Die Hauptzentrale des thyssenkrupp-Konzerns in Essen. | Bildquelle: dpa

Industriekonzern in der Krise Milliardenverlust für thyssenkrupp

Stand: 12.05.2020 10:55 Uhr

Der Industriekonzern hat ein verlustreiches Quartal hinter sich und wohl noch schwere Zeiten vor sich. Vor allem das Stahlgeschäft sorgt gerade in der Corona-Krise für Probleme. Die Aktie bricht zweistellig ein.

Die Aktie, die inzwischen im MDax notiert, rutscht am Morgen um bis zu zwölf Prozent ab. Der Titel war in den vergangenen drei Monaten einer der schwächsten im Index der "zweiten Reihe": Mehr als 60 Prozent hat die Aktie in diesem Zeitraum nun verloren.

Dem ohnehin angeschlagenen Industriekonzern macht die Corona-Pandemie zusätzlich zu schaffen: Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vor allem wegen einer schwachen Entwicklung im Stahlgeschäft um fünf Prozent auf 10,1 Milliarden Euro. Der Nettoverlust summierte sich auf 946 Millionen Euro im zweiten Quartal.

Stahl- und Autosparte laufen matt

Operativ (bereinigtes Ebit) lag der Verlust des Gesamtkonzerns im Halbjahr bei 30 Millionen Euro nach einem Gewinn von 457 Millionen Euro vor Jahresfrist. Allein die Stahlsparte verbuchte einen Verlust von 372 Millionen Euro. Die Sparte Automotive Technology kam auf einen Fehlbetrag von 28 Millionen Euro, Plant Technology schnitt besser als im Vorjahr ab, lag aber am Ende mit 38 Millionen Euro in den roten Zahlen.

Im gesamten ersten Halbjahr des Geschäftsjahres betrug der Fehlbetrag 1,3 Milliarden Euro. "Die Corona-Pandemie stellt uns vor gewaltige Herausforderungen", erklärte Vorstandschefin Martina Merz zur Vorstellung der Zahlen am Dienstag. Noch sei das ganze Ausmaß der Krise für die Geschäfte des Konzerns nicht vollständig absehbar. "Aber bereits jetzt wird deutlich, dass die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen sehr tiefe Spuren hinterlassen werden."

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Milliardenerlös wird dringend gebraucht

Der ehemalige Stahlriese steckt weiterhin in der Komplett-Transformation. In den vergangenen Monaten seien "etliche Fortschritte beim Umbau" von Thyssenkrupp gemacht worden, erklärte Merz. So sei etwa das Aufzuggeschäft verkauft worden. Bis Ende des Geschäftsjahres soll das Geld fließen. Acht von 13 notwendigen Kartellfreigaben habe der Konzern schon vorliegen. Ende Februar hatte Thyssenkrupp seine Ertragsperle für 17,2 Milliarden Euro an ein Konsortium aus den Finanzinvestoren Cinven und Advent sowie der RAG-Stiftung verkauft. Mit dem Erlös will der Konzern andere Unternehmensbereiche sanieren. Allerdings sei "heute schon klar, dass Corona unseren Spielraum deutlich einschränken wird".

Wie sehr Thyssenkrupp künftig die Einnahmen aus der Aufzugssparte fehlen werden, wurde am operativen Ergebnis der Sparte Elevator deutlich: Mit rund 402 Millionen Euro lag dieses auf dem Vorjahresniveau.

Harte Zeit voraus

Für das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres erwartet Thyssenkrupp, dass "infolge der vorübergehenden Werksschließungen und Produktionsrücknahmen der Kunden aus der Automobilindustrie" der Umsatz "deutlich zurückgehen wird".

Analysten sind skeptisch für die kommenden Monate. Die Bilanz des Konzerns habe sich weiter verschlechtert, schrieb etwa Christian Obst von der Baader Bank. Die gestiegene Nettoverschuldung und das weiter gesunkene Eigenkapital verdeutlichten die Bedeutung des angepeilten milliardenschweren Verkaufs des Aufzugsgeschäfts.

AB

Quelle: boerse.ard.de
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