US-Arbeitsmarktdaten

Nur 245.000 neue Jobs US-Arbeitsmarkt verliert an Schwung

Stand: 04.12.2020 17:45 Uhr

Die dritte Corona-Welle bremst die Erholung am US-Arbeitsmarkt. Im November wurden deutlich weniger Stellen geschaffen als erwartet. Die Arbeitslosenquote sank zwar, dürfte aber tatsächlich viel höher liegen.

Nach den massiven Jobverlusten in der Corona-Krise verliert die Aufholjagd am US-Arbeitsmarkt jäh an Tempo. Im November schufen die Firmen außerhalb der Landwirtschaft nur noch 245.000 Stellen. Das ist das kleinste Plus, seitdem die Erholung am Jobmarkt im Mai einsetzte. Ökonomen hatten mit 469.000 neuen Jobs gerechnet - nach 610.000 im Oktober und 711.000 im September. In der Krise gingen mehr als 22 Millionen Jobs verloren, von denen bislang erst mehr als die Hälfte zurückgewonnen wurde. Der Chef der Notenbank von Chicago, Charles Evans, sprach in einer ersten Reaktion von "ein wenig enttäuschenden" Job-Daten.

Arbeitslosenquote offiziell gesunken

Mit 10,7 Millionen Menschen sind momentan immer noch knapp fünf Millionen Menschen mehr arbeitslos als vor der ersten Corona-Welle im Frühjahr. Die Arbeitslosenquote fiel von 6,9 Prozent im Oktober auf 6,7 Prozent im November. Experten glauben, dass die Arbeitslosigkeit tatsächlich aber viel höher ist. Denn insgesamt sind 20,5 Millionen Arbeitslosenhilfe-Empfänger in Amerika registriert. Finanzexperte Egmond Haidt von BNP Paribas Zertifikate hält eine Arbeitslosenquote von 12,7 Prozent in den USA für realistisch.

Für zahlreiche Amerikaner könnte sich die Situation zum Jahreswechsel verschlimmern. Laut Experte Haidt verlieren 13,6 Millionen Amerikaner bis zum Jahresende ihre Arbeitslosen-Unterstützung. "Die stehen dann vor dem Nichts."

Notenbankchef Jerome Powell sieht mit Blick auf staatliche Hilfen akuten Handlungsbedarf - insbesondere auch, weil Programme zur Arbeitslosenversicherung zum Jahresende auslaufen. Besonders die unteren Einkommensschichten seien in dieser Lage gefährdet.

Fed gerät zunehmend unter Druck

Für die Fed seien die aktuellen Arbeitsmarktdaten ein Alarmzeichen, meint Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Sie erhöhen den Druck auf die Notenbank rasch zu handeln. "Fed-Chef Jerome Powell muss nun wohl noch eine Schippe drauflegen. Vermutlich wird dies noch im laufenden Jahr der Fall sein", prophezeit Gitzel. Auch Commerzbank-Experte Christoph Balz geht davon aus, dass die Fed demnächst nachlegt.

Die Fed hat ihre Möglichkeiten für eine noch laxere Geldpolitik auf ihrer jüngsten Zinssitzung bereits durchgespielt - so auch eine Aufstockung des Anleihen-Kaufprogramms. Derzeit erwirbt die Fed Monat für Monat Wertpapiere im Volumen von mindestens 120 Milliarden Dollar. Investoren spekulieren bereits über eine baldige geldpolitische Lockerung - womöglich auf der Zinssitzung Mitte des Monats.

Neue Hoffnung auf Einigung zum Corona-Hilfspaket

Experte Balz sieht angesichts der jüngsten Jobdaten allerdings auch die Politik unter Druck, inmitten der neuerlichen Infektionswelle "den Stimulus zu erhöhen". In Washington seien sich Republikaner und Demokraten bei den Verhandlungen über ein neues Corona-Hilfspaket bereits näher gekommen. Es zeichne sich ein Volumen von etwa 900 Milliarden Dollar ab.

Die Aussicht auf weitere Geldspitzen trieb die Wall Street zum Wochenschluss wieder an. Dow, S&P 500 und Nasdaq kletterten auf neue Rekordhochs.