Jetblack

Umbau zum Tech-Konzern So will Walmart das Shoppen neu erfinden

Stand: 16.05.2019 06:45 Uhr

Ich texte, also kaufe ich. Der weltgrößte Einzelhändler Walmart experimentiert mit einem exklusiven Einkaufsservice auf Basis von Textnachrichten. Künstliche Intelligenz soll das Shopping-Erlebnis auf eine neue Stufe heben.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Was macht eine New Yorkerin, die eine neue Yogamatte, Espressokapseln und Ideen für den zweiten Geburtstag ihres Sohnes braucht? Sie kann stundenlang durchs Internet surfen und die Produkte bestellen. Oder sie kann sich durch den Großstadtdschungel von Geschäft zu Geschäft quälen.

Sie kann aber auch eine kurze Textnachricht an "Jetblack" senden. Ein paar gezielte Nachfragen später macht sich eine Jetblack-Mitarbeiterin auf den Weg, um die gewünschten Dinge zu besorgen. Sie überreicht die Waren persönlich, häufig noch am selben Tag.

Zielgruppe: gestresste Mütter

"Need it. Text it. Get it" – so lautet das Motto des exklusiven Einkaufsdienstes Jetblack, den der weltgrößte Einzelhändler Walmart vor einem Jahr in New York lanciert hat. Nutzer können hier per Textnachricht bestellen, was auch immer sie wollen – ausgenommen frische Lebensmittel.

Skyline von New York
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Jetblack ist bislang nur in New York verfügbar

Zielgruppe sind gestresste Mütter. Gutsituierte gestresste Mütter. Schließlich kostet eine Jetblack-Mitgliedschaft 600 Dollar pro Jahr.

Auf dem Weg zum Technologieunternehmen

Doch Jetblack ist auch ein Jahr nach dem Start immer noch nicht profitabel. Für Walmart kein Problem – der Einzelhandelsriese verfolgt mit Jetblack langfristige Ziele.

Aus der Supermarktkette soll nach dem Willen von Konzernchef Doug McMillon ein "Technologieunternehmen" werden, das den Strukturwandel in der Branche vorantreibt, statt Veränderungen hinterherzulaufen. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen steht der "Store No. 8".

alt Intelligent Retail Lab

Was passiert im Store No. 8?

Der Store No. 8. ist Walmarts Tech-Inkubator. Seine Aufgabe ist es, neue Shopping-Dienste und -Technologien zu entwickeln. Store No. 8 ist die Idee von Marc Lore, dem Gründer von Jet.com. Walmart kaufte das Start-up vor zwei Jahren für 3,3 Milliarden Dollar. Der Einkaufservice Jetblack ist eines der Projekte des Store No. 8.

Wir müssen mal reden

Von Jetblack erhofft sich Walmart tiefe Einblicke in den "conversational commerce": Das Einkaufen via Textnachricht, Online-Chats und Sprachbefehl gilt als der letzte Trend im Einzelhandel. Vorreiter sind Plattformen wie Facebook Messenger, aber auch digitale Sprachassistenten wie Alexa oder Google Assistant.

Walmart versus Amazon
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Erzrivale Amazon wird an der Börse dreimal so hoch bewertet wie Walmart

Ein ehemaliger Walmart-Vorstand sagte dem "Wall Street Journal", Jetblack könne helfen, die Kunden nachhaltig von Amazon Prime wegzulocken. Dazu müsste Walmart es aber zunächst schaffen, die einfache Kommunikation per Textnachricht zum neuen Goldstandard im E-Commerce zu machen.

Wer braucht schon einen Amazon Echo?!

Amazon Echo Dot
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Einkaufen per Sprachbefehl: Der Amazon Echo Dot ist fester Bestandteil des Amazon-Ökosystems

Der Weg dorthin ist zwar noch lang. Doch Walmart ist fest davon überzeugt, dass Kunden in Zukunft ihre Einkäufe lieber per simpler Text- oder Sprachnachricht tätigen werden, anstatt durch tausende Angebote online zu surfen. Dazu würden die Kunden auch kein zusätzliches Gerät benötigen wie etwa einen Amazon Echo. Schließlich haben sie bereits ein Smartphone.

Doch um ein automatisiertes System mit Künstlicher Intelligenz (KI) aufzubauen, braucht es Daten. Jede Menge Daten. Hier kommt wieder Jetblack ins Spiel: Durch die Analyse der Interaktionen der Jetblack-Mitarbeiter mit ihren Kunden will Walmart einen Computer-Algorithmus so trainieren, dass er auf Anfragen von Kunden "menschenähnlich" reagiert.

Jetzt wird auch Walmart zum Datensammler

Jenny Fleiss
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Jenny Fleiss, CEO von Jetblack

Das System lernt so, welche Folgefragen es stellen muss, erklärt Jenny Fleiss, Chefin von Jetblack. Frage etwa eine Kundin nach einem neuen Kinderwagen, solle das System lernen, als nächstes zu fragen: "Für wie viele Kinder?" und "Soll Ihr Kind im Kinderwagen auch schlafen können?"

So kann Walmart künftig die Personalkosten senken und Kundenwünsche zum Beispiel auch nachts bearbeiten. Die Weiterentwicklung der hauseigenen KI soll zudem helfen, den Kunden künftig auch in den stationären Walmart-Einkaufscentern ein personalisiertes Shopping-Erlebnis zu bieten.

Tschüss, Suchleiste!

Sears, Roebuck & Co.
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Sears ist bereits Geschichte

Denn nur wenn Walmart die Shopping-Evolution vorantreibt, kann der Einzelhandelsriese überleben. Der stationäre Einzelhandel in den USA ist angesichts des Siegeszugs des E-Commerce bereits zum Friedhof einiger klangvoller Namen geworden. Sears und Toys'R'US gingen bereits pleite.

Walmart ist aber noch lange nicht bereit, seinen Grabstein in Auftrag zu geben. Stattdessen will der weltgrößte Einzelhandelskonzern mit Hilfe Künstlicher Intelligenz die Zukunft des Einkaufens gestalten.

Eine Zukunft, in der Suchleisten auf Internetseiten keine große Rolle mehr spielen. Eine Zukunft, in der wir unsere Einkäufe einfach und unkompliziert per Text- oder Sprachnachricht erledigen. Jetblack ist da ein erster Schritt in die richtige Richtung.

alt Walmart-Laden

Walmarts Onlinehandel nimmt Fahrt auf

Walmart, der weltgrößte Einzelhändler der Welt, steckt mitten im Umbau. Die Amerikaner wollen moderner werden und setzen auf das Internet. Das scheint sich langsam auszuzahlen. Den Investoren gefällt die frische Quartalsbilanz.

Quelle: boerse.ard.de
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