Siltronic-Mitarbeiter mit Siliciumeinkristall | Unternehmen

Milliardengebot für Chipzulieferer Der nächste Hightech-Ausverkauf?

Stand: 30.11.2020 10:40 Uhr

Der Ausverkauf deutscher Technologie-Firmen geht weiter: Der Münchner Chipzulieferer Siltronic soll für mehrere Milliarden Euro an einen Rivalen aus Taiwan gehen - wenn die Politik nicht ihr Veto einlegt.

Das deutsche Zulieferunternehmen für die Chipindustrie Siltronic steht für einer Milliarden-Übernahme durch den taiwanischen Konkurrenten GlobalWafers. Sollte der Deal durchkommen, entstünde einer der größten Halbleiter-Konzerne. Beide Unternehmen würden es zusammen auf einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro bringen. Dabei käme der etwas größere Beitrag von GlobalWafers. Siltronic machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro.

Modernste Siliziumtechnik

Bislang wird der Weltmarkt für sogenannte Wafer von fünf Unternehmen dominiert: Sie schaffen es, 300-Millimeter-Wafer herzustellen, also die modernsten Siliziumscheiben, aus denen Mikrochips gestanzt werden. Marktführer ist bisher die japanische Shin-Etsu mit 30 Prozent. GlobalWafers liegt mit 17 Prozent auf Platz drei, Siltronic mit 13 Prozent auf Platz vier. Mit der Übernahme würden GlobalWafers und Siltronic gemeinsam die Nummer zwei, Sumco, überholen.

Zum Vergleich: Der Chiphersteller Infineon machte im abgelaufenen Geschäftsjahr in allen Unternehmenssegmenten insgesamt einen Umsatz von 8,5 Milliarden Euro.

Siltronic Endreinigungsanlage für Waver | Unternehmen

Siltronic-Waver werden in die Endreinigungsanlage geschoben Bild: Unternehmen

Siltronic-Chef moniert hohe Stromkosten

Siltronic soll die eigene Geschäftsstrategie im Wesentlichen fortführen können. Zudem seien Standortschließungen oder betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Ende 2024 ausgeschlossen.

Allerdings hatte Siltronic-Chef Christoph von Plotho in der Vergangenheit immer wieder hohe Stromkosten in Deutschland kritisiert. So verbraucht die Herstellung von Halbleiterwafer, aus denen dann die Kunden etwa Computerchips herstellen, viel Energie.

Die Übernahme-Gespräche stehen nach Angaben des Siltronic-Managements kurz vor dem Abschluss. GlobalWafers bietet 125 Euro je Aktie. Bei diesem Preis wird Siltronic mit 3,75 Milliarden Euro bewertet.

Was tut die Bundesregierung?

Allerdings ist der Verkauf keineswegs ausgemacht. Ein Aktienhändler warnte, dass die Bundesregierung noch gegen den Deal opponieren könnte. Der Bund könne diesen als einen weiteren Ausverkauf von Schlüsseltechnologie werten und zu verhindern suchen, so die Einschätzung eines Marktbeobachters.  

Die rasch fortschreitende Digitalisierung macht die gesamte Branche attraktiv. Halbleiter finden mittlerweile Verwendung in allen möglichen Produkten - von Küchengeräten über den Mobilfunk bis zur Autobranche.

Gerade in Autos werden zunehmend Speicher- und Steuerchips eingebaut, unter anderem für Fahrassistenzsysteme. Das Geschäft mit Halbleitern und der Technologie, die zur Chipherstellung erforderlich ist, ist deshalb extrem konjunkturabhängig. Wenn die Wirtschaft wächst, läuft auch das Chip-Geschäft prächtig.

Siltronic Waver | Unternehmen

Sechs Siltronic Waver Bild: Unternehmen

Die Anleger sind begeistert

Der Siltronic-Großaktionär Wacker Chemie hält die Konditionen für "attraktiv und angemessen". Die Münchener würden für die verbliebenen Anteile an ihrer ehemaligen Tochter, die sie 2015 an die Börse gebracht hatten und an der sie derzeit noch 31 Prozent halten, dann knapp 1,2 Milliarden Euro erhalten. Siltronic hat weltweit rund 3800 Mitarbeiter und verfügt über Produktionsstätten in Asien, Europa und den USA. Die Unternehmens-Zentrale liegt in München.

An der Börse kommt die Milliardenofferte glänzend an. Siltronic-Aktien legen im MDax um rund zehn Prozent auf etwas weniger als 125 Euro zu, die Titel von Wacker Chemie steigen um mehr als drei Prozent.  

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 30. November 2020 um 09:15 Uhr.