VW ID.3

Starkes drittes Quartal VW holt bei E-Autos auf

Stand: 29.10.2020 11:06 Uhr

Wie zuvor Daimler ist auch Volkswagen nach dem Corona-bedingten Einbruch die Rückkehr in die Erfolgsspur gelungen. Auch bei der E-Mobilität holen die Wolfsburger auf.

Nach dem Krisenquartal mit weitgehend stillstehender Produktion im Frühjahr erzielten die Wolfsburger im dritten Quartal ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von 3,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatten in diesem Zeitraum 1,6 Milliarden Euro mehr zu Buche gestanden. Der Umsatz schrumpfte vergleichsweise moderat um 3,4 Prozent auf 59,4 Milliarden Euro, wie Volkswagen am Morgen mitteilte. Wie andere Autobauer auch profitierte der Konzern dabei von der Erholung der Pkw-Nachfrage, allen voran in China.

Den Ausblick für das laufende Jahr bekräftigte der Vorstand um Konzernchef Herbert Diess. Demnach werden bei Auslieferungen und Umsatz Werte deutlich unter dem Vorjahr erwartet. Beim Betriebsergebnis geht Volkswagen unverändert von einem "gravierend rückläufigen", aber insgesamt positiven Ergebnis aus.

Marktanteil vergrößert

Das Geschäft bleibe nach neun Monaten stark von der Covid-19-Pandemie beeinträchtigt, erklärte Finanzchef Frank Witter. "Zugleich zeigt die deutliche Erholungstendenz im dritten Quartal wie robust unser Unternehmen aufgestellt ist." Trotz der Belastungen sei es gelungen, deutliche Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie zu machen, etwa durch den weiteren Ausbau der E-Mobilität und die Stärkung der Digitalkompetenz.

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Tatsächlich hat VW in diesem Jahr wieder Stärke gezeigt. So gelang es dem Konzern bis Ende September seinen globalen Pkw-Marktanteil gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,4 Prozent auf 13,0 Prozent auszubauen. Nach den starken Rückgängen zu Beginn des zweiten Quartals habe sich die Erholung der Auto-Absätze wie erwartet im dritten Quartal fortgesetzt.

Ein wichtiger Treiber dabei war China, der größte Absatzmarkt des Konzerns. Die Auslieferungen zwischen Juli und September lagen dort um drei Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

Aufholjagd bei E-Fahrzeugen

Und wie sieht es in Sachen E-Mobilität aus? Dieser von Tesla beherrschte Markt wächst kräftig. Im ersten Halbjahr wurden allein in der EU 40 Prozent mehr Batterie getriebene Fahrzeuge abgesetzt als im gleichen Vorjahreszeitraum.

VW ID.3
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VW ID.3

Und hier zeigt sich, dass der VW-Konzern die mit Abstand meisten E-Autos verkauft hat. Zwar rangiert der Renault Zoe bei den Einzelmodellen mit 35.500 Fahrzeugen an erster Stelle, gefolgt von Tesla Model 3 mit 33.164 Fahrzeugen, doch rechnet man den e-Golf, den Audi e-tron und den VW Passat GTE zusammen ist VW auf dem E-Automarkt der EU bereits jetzt die Nummer eins.

Und das ist erst der Anfang. Zwar soll der eigentliche "Tesla-Fighter", der ID.4, mit dem VW und Audi Tesla vom Thron stoßen wollen, erst für Ende dieses Jahres geplant, doch Experten setzen bis dahin auf den ID.3, der als Auftakt der Aufholjagd gedacht ist.

Erwartungen übertroffen

So gibt sich der Chef des deutschen Volkswagen- und Audi-Händlerverbandes, Dirk Weddigen von Knapp, siegessicher. Dem "Münchner Merkur" sagte er: "Viele Marktbeobachter werden sich wundern, wie schnell wir Tesla mit dem ID.3 überholen werden." Das Fahrzeug steht seit September bei den Händlern zur Auslieferung bereit.

Die Nachfrage nach dem Modell habe die Erwartungen "bei weitem übertroffen", erklärte Weddigen. Die Lieferzeit liege statt der für die meisten Modelle üblichen vier bis sechs Wochen inzwischen bei rund vier Monaten.

Trendwende in Norwegen

Dass VW in Sachen E-Mobilität seinen Rückstand gegenüber Tesla aufholen kann, zeigt auch ein Blick nach Norwegen, dem Pionierland bei Elektroautos. Dort ist der Anteil von Tesla bei Elektro-Neuzulassungen im ersten Halbjahr dieses Jahres von 16 auf sieben Prozent zurückgegangen, während der von VW und Audi kräftig gestiegen ist.

Audi A3 e-Tron S
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Audi A3 e-Tron S

Zwischen dem ersten Januar und dem 24. September rangiert der Audi e-Tron bei den E-Neuzulassungen in Norwegen mit 7.801 Einheiten sogar auf dem ersten Platz. Auf dem zweiten Platz folgt der E-Golf mit einer Stückzahl von 4.881. Erst dann kommt Tesla mit 3.000 angemeldeten Neufahrzeugen.

Zwar ist das skandinavische Land nicht der wichtigste Markt für E-Fahrzeuge, doch könnte die Entwicklung dort eine Trendwende vorwegnehmen – und zwar dahingehend, dass sich die jüngsten Bemühungen der deutschen Autohersteller im Bereich der Elektromobilität langsam aber sicher auszahlen, betonen Fachleute.

Eigentliche Tesla-Jäger kommen noch

Vor allem dank der neuen Fahrzeuge, dem SUV ID.4 und dem SUV-Coupé ID.5 habe Volkswagen gute Chancen, Tesla zu überholen und Marktführer im Bereich der Elektromobilität zu werden, glaubt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut.

Auch Analysten zeigen sich bullisch. So lobt Analyst Patrick Hummel von der UBS den konsequenten Ausbau der Elektromobilität bei dem Konzern. Sein Kursziel für die Vorzugsaktie hat er deshalb auf 180 Euro hochgeschraubt. Mit dem ID.3 hat Volkswagen ein gutes, solides Produkt im Markt für Elektroautos positioniert.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Oktober 2020 um 11:41 Uhr in der Wirtschaft.

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