VW Jetta bei einem Händler in Manchester, New Hampshire | Bildquelle: dpa

Absatz in den USA VW steigert Umsatz dank des "Jetta-Effekts"

Stand: 22.08.2019 06:45 Uhr

Knapp vier Jahre nach Aufdeckung des Abgasskandals läuft's für VW in den USA wieder rund. Gegen den Trend konnten die Wolfsburger in diesem Jahr den Absatz steigern - vor allem dank des Verkaufsschlagers Jetta.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Was für VW in Europa der Golf, dürfte in Nordamerika der Jetta sein - wenn auch auf niedrigerem Niveau. Der Kompaktwagen hat sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten insgesamt zum meistverkauften VW-Modell entwickelt. Seit seiner Premiere 1978 wurden 3,2 Millionen Jettas in den USA abgesetzt. Fast jeder dritte Neuwagen von VW in Amerika war zuletzt ein Jetta.

VW Jetta
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VW Jetta

Dabei waren es unter anderem Jetta-Fahrzeuge mit Dieselmotoren, bei denen die Abgaswerte manipuliert wurden. Doch viele Amerikaner haben das inzwischen vergessen oder verdrängt. "Kaum einer macht heute noch eine Verbindung zwischen Dieselgate und dem Jetta", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen. VW bietet inzwischen den Jetta nur noch als Benziner an.

Das typische Studentenauto

Besonders der neue Jetta findet reißenden Absatz. Im Frühjahr 2018 ging die siebte Generation des Stufenheck-Modells an den Start. Mit unter 19.000 Dollar als Basispreis steht die Limousine als billiges Einstiegsauto hoch im Kurs bei jungen Kunden. Der Jetta gilt in Amerika als das typische Studentenauto. Weil das Fahrzeug breite Einkommensschichten erreicht, sehen manche Experten den Jetta als echten "Volkswagen".

In den ersten sieben Monaten trieb unter anderem die hohe Nachfrage nach dem Jetta den Absatz von VW in den USA um 2,3 Prozent an. Damit trotzten die Wolfsburger dem rückläufigen US-Markt.

Bei den Marktanteilen liegt VW weit hinter Toyota

Mehrere Experten warnen aber davor, den Jetta-Erfolg überzubewerten. VW sei in den USA ein kleiner Player und expandiere auf niedrigem Niveau, betonen sie. Bei einem Marktanteil von 2,5 Prozent könne man eigentlich nur gewinnen, meint Branchenbeobachter Dudenhöffer. "Eigentlich müsste VW zehn Prozent Marktanteil haben", sagt er. Zum Vergleich: Konkurrent Toyota kommt auf einen Weltmarktanteil von 13 Prozent.

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Der typische US-Autokäufer bevorzugt einen SUV oder einen Van. Als dritte Wahl nimmt er eine Stufenheck-Limousine, weiß Branchenbeobachter Dudenhöffer.

Mit dem Tiguan voll auf der SUV-Welle

VW hat den Trend erkannt - und setzt nun verstärkt auf SUVs. Inzwischen hat der Tiguan den Jetta als absatzstärkstes Modell in den USA abgelöst.

Neuen Schub für VW könnte die Allianz mit Ford bringen. So würde es Sinn machen, dass Volkswagen beispielsweise sein Logo auf die erfolgreiche Pick-up-Modellreihe F-Series von Ford "draufklebe", oder ähnliche Fahrzeuge unter eigenem Name verkaufe, meint Analyst Frank Schwope von der NordLB.

Jetta wird zur Submarke in China

VW-Jetta-Produktion in China
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VW-Jetta-Produktion in Chengdu, China

In China setzt VW noch stärker auf den Jetta. Dort hat der Autobauer den Jetta als eigene Submarke etabliert, um jüngere Zielgruppe anzulocken. Volkswagen will dadurch in das von chinesischen Herstellern wie Geely, Chery, BYD oder Changang dominierte Segment günstiger Fahrzeuge vordringen, sagte im Februar VW-Markenvorstand Jürgen Stackmann. Analysten finden den Jetta-Vorstoß gut. "Ein Versuch ist es wert", sagt NordLB-Experte Schwope.

Laut VW hat der Name Jetta für die Chinesen eine besondere Bedeutung. Denn mit dem Wagen begann vor fast 30 Jahren die Motorisierung breiter Bevölkerungsschichten im Reich der Mitte. Stackmann vergleicht deshalb den Jetta mit dem VW Käfer in Deutschland.

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Die wichtigsten US-Modelle von VW

VW Tiguan

Tiguan
Zum absatzstärksten Modell in den USA hat sich 2018 der Tiguan entwickelt. Die zweite Generation des SUV kam im Sommer 2017 auf den US-Markt. Der 186 PS starke Benziner kostet etwas mehr als 25.000 Dollar.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. August 2019 um 07:41 Uhr und 09:41 Uhr in der Wirtschaft.

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