US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP

US-Zölle auf Autoimporte Frontalangriff auf die deutsche Wirtschaft

Stand: 29.05.2018 07:00 Uhr

Nach der Stahlbranche gerät nun auch die deutsche Autoindustrie ins Visier von US-Präsident Trump. Zudem drohen Airbus Sanktionen. Weitet sich der Handelskrieg der USA nun auf Deutschland aus?

Privat mögen Donald Trump und seine Familie europäische und deutsche Autos. "Mister President" besitzt angeblich einen Mercedes SLR McLaren und einen Mercedes Maybach, Tochter Tiffany fährt einen Audi S5, Ehefrau Melania sitzt gerne am Steuer eines Rolls-Royce Phantom, und Tochter Ivanka wurde mit einem alten Mercedes Cabrio abgelichtet.

"Deutschland schüttet die USA mit Mercedes und BMW zu"

In der Öffentlichkeit dagegen äußert sich Trump verächtlich über deutsche Autos. "Deutschland schüttet unser Land mit ihren Mercedes- und BMW-Fahrzeugen zu", schimpft der US-Präsident immer wieder. Für amerikanische Autobauer sei es indes schwierig, ihre Fahrzeuge in der EU zu verkaufen. Schuld daran sei eine angebliche Ungleichbehandlung. Ein amerikanisches Auto wird bei der Einfuhr in die EU mit zehn Prozent verzollt, während ein europäisches Auto in den USA mit drei Prozent Zoll belegt wird.

Deutsche Automobilindustrie in den USA
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Deutsche Automobilindustrie in den USA

Das will Trump ändern. Kurz nach seinem Amtsantritt kündigte er eine Sondersteuer von 35 Prozent auf importierte Fahrzeuge an, die er aber dann schnell wieder verwarf. Nun plant der wohl mächtigste Mann der Welt einen zweiten Anlauf: Er wies das US-Handelsministerium an, zu prüfen, ob die Autoimporte die nationale Sicherheit der USA gefährden. Falls ja, könnten europäische und deutsche Autos mit Importzöllen von 25 Prozent belegt werden. Mit der gleichen Argumentation hatte Trump auch die Importzölle auf Stahl und Aluminium begründet.

Höhere Auto-Zölle würden Deutschland Milliarden kosten

Die Strafzölle würden die deutsche Autoindustrie hart treffen. Das ifo-Institut spricht von Kosten von etwa fünf Milliarden Euro. Das würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,16 Prozent drücken. "Kein Land hätte höhere absolute Verluste durch einen solchen Zoll zu befürchten als Deutschland", sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo-Zentrums für Außenhandel.

Die in den USA produzierenden deutschen Autobauer würden zwar unter höheren Produktionskosten leiden. Sie könnten aber höhere Preise durchsetzen. Ob die Amerikaner dann immer noch so viele ausländische Autos wie bisher kaufen, muss sich zeigen. Nach Angaben des Marktforschers Autodata fertigten die europäischen Autobauer nur rund 30 Prozent ihrer in den USA 2017 verkauften Fahrzeuge in den USA.

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Audi träfe es am stärksten

Größter Leidtragender der US-Zölle wäre Audi. Der Premium-Autobauer aus Ingolstadt hat im Gegensatz zu VW, Mercedes und BMW kein Produktionswerk in den USA. Die Importzölle würden hier also voll zum Tragen kommen.

Die deutschen Autobauer sehen sich zu Unrecht von Trump an den Pranger gestellt. Sie verweisen darauf, dass sie mit 36.500 Jobs in den USA die amerikanische Industrie stützen. Zudem würden rund 60 Prozent der in den USA gebauten Autos der deutschen Hersteller in den Export gehen - zum Wohle der Vereinigten Staaten.

Immerhin: Bis die Strafzölle auf deutsche Autos kommen, dürften noch einige Monate vergehen. Denn die US-Administration muss erst mal nachweisen, dass die Einfuhr von ausländischen Autos die nationale Sicherheit, genauer gesagt die Fähigkeit der US-Autoindustrie zur Entwicklung neuer Technologien (wie Elektroautos oder autonomes Fahren) gefährdet. Laut einem Bericht der "Zeit" dauerte die Prüfung für die Zölle auf Stahl und Aluminium zehn Monate. Bei den Autozöllen dürfte nach Ansicht von Insidern der sicherlich nicht ganz einfache Nachweis mehr Zeit erfordern.

Ende der Gnadenfrist für europäische Stahlbranche?

Was den deutschen Autobauern mittelfristig droht, dürfte bald schon Realität für die deutschen Stahlkocher wie ThyssenKrupp und Salzgitter sein. Am 1. Juni läuft die Gnadenfrist für die Importzölle ab. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass die USA das Kompromissangebot der EU annehmen. Demnach stellen die Europäer den Amerikanern Handelserleichterungen in Aussicht, wenn sie im Gegenzug eine dauerhafte Ausnahmeregelung bei den US-Sonderzöllen auf europäische Stahl- und Aluminium-Importe geben.

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Außenhandelssaldo und Importabhängigkeit der USA nach Branchen
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Außenhandelssaldo und Importabhängigkeit der USA nach Branchen

Ökonomen halten die wirtschaftlichen Folgen für überschaubar. Aluminium und Stahl würden gerade einmal 0,9 Prozent Anteil am gesamten Handel zwischen der EU und den USA ausmachen, rechnet Feri-Chefvolkswirt Axel Angermann vor.

Trump moniert das hohe Handesbilanzdefizit mit Deutschland

Nach Einschätzung von Experten könnte der Streit um Stahl- und Aluzölle freilich nur ein Vorgeplänkel des Trumpschen Protektionismus sein. Der US-Präsident plant möglicherweise einen Generalangriff auf Deutschland. Denn schon länger kritisiert Trump das hohe Handelsbilanzdefizit mit der EU, insbesondere Deutschland.

Macht Trump ernst mit den geplanten Stahl- und Aluminiumzöllen, könnte schnell eine gefährliche Handelskriegs-Spirale in Gang kommen. Sollte die EU dann wie geplant Vergeltungszölle auf US-Produkte wie Whiskey, Motorräder oder Jeans verhängen, wird "Mister President" wohl mit weiteren Maßnahmen reagieren. 

In dieses Schema passen auch die Sanktionsdrohungen gegen Airbus. Die USA hatten nach dem jüngsten Urteilsspruch der Welthandelsorganisation (WTO) im jahrelangen Streit um angebliche illegale Subventionen für Airbus mit Vergeltungszöllen gedroht.

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Mai 2018 um 11:08 Uhr.

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