New York Times

US-Präsident und Medien Wie Trump der "New York Times" hilft

Stand: 02.05.2019 08:54 Uhr

US-Präsident Donald Trump schimpft gerne und ausgiebig über die Medien. Besonders hat er es auf die "New York Times" abgesehen. Die Zeitung verbreite "Fake News" und sei dem Untergang geweiht. Tatsächlich? Seit dem Amtsantritt Trumps im November 2016 geht es mit Auflage und Aktie steil aufwärts.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Oft ist Mr. President wütend, wenn er erfährt, was in den Medien über ihn berichtet wird. Der ehemalige TV-Entertainer ist ein Mann des Fernsehens. Wenn er etwas sieht, was ihm nicht gefällt, schnappt er sich das präsidiale Smartphone und wendet sich direkt an sein Publikum. Vor der Glotze scheint er viel Zeit zu verbringen. Das ist Trump-Beobachtern aufgefallen, weil er häufig kommentiert, was soeben noch über die Mattscheibe gelaufen ist.  

Mein liebster Feind
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Mein liebster Feind: Klaus Kinski "total außer Kontrolle"

Aber auch mit Zeitungslektüre beschäftigt sich der mächtigste Mann der Welt, um sich sein Bild von der Welt zu machen und es zu anschließend zu verbreiten. Manches, was er liest, macht ihn richtig sauer. Besonders auf die "New York Times" (NYT), die Trumps Präsidentschaft von Beginn an äußerst kritisch begleitet, hat er es abgesehen. Ist sie sein liebster Feind? Die NYT bringt ihn gelegentlich zum Toben - auch wenn seine Wutausbrüche weit weniger originell sind als die Ausfälle des Skandal-Schauspielers Klaus Kinski gegenüber dem Filmregisseur Werner Herzog.

Die Presse sei "total außer Kontrolle" polterte der gelegentlich erkennbar um Kontrolle ringende Präsident, insbesondere die NYT sei "ein wahrer Feind des Volkes". Die angeschlagene NYT verbreite nichts als schlechte Geschichten über positive Entwicklungen. "Ich werde es nicht zulassen, dass unser Land von Trump-Hassern in der sterbenden Zeitungsbranche ausverkauft wird", donnerte Trump.

Gerettet vom Multimilliardär

Richtig ist, dass die Presse seit langem in der Krise steckt. Aber die NYT ist alles andere als angeschlagen. Das Blatt mit einer fast 170 Jahre alten ruhm- und wechselvollen Geschichte blüht auf - nicht zuletzt dank Donald Trump. "Make America great again": Mit dieser Phrase ist Trump 2016 angetreten. Ob ihm das gelingt? Eines aber hat der Präsident schon geschafft. Er hat die Times wieder groß gemacht.

Trump besucht NYT
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Trump besucht die NYT: "Schlechte Geschichten über positive Entwicklungen"

Denn wie andere Zeitungen auch war die als linksliberal geltende NYT tatsächlich angeschlagen. Das Internet, hohe Schulden und einbrechende Anzeigeneinnahmen zwangen das Blatt während der Finanzkrise zu einschneidenden Sparmaßnahmen, selbst eine Pleite war nicht ausgeschlossen. Wäre der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim nicht mit 250 Millionen Dollar beigesprungen, gäbe es das Blatt wohl nicht mehr. Eine konsequente Ausrichtung auf das digitale Produkt brachte die Wende. Den Rest besorgte Donald Trump, denn seine Attacken nützen der Zeitung.  

Trump ist gut für das Geschäft

Der Schock vieler US-Bürger nach der Präsidentenwahl 2016 hat viele US-Bürger an Wert und Bedeutung einer freien kritischen Presse für das demokratische Gemeinwesen erinnert. Sie gieren nach Geschichten der NYT über Donald Trump. Der Herausgeber Arthur Gregg Sulzberger nutzte die Chance, das journalistische und demokratische Profil zu schärfen. Der Begriff "Feind des Volkes" sei nicht nur falsch, sondern gefährlich. Er habe eine hässliche Geschichte und sei von Tyrannen und Diktatoren verwendet worden, die öffentliche Informationen kontrollieren wollten.

Arthur Gregg Sulzberger
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Verleger Arthur Gregg Sulzberger: Trumps Toben hilft der Auflage

Es gibt immer mehr Times-Leser, der Trump-Schub ist klar erkennbar. Ende März 2016 hatte die Zeitung noch rund 1,4 Millionen Abonnenten, die sich ausschließlich für das digitale Produkt entschieden haben. Ende März 2017 waren es bereits 2,2 Millionen. Nach aktuellen Daten von Ende 2018 sind es schon fast 3,4 Millionen, denen die digitale Times wöchentlich zwei Dollar wert ist. Insgesamt sind es 4,3 Millionen Abonnenten. Zur Einordnung bietet sich ein Vergleich mit der "FAZ" an. Das Qualitätsblatt bringt es im ersten Quartal 2019 laut IVW auf eine digitale Auflage von knapp 47.000 Ausgaben.

Ein Kolumnist der NYT, Jim Rutenberg, jubelt: "Unsere Auflage steigt. Jedes Mal, wenn Trump tobt, geht unsere Auflage hoch." Das sei gut für das Geschäft, eigentlich helfe Trump unfreiwillig der NYT. Der liebste Feind der NYT ist also auf jeden Fall Trump.

Ansporn zu außergewöhnlichen Leistungen

New York Times vs. S&P 500
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New York Times vs. S&P 500

Denn die Bilanzen zeigen, wie recht Rutenberg hat. 2018 betrug der Umsatz der Zeitung 1,75 Milliarden Dollar, unter dem Strich stand ein Gewinn von 125,7 Millionen Dollar. Fast 1600 Journalisten arbeiten wieder für die NYT, mehr als 200 davon in 31 Büros im Ausland.

Der geschäftliche Erfolg macht natürlich auch die Börse glücklich. Die NYT-Aktie kostete bei Trumps Amtsantritt rund 14 Dollar, heute notiert sie auf Rekordniveau von deutlich mehr als 30 Dollar und hat sich viel besser entwickelt als der marktbreite Aktienindex S&P 500. An der Börse gehandelt werden indes nur sogenannte Class-A-Aktien. Class-B-Aktien, die mit besonderen Stimmrechten ausgestattet sind, befinden sich zu rund 90 Prozent im Besitz der Verlegerfamilie Ochs Sulzberger, die so die Kontrolle über die Zeitung ausübt.  

Was auch immer man von den gemeinsamen Filmen oder den Persönlichkeiten des Duos Herzog/Kinski hält: Die beiden haben sich gegenseitig zu außergewöhnlichen Werken angetrieben. Außergewöhnlich sind auch die Leistungen der NYT. In diesem Jahr gewann sie zweimal den Pulitzer-Preis, einen davon für eine Recherche zu den Finanzen von Donald Trump.

Weitere Kursinformationen zu New York Times A

Ob fundierte Kritik, von wem auch immer, den aktuellen US-Präsidenten anzuspornen vermag, ist hingegen unwahrscheinlich - nach allem, was man über ihn aus den Medien weiß.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichteten NDR Info am 20. Januar 2019 um 11:05 Uhr in "Das Feature" und das BR Fernsehen am 20. März 2019 um 22:45 Uhr sowie am 21. März 2019 um 00:15 Uhr.

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