Eine Frau geht durch den Sand am Strand von Norderney | Bildquelle: dpa

Internet vs. Reisebüro Kampf um den modernen Urlauber

Stand: 21.06.2018 01:47 Uhr

Mallorca? Gardasee? Oder doch lieber Sylt? Immer mehr Deutsche buchen ihren Sommerurlaub übers Internet. Was passiert mit den klassischen Reiseveranstaltern? Die erfinden sich neu.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Früher waren Pauschalreisen beliebt, heute reagieren die meisten Tourismus-Manager auf das P-Wort allergisch. Das Wörtchen Pauschalreise gehöre salopp gesagt verboten, meint Tui-Chef Fritz Joussen. Und auch Stefanie Berk, Deutschland-Chefin von Thomas Cook, spricht von einem Fehler, "dass sich die Branche bei der Vermarktung nicht von dem Begriff getrennt hat". Pauschalreisen seien ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stünden sie für einen starken Verbraucherschutz, andererseits assoziieren viele Bürger mit dem Begriff Siebzigerjahre-Standardabfertigung oder Dauerbespassung im Clubhotel mit tanzenden Animateuren.

Künftig soll die Pauschalreise immer weniger pauschal sein. Die Reiseveranstalter bieten Extras an, um ihr altmodisches Image abzustreifen. So hat Thomas Cook die "Mein Zimmer"-Option eingeführt, bei der der Hotelgast sein Wunschzimmer auswählen kann. Mit solchen (kostenpflichtigen) Zusatzangeboten wollen die Veranstalter auch der wachsenden Konkurrenz im Internet trotzen.

38 Prozent der Reisen wird online gebucht

Denn immer mehr Urlauber buchen einzelne Bausteine - Flüge, Hotels oder Mietwagen - im Internet. Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) verfolgt die Entwicklungen seit längerem. Laut ihrer Reiseanalyse wurden im vergangenen Jahr bereits 38 Prozent aller Reisen online gebucht. 2007 lag der Anteil noch bei 17 Prozent.

Laut Experten-Schätzungen dürfte schon 2020 die Mehrheit der Deutschen ihren Urlaub im Internet buchen. In einigen Ländern ist das jetzt bereits der Fall: In Großbritannien und vor allem in Skandinavien werden die meisten Reisen online verkauft. Die Tui verkauft in Nordeuropa 80 Prozent ihrer Produkte übers Internet.

Booking.Com dominiert den Online-Buchungsmarkt

Der Markt für Online-Reiseportale floriert. Marktführer ist Booking.com mit weltweit 350 Millionen vermittelten Übernachtungen. Größter Rivale ist Expedia.

Bei der Online-Hotelsuche mischt Trivago ganz vorne mit. Die Düsseldorfer Internet-Firma, die seit Ende 2016 an der US-Tech-Börse Nasdaq notiert ist, verzeichnet jährlich gut 1,4 Milliarden Suchanfragen.

Online-Reisebewertungen florieren

Als Mutter der Reisebewertungsportale gilt Tripadvisor. Für die fast zwei Millionen Hotels und Unterkünfte gibt es gut eine halbe Milliarde Bewertungen. Zunehmend prescht Tripadvisor auch in den Buchungsbereich vor.

Als führendes Reisebewertungsportal und größter Online-Vermittler von Pauschalreisen im deutschsprachigen Raum sieht sich HolidayCheck. "Wir haben eine riesige Community von Urlaubern, die auch bei uns buchen", sagt Vorstandschef Georg Hesse. Die Internet-Firma vergleicht und vermittelt Angebote von Reiseveranstaltern - und kassiert dafür eine Provision. 80 Prozent der Erlöse kommen derzeit aus den Provisionen.

"Digitale Revolution hat noch nicht stattgefunden"

Angesichts der immer noch großen Anzahl von Menschen, die im stationären Reisebüro buchen, sehen die Online-Reise-Manager noch viel Potenzial für die Branche. Erst gut ein Drittel des deutschen Pauschalreise-Volumens entfalle auf die Online-Vermittlung. "Die digitale Revolution hat hier noch nicht ganz stattgefunden", meint HolidayCheck-Chef Hesse.

Zudem geben die Deutschen immer mehr Geld fürs Reisen aus. In diesem Jahr plant jeder Bundesbürger, rund 1.020 Euro für Urlaub zu investieren. Laut FUR-Reiseanalyse wollen 30 Prozent der Deutschen 2018 mehr für die schönsten Wochen des Jahres ausgeben. 2017 kletterten die Gesamtausgaben für Urlaubs- und Kurzurlaubreisen auf 96 Milliarden Euro.

Airbnb, Google und Ryanair drängen in den Markt

Allerdings wird die Konkurrenz im Online-Geschäft immer härter. Amazon, Google und AirBnB drängen zunehmend in den Markt. Und selbst Fluggesellschaften wie Ryanair expandieren im Online-Buchungsgeschäft. Der Billigflieger will zum "Amazon des Reisens" werden. So könnte schon 2021 das Volumen im Online-Reisemarkt erstmals die Billionen-Dollar-Grenze überschreiten.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Juni 2018 am Vormittag in der Wirtschaft (im Börsenbericht).

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