Biden versus Trump

Devisenexperten in Sorge US-Wahlkampf könnte Dollar belasten

Stand: 30.09.2020 14:54 Uhr

Nach der monatelangen Schwächephase hat sich der US-Dollar zuletzt etwas erholt. Doch es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Währung bald wieder schwächen könnten. Dazu zählt auch die Unsicherheit über den Ausgang der Präsidentschaftswahlen.

Auf Ein-Jahres-Sicht hat der US-Dollar gut sechs Prozent gegenüber dem Euro verloren. Seit dem Corona-Crash Mitte März hat die europäische Gemeinschaftswährung rund zehn Cent gutgemacht. Zeitweise war der Euro mit über 1,20 Dollar so teuer wie seit April 2018 nicht mehr. Aktuell notiert er knapp über der Marke von 1,17 Dollar.

Furcht vor US-Wahlchaos

Das TV-Wahlduell zwischen Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden hat dem Dollar nicht geholfen. Der Schlagabtausch zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten war geprägt von gegenseitigen Beleidigungen und persönlichen Angriffen. Trump ließ erneut offen, ob er eine Niederlage am 3. November ohne weiteres hinnehmen wird, und warnte vor massivem Wahlbetrug bei der Briefwahl. "Damit wächst unter den Investoren zunehmend die Angst, dass auch die Wahl selbst im Chaos enden könnte, falls Trump eine eventuelle Niederlage nicht akzeptieren sollte", sagte Stratege Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader.

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Unter anderem wegen der wachsenden Unsicherheit hinsichtlich der US-Wahlen zeigen sich immer mehr Devisenexperten mit Blick auf den Dollar skeptisch. George Saravelos, Devisenchef der Deutschen Bank, rechnet mit einem schwächeren Dollar in den nächsten Monaten. Der Euro dürfte seiner Einschätzung nach auf 1,20 bis 1,25 Dollar aufwerten. Saravelos spricht im "Handelsblatt" vom "schlechtesten Policy-Mix für den Dollar seit Bretton Woods". So seien die Realzinsen in den USA aktuell so niedrig wie nie. Dadurch sei die Zinsdifferenz zwischen den USA und der restlichen Welt zurückgegangen.

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Deutschbanker warnt vor höchstem Zwillingsdefizit aller Zeiten

Auch die hohe Verschuldung der USA macht Saravelos Sorgen. Wegen der Corona-Krise hat die Trump-Regierung das Handelsdefizit weiter ausgeweitet. Zusammen mit dem negativen Leistungsbilanzsaldo dürfte sich das höchste Zwillingsdefizit aller Zeiten ergeben, prophezeit er im "Handelsblatt".

Sollte Biden die Präsidentschaftswahl gewinnen und sollten die Demokraten die Mehrheit im Senat stellen, würden Steuersenkungen für einkommensschwache Schichten und Steuererhöhungen für Kapitalanleger eine weitere Ausweitung des Leistungsbilanzdefizit auslösen, glaubt Saravelos. Höhere Kapitalsteuern würden zudem die Geldzuflüsse in die USA bremsen.

Commerzbank sieht Dollar im Nachteil

Auch die Commerzbank erwartet eine Dollar-Schwäche. Die Experten senkten am Dienstag ihr Votum für den US-Dollar von "Neutral" auf "Untergewichten". Die Argumente: Eine sehr expansive neue Strategie der US-Notenbank Fed, der stark gesunkene Renditevorteil, eine in Corona-Zeiten hohe Haushaltslücke, die Unsicherheit vor der US-Wahl und ein steigendes Vertrauen in den Euro.

Gergely Majoros, Anlagestratege des französischen Vermögensverwalters Carmignac, hält den US-Dollar für überbewertet. Die ultralockere Geldpolitik der Fed und die massiven Staatsausgaben der Trump-Regierung würden dem Greenback zusetzen. In der Vergangenheit habe der Dollar immer dann stark gelitten, wenn die Geld- und Fiskalpolitik in den USA sehr expansiv waren, sagte er im "Handelsblatt".

In dieser Woche könnten zahlreiche Konjunkturdaten für Bewegung am Devisenmarkt sorgen. Am Freitag kommen neue Zahlen zum amerikanischen Arbeitsmarkt. Zuvor steht am Mittwoch eine aktualisierte Schätzung für die Wirtschaftsentwicklung in den USA im zweiten Quartal auf dem Programm.

nb

Quelle: boerse.ard.de
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