Mitarbeiter von thyssenkrupp im Stahlwerk in Duisburg | dpa

Konzern bestätigt Bericht Thyssenkrupp will 6000 Stellen streichen

Stand: 10.05.2019 12:09 Uhr

Der Industriekonzern Thyssenkrupp sagt seine geplante Aufspaltung in zwei Teile ab. Auch die geplante Stahl-Fusion mit Tata wurde ad acta gelegt. Konzernchef Kerkhoff kündigte an, 6000 Stellen streichen zu wollen.

Nun ist es offiziell: Die Aufspaltung von Thyssenkrupp kommt nicht. Der Stahlriese bestätigte entsprechende Insider-Berichte. Stattdessen erwäge Konzernchef Guido Kerkhoff eine Holding-Struktur mit der Möglichkeit, die Aufzugssparte abzuspalten oder an die Börse zu bringen.

Die Absage des geplanten Stahl-Joint-Ventures mit Tata Steel Europe hatte sich bereits in den vergangenen Tagen abgezeichnet, nachdem die EU-Wettbewerbshüter Ende April ihre Prüffrist für die Stahlfusion noch einmal um sieben Arbeitstage verlängert hatte. Damit mehrten sich die Anzeichen für eine Blockade, hieß es.

Kein Interesse an Zukäufen

Die Brüsseler Behörde befürchtete zuletzt vor allem bei Stahlzulieferungen an die Automobilindustrie Beeinträchtigungen des Wettbewerbs. Auch bei metallbeschichtetem Verpackungsstahl, der etwa bei Konservendosen genutzt werde, gebe es Bedenken, hatte die Kommission im vergangenen Oktober mitgeteilt.

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Doch das Interesse an Zukäufen von Unternehmensteilen eines fusionierten Stahlkonzerns hielt sich in Grenzen. Der österreichische Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine hat kürzlich abgewunken. Es gebe kein Interesse an Zukäufen im Stahlbereich, sagte der scheidende Konzernchef Wolfgang Eder Ende April.

Schwache Konjunktur

Thyssenkrupp und Tata hatten der EU-Kommission Zugeständnisse gemacht, um grünes Licht für ihr Vorhaben zu bekommen. Die europäische Behörde hatte wegen Wettbewerbsbedenken im vergangenen Oktober ein vertieftes Prüfungsverfahren eingeleitet. Früheren Aussagen von informierten Kreisen zufolge hatten Thyssenkrupp und Tata mehrere Anlagen zum Verkauf angeboten.

Wegen der drastisch gesunkenen Nachfrage nach Stahl, vor allem aus der Autoindustrie, galt ein Verkauf von Unternehmensteilen zuletzt als schwierig. Auch die Arbeitnehmervertreter von Tata Steel Europe übten scharfe Kritik an dem Fusionsvorhaben. Die gegenüber der EU-Kommission gemachten Zusagen für eine Freigabe der Pläne verstärkten die Besorgnis, dass es sich nicht um eine Partnerschaft unter Gleichen handele, teilte der Europäische Betriebsrat mit. Er unterstütze nicht das Zusagenpaket der Konzerne an die Wettbewerbshüter in Brüssel.

Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp |

Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp

Durch die Fusion sollte Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48.000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstehen. Thyssenkrupp und Tata wollten jeweils 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden halten.

Auch Elliott offenbar wenig überzeugt

Die Stahlfusion galt als ein Kernstück des geplanten Konzernumbaus von Thyssenkrupp. Der Gesamtkonzern soll in zwei selbstständige Gesellschaften aufgespalten werden. In einer Materials AG soll der Werkstoffhandel sowie der Anteil am Gemeinschaftsunternehmen mit Tata und das Marinegeschäft eingehen.

Daneben ist eine Industrials AG geplant, mit dem Aufzugsgeschäft, dem Autozuliefergeschäft und dem Kernanlagenbau. Laut "Manager Magazin" sind die Pläne aber umstritten. Einer der Anteilseigner von Thyssenkrupp, der aktivistische Hedgefondsmanager Elliott, habe bereits zu Beginn des Jahres Zweifel am Nutzen der Aufspaltungspläne geäußert.

An der Börse kommen die Nachrichten über ein mögliches Scheitern der Aufspaltungspläne gut an. Die Aktie schießt um bis zu zehn Prozent in die Höhe und ist damit der mit Abstand größte Gewinner im Dax.

lg

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2019 um 12:00 Uhr.