Donald Trump

Fragiler Aufschwung Trumps Steuerreform - ein Strohfeuer

Stand: 21.12.2018 06:45 Uhr

Mit der vor einem Jahr beschlossenen Steuerreform verband US-Präsident Donald Trump große Hoffnungen. Sie sollte Investitionen ankurbeln und neue Jobs schaffen. Doch die Reform löste nur ein Strohfeuer in der US-Wirtschaft aus. Die Firmen nutzten die Steuergeschenke, um ihre Aktionäre zu beglücken.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Das größte Wirtschaftswunder aller Zeiten hatte Trump versprochen, als er kurz vor Weihnachten am 23.12.2017 den "Tax Cuts and Jobs Act" unterzeichnete. Mit Steuerentlastungen von 1,5 Billionen Dollar wollte er den Wirtschaftsaufschwung in den USA anheizen. "Mit mehr Geld in der Tasche werden die Unternehmen investieren, Jobs schaffen und ihre Arbeiter mit Boni überschütten", träumte der mächtige Mann im Weißen Haus.

US-Wirtschaft läuft auf Hochtouren

Tatsächlich hat die größte Steuerreform seit den 1980er Jahren in den vergangenen Monaten die Wirtschaft beflügelt. Im zweiten Quartal wuchs das BIP um 4,2 Prozent, im dritten Quartal betrug das Plus 3,5 Prozent. Für 2018 rechnet die US-Notenbank mit einem Wachstum von 3,6 Prozent.

Auch am Arbeitsmarkt läuft es prächtig. Die Arbeitslosigkeit ist auf den tiefsten Stand seit fast 50 Jahren gefallen. Die Arbeitslosenquote sank auf 3,7 Prozent. Im Schnitt wurden pro Monat 218.000 neue Jobs geschaffen. Die Stundenlöhne stiegen zuletzt um mehr als drei Prozent.

Doch wie viel davon auf die Steuerreform zurückgeht, ist umstritten. Im ersten Halbjahr investierten die Unternehmen noch kräftig. Doch bereits im dritten Quartal hielten sie sich zurück. Torsten Slok, Chefökonom der Deutschen Bank, fragt sich, ob der Effekt der Steuersenkungen schon verpufft sei.

Aktienrückkäufe auf Rekordniveau

Zwar haben die Unternehmen Milliarden aus dem Ausland, insbesondere den Steueroasen zurückgeholt. Das Geld floss aber kaum in erhoffte Investitionen, sondern in Aktienrückkäufe. Diese kletterten in den letzten Quartalen auf Rekordniveaus. Alleine im zweiten Quartal betrug das Volumen stolze 437 Milliarden Dollar. 2018 dürften die Aktienrückkäufe erstmals bei über einer Billion Dollar liegen, schreibt das Börsenblatt "Finanzwoche".

Die S&P 500-Konzerne - die 500 wichtigsten börsennotierten US-Unternehmen - steckten im dritten Quartal fast 200 Milliarden Dollar in Rückkäufe - so viel wie nie. Bereits im zweiten Quartal war ein Rekordwert von 190,6 Milliarden Dollar erreicht worden.

Profiteur der Steuerreform sind also nicht die Beschäftigten, sondern die Anleger. 2018 dürften die US-Unternehmen erstmals mehr Geld für Aktienrückkäufe ausgegeben haben als für Investitionen, zum Beispiel in die Produktion.

Ökonomen sehen diese Entwicklung mit Sorge. Durch die Aktienrückkäufe würde kein ökonomischer Mehrwert geschaffen, moniert Philipp Immenkötter, Analyst von Flossbach von Storch Research Institute. "Die Unternehmen tauschen lediglich Kasse gegen einen höheren Aktienkurs." Kurzfristig treiben die Rückkäufe den Kurs, denn das Aktienangebot wird verknappt.

Alles nur ein Strohfeuer?

Der Wirtschaftsboom unter Trump dürfte denn auch nur ein Strohfeuer sein, kritisieren Experten. Tatsächlich habe Trumps Vorgänger, Barack Obama, den Aufschwung in den USA ausgelöst, der bis heute anhalte. Treiber war die lockere Geldpolitik der Notenbank.

Schon im kommenden Jahr dürfte sich die Wachstumsdynamik abschwächen. Die Fed prophezeit für 2019 nur noch einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung von 2,3 Prozent. 2020 rechnet die Hälfte der US-Betriebsökonomen gar mit dem Beginn einer Rezession. Noch pessimistischer ist Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps. Er prophezeit schon für das nächste Jahr eine Rezession in Amerika. Vor kurzem schürte die inverse Zinskurve die Rezessionsängste.

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21.12.2018 11:17 Uhr

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Dezember 2018 um 18:40 Uhr, am 22. Dezember 2018 um 12:20 Uhr und am 24. Dezember 2018 um 12:40 Uhr.

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