperioden wegen des Klimawandels dürfte sich die Wassernot noch verschärfen.

Kapstadt entgeht der Katastrophe

In der südafrikanischen Metropole Kapstadt drohte in diesem Sommer gar die "Stunde Null". Aufgrund einer Jahrhundert-Dürre ging der Millionenstadt fast das Wasser aus. Nur dank umfangreicher Wasserspar-Maßnahmen und der umgebauten Wasserversorgung konnte das Schlimmste verhindert werden.

Wasserressourcen 2025 weltweit
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Wasserressourcen 2025 weltweit

Auch in Kalifornien und in Australien sorgen anhaltende Dürren für schwindende Wasser-Reserven. Und Israel warnt in einer millionenschweren TV-Kampagne die Bevölkerung, dass das Land austrocknet. Die Regierung plant gar, entsalztes Meerwasser in den See Genezareth zu pumpen, dessen Pegel auf Rekordtiefstände geschrumpft sind.

Wassernotstand selbst in Deutschland

Vertrocknete Maispflanzen
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Vertrocknete Maispflanzen

Selbst im eigentlich wasserreichen Westeuropa hat der "Dürresommer" Spuren hinterlassen. In Deutschland trocknen Flüsse aus, manche Landkreise haben der Bevölkerung verboten, Wasser von dort zu entnehmen. In ein paar Kommunen wurde sogar der Notstand ausgerufen. Das Vogelsberg-Städtchen Ulrichstein muss Tanklaster einsetzen, um die Einwohner mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen.

In dem beschaulichen Kurörtchen Vittel in den französischen Vogesen ist die Lage besonders angespannt. Die Bürger liefern sich einen Kampf mit dem Mineralwasser-Konzern Nestlé Waters um ihr Wasser. Künftig sollen die 5000 Einwohner von Vittel über eine Pipeline mit Trinkwasser aus 15 Kilometer Entfernung versorgt werden, weil der Grundwasserspiegel jährlich um 30 Zentimeter sinkt. Nestlé Waters kann hingegen weiter rund 750 Millionen Liter Wasser jährlich aus dem Boden von Vittel schöpfen.

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Wasserstreit in Vittel

Brunnen in Vittel, Lothringen
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Mann und Frau füllen Wasser an einem Brunnen in Vittel, Lothringen ab

Umweltschützer und Kommunalpolitiker sind empört. "Das ist als würde man Menschen am Atlantik vorschreiben, in einem Pool mit Wasser aus dem Mittelmeer zu baden", schimpfen sie. "Die Ressource Wasser gehört allen", fordert Jean-Francois Fleck vom regionalen Umweltschutzverband Vosges Nature Environnement. Manche sprechen von einer heimlichen Privatisierung der lokalen Wasserversorgung.

Tatsächlich sprudelt das Mineralwasser-Geschäft so kräftig wie nie. In Deutschland stieg zuletzt die Mineralwasserproduktion auf ein Rekordniveau. Und in Schwellenländern boomt die Nachfrage nach in Flaschen gefülltes Trinkwasser, weil viele Städte keine ausreichende kommunale Wasserinfrastruktur besitzen. Nestlé mit den Marken Vittel und San Pellegrino, Coca-Cola mit Vio sowie Danone mit Volvic und Hayat liefern sich hier einen Kampf um den Durst der Asiaten und Südamerikaner.

Klauen Nestlé & Co der Bevölkerung das Wasser?

Den großen Trinkwasser-Produzenten wie Nestlé Waters wird vorgeworfen, durch das Anzapfen der Quellen der Bevölkerung das Wasser wegzunehmen. Der Schweizer Filmemacher Res Gehriger deckte in seinem Anti-Nestlé-Film "Bottled Life" auf, dass im pakistanischen Dorf Bhatti Dilwan nahe der Wasserproduktion von Nestlé der Grundwasserspiegel sank und eine ganze Reihe von Brunnen versiegten. Nestlé wies zunächst die Vorwürfe zurück, investierte dann aber Geld in einen neuen Tiefbrunnen und eine Aufbereitungsanlage. Die Familien können sich kostenlos ihre Kanister füllen.

Umweltschützer monieren aber, dass Multis wie Nestlé ein zweites Versorgungssystem mit gesundem Wasser in Flaschen geschaffen hätten, das sich nur die Wohlhabenden leisten könnten und wegen ihrer Plastikverpackung zusätzlich die Umwelt belaste. Die lokalen Trinkwasserleitungen und Abwasserkanäle - falls vorhanden - würden indes vernachlässigt und seien marode.

Neue Technologien gegen die Wasser-Krise

Mit dezentralen Anlagen und neuen innovativen Techniken versuchen mehrere Firmen die Wasser-Probleme zu lindern. So bietet Xylem einen speziellen Filter zur Reinigung von Wasser an. Der US-Konzern Lindsay hilft den Landwirten mit intelligenter Bewässerungstechnologie. Und selbst die beiden großen französischen Wasser-Giganten Veolia und Suez setzen inzwischen auf kleinteilige Lösungen.

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Veolia und Suez haben längst den Weltwasser-Markt aufgeteilt. Die beiden Konzerne versorgen fast 200 Millionen Menschen mit Trinkwasser. In den 1990er- und 2000er-Jahren ergatterten sie milliardenschwere Aufträge zur Privatisierung der Wasserversorgung und Abwasseraufbereitung von Millionen-Metropolen wie Buenos Aires, Casablanca und Manila.

Investieren in Wasserfonds

Da mit der wachsenden Weltbevölkerung der Wasserbedarf weiter steigen wird, dürften die Investitionen in Wasseraufbereitungs- und Abwasserreinigungs-Anlagen weiter zunehmen. Wer daran partizipieren und etwas gegen die Wassernot tun will, kann sein Geld in breit angelegte Wasserfonds stecken. 15 von ihnen werden in Deutschland gehandelt. Diese warfen zuletzt sprudelnde Gewinne ab. Laut dem Abnalysehaus Scope erbrachten sie auf Dreijahres-Sicht eine durchschnittliche Performance von gut zehn Prozent. Der passive Lyxor ETF World Water schlug sich in den letzten fünf Jahren sogar besser als der MSCI World. Allerdings schließen nicht alle Wasserfonds Mineralwasserproduzenten aus. Anleger sollten daher genau auf die Nachhaltigkeitsstandards, die so genannten ESG-Kriterien achten.

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Quelle: boerse.ard.de
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