Recep Tayyip Erdogan | picture alliance/Xinhua

Neuer Notenbankchef Türkische Lira stoppt Talfahrt - vorerst

Stand: 09.11.2020 13:40 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat den Zentralbank-Chef Murat Uysal entlassen. Die Devisenmärkte begrüßen den Nachfolger Naci Agbal und lassen die Lira steigen. Experten halten die Kursgewinne für ein Strohfeuer.

Nach dem Führungswechsel bei der türkischen Zentralbank ist die Talfahrt der türkischen Währung vorerst beendet. Der Dollar, der Ende vergangener Woche noch ein Rekordhoch von 8,5789 Lira markiert hatte, fiel am Montag um 4,3 Prozent auf 8,1550 Lira. Damit steuerte er auf den größten Tagesverlust seit rund zwei Jahren zu.

Lage beobachten, Lage bewerten

Die türkische Notenbank will sich unter ihrer neuen Führung gegen den Verfall der türkischen Lira stemmen. Auslöser der Rally seien Aussagen des neuen Notenbank-Chefs, sagten Marktteilnehmer. "Notwendige geldpolitische Entscheidungen werden unternommen", teilte der neue Notenbankgouverneur Naci Agbal mit. Die Notenbank werde alle politischen Instrumente entschlossen einsetzen, um das Ziel der Preisstabilität zu erreichen, versicherte er kurz nach seiner Amtsübernahme.

Naci Agbal | picture alliance / AA

Naci Agbal Bild: picture alliance / AA

In seiner Stellungnahme teilte Agbal mit, dass die angekündigten Maßnahmen wohl auf der kommenden Zinssitzung am 19. November beschlossen werden. Bis zur Zinssitzung würden die aktuelle Lage und die künftigen Erwartungen bewertet, hieß es. Außerdem werde die aktuelle Entwicklung genau beobachtet, heißt es vage weiter.

Es bleibt nur die Zinserhöhung

Agbals Aufgabe dürfte sich ausgesprochen schwierig gestalten: Agbal sei ein treuer Gefolgsmann des Staatspräsidenten und Zentralbankchef von Erdogans Gnaden, schreiben die Fachleute der DZ Bank. "Auch ihm dürfte es nicht gelingen, die ökonomischen Vorstellungen des Präsidenten, wonach ein niedrigerer Leitzins eine niedrigere Inflationsrate nach sich zieht, und die Realität unter einen Hut zu bekommen", heiß es in einem Kommentar. Wolle die türkische Zentralbank die Lira stabilisieren und auf Kapitalverkehrskontrollen verzichten, würde Agbal nichts anderes übrigbleiben, als den offiziellen Leitzins spürbar anzuheben, so die These der Fachleute.   

Berat Albayrak | picture alliance / AA

Der zurückgetretene Finanzminister Berat Albayrak Bild: picture alliance / AA

"Wenn der Misserfolg nicht am Trainer liegt, nützt ein ständiger Trainerwechsel nichts, er schadet dann nur. In der Türkei ist diese Erkenntnis noch nicht gereift", kommentieren die Devisenexperten der Commerzbank. Es liege laut Commerzbank der Verdacht nahe, dass der türkische Präsident nun einen noch direkteren Zugriff auf die Geldpolitik haben möchte.

Finanzminister tritt zurück

"Der Lira kann das nur noch mehr schaden." Anleger sollten sich von der unmittelbaren Kursreaktion nicht verwirren lassen, raten die Fachleute, die deshalb von einer weiter fallenden türkischen Lira ausgehen. Für eine dauerhafte Erholung der Lira bedürfe es aber einer tatsächlichen Straffung der Geldpolitik, sagte auch James McCormick, Chef-Anlagestratege der Bank Natwest.

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Parallel zum Führungswechsel bei der Notenbank trat der türkische Finanzminister Berat Albayrak überraschend zurück. Albayrak ist Erdogans Schwiegersohn und galt bislang als dessen Kronprinz.

ts

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. November 2020 um 09:03 Uhr.