Ein Straßenschild der Wall Street in New York vor US-Flaggen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Vor US-Präsidentenwahl Börsen hoffen auf Wahl-Rally

Stand: 01.10.2020 08:24 Uhr

Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Börsenkurse könnten im Schlussquartal nochmals mächtig Gas geben. Denn die Amerikaner wählen am 3. November ihren Präsidenten.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Egal, wie das Börsen-Jahr 2020 auch enden wird: Es wird in die Börsen- und Wirtschaftsgeschichte eingehen. So viel steht fest. Auf einen Einbruch der Kurse mit noch nie dagewesener Geschwindigkeit im Zuge des Corona-Crashs im März folgte eine historisch einmalige monetäre Expansion der globalen Notenbanken.

Das Resultat: eine spektakuläre Börsen-Rally, welche sowohl den Weltleitindex Dow Jones Industrial Average als auch den Dax binnen weniger Monate in der Spitze um mehr als 60 Prozent in die Höhe trieb. Der marktbreite S&P 500 und der technologielastige Nasdaq Composite konnten sogar neue Rekordhochs markieren.

Doch steigende Infektionszahlen und die Angst vor neuen Einschränkungen mit verheerenden Folgen für die Konjunktur sorgten zuletzt für Ernüchterung an den Aktienmärkten.

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Wahljahre mit positivem Nimbus

Robert Rethfeld, Wellenreiter Invest
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Kennt sich aus mit Börsenzyklen: Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest

Ein Blick auf den Kalender macht allerdings Hoffnung. Denn heute beginnt das vierte Quartal, das mit Abstand beste Quartal an den Börsen. Hinzu kommt: 2020 ist auch an der Börse nicht einfach irgendein Jahr. 2020 ist ein Wahljahr; die Amerikaner wählen am 3. November ihren Präsidenten. Das hat auch Folgen für die Kursentwicklung an den Börsen.

Dabei sind Wahljahre an der Börse generell mit einem positiven Nimbus versehen. Laut dem US-Präsidentschaftszyklus steigen die Kurse in einem Wahljahr. "Der US-Präsidentschaftszyklus ist einer der wenigen funktionierenden regelmäßigen Zyklen in der Finanzwelt", erklärt Marktstratege Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest im Gespräch mit boerse.ARD.de.

US-Präsidentschaftszyklus: hohe Trefferquote

In der Tat folgt der Dow-Jones-Index seit gut 120 Jahren mit beeindruckender Präzision und einer hohen Trefferquote diesem Muster. Steht der amtierende Präsident zur Wiederwahl, so wie Donald Trump 2020, steigen in einem Wahljahr in 83 Prozent aller Fälle die Kurse. Mit einem Plus von durchschnittlich knapp acht Prozent im Dow Jones sind Wahljahre die zweitbesten Jahre an der Börse nach den Vorwahljahren (plus zwölf Prozent).

Dow Jones Wahljahre ab 1960
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Ab Ende Oktober geht es in Wahljahren steil aufwärts

Für eine so gute Performance muss sich der Dow Jones im Corona-Jahr 2020 allerdings noch ein wenig strecken. Noch liegt er vier Prozent im Minus. Davon abgesehen hält sich der Dow bislang weitgehend an sein typisches Verlaufsmuster in Wahljahren: Dazu passen sowohl der Tiefpunkt im März und die Sommer-Rally als auch die fallenden Kurse seit Anfang September. "Der Durchschnittsverlauf von Wahljahren kann weiterhin als Orientierung dienen", schlussfolgert Marktexperte Rethfeld.

Hochpunkt zur Wahl

Demnach dürfte die Konsolidierungsphase noch bis Ende Oktober anhalten, bevor der Startschuss zur klassischen Wahlrally erfolgt. "Die Wahlrally ist ein Phänomen, das in den vergangenen Wahljahren 2008, 2012 und 2016 recht spät, also erst ab Ende Oktober, auftrat. Durchschnittlich beginnt die Wahlrally sieben Handelstage vor der Wahl, das wäre in diesem Jahr Freitag, der 23. Oktober", betont Rethfeld.

"Diese Rally erreicht Anfang November, wenn die Wahl stattfindet, einen zwischenzeitlichen Hochpunkt", analysiert Dimitri Speck von Seasonax. Nach einem leichten Rücksetzer geht es anschließend typischerweise weiter aufwärts. Der Dow beendet das Jahr tendenziell auf Jahreshoch.

Nachwahl-Chaos als Angst-Szenario

Biden versus Trump
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Das TV-Duell zwischen Biden und Trump hat die Anleger zusätzlich verunsichert

Das besagt die Statistik. Doch ist dieses Jahr vielleicht alles anders? Schließlich steht mit Donald Trump ein Präsident zur Wiederwahl an, der eine mögliche Niederlage eventuell gar nicht akzeptieren und die Wahl anfechten würde. Ein Nachwahl-Chaos ist ganz klar das große Angst-Szenario der Börse – das könnte im Vorfeld der Wahl die Kurse entsprechend deckeln. Entsprechend groß wäre dann aber auch die Erleichterung, wenn dieses Chaos ausbliebe. Wird also 2020 aus der Wahl-Rally womöglich eine Nachwahl-Rally?

In der historischen Betrachtung waren übrigens Präsidenten der demokratischen Partei besser für die Börsenentwicklung. "Man denke an Barack Obamas 125-Prozent-Plus oder an Bill Clintons goldene Neunziger mit einem Plus von 227 Prozent, jeweils in acht Jahren", merkt Rethfeld an. Er meint aber auch: "Die Wall Street wird es nehmen, wie es kommt."

Quelle: boerse.ard.de
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