Thyssenkrupp Im Würgegriff der Investoren

Stand: 01.02.2019 06:45 Uhr

Beim deutschen Stahlriesen Thyssenkrupp kehrt einfach keine Ruhe ein. Nach der geplanten Aufspaltung hat der Dax-Konzern zuletzt mal wieder am Personal gedreht. Die Treiber? Aktivistische Investoren. Diese agieren stets nach dem gleichen Schema - und werden von Managern gefürchtet.

Von Till Bücker, boerse.ARD.de

Der Essener Konzern mischt in vielen Bereichen mit: Stahlverarbeitung, autonome Autos, U-Boote, Windturbinen, Aufzüge, Zementfabriken und und und. Diese Konglomeratstruktur ist weniger abhängig von der Konjunktur einzelner Branchen. Trotzdem ist sie einigen ein Dorn im Auge.

Wie Lars Förberg von der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Cevian und Paul Singer, Kopf des US-Fonds Elliott. Die aktivistischen Investoren glauben, dass die einzelnen Teile des Unternehmens in der Summe mehr wert sind als der Gesamtkonzern. Sie fordern daher die Zerschlagung des Dax-Konzerns und die Abspaltung der gewinnträchtigen Aufzugsparte.

Thyssenkrupp in der Krise

Thyssenkrupp ist in den vergangenen zehn Jahren gehörig unter die Räder gekommen. Seit dem Rekordhoch 2008 von 46,63 Euro ist die Aktie um etwa 67 Prozent abgestürzt.

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Noch immer machen dem Giganten die Folgen einer milliardenteuren Fehlinvestition zu schaffen. Als Sorgenkind gilt nicht nur die schwächelnde Sparte für Anlagenbau, sondern auch die Stahlfusion mit der indischen Tata Steel, die sich weiter verzögern könnte.

Dazu kam 2018 das Führungschaos an der Konzernspitze, ausgelöst durch die Rücktritte des langjährigen Vorstandschefs Heinrich Hiesinger und des Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Lehner. Ihnen war vorgeworfen worden, dass das Unternehmen mit seiner mehr als 200-jährigen Historie unter ihrer Führung hinter die Konkurrenz zurückgefallen sei.

Lars Förberg
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Lars Förberg

"Die Struktur des Unternehmens ist viel zu kompliziert", betonte Förberg bereits vor einem Jahr. "Die Aktien müssten eigentlich doppelt so viel wert sein." Lehner nannte eben dieses mangelnde Vertrauen der großen Aktionäre als Grund für sein Ausscheiden und sprach gegenüber der "Zeit" gar von "Psychoterror" und "Belästigung". Auch Hiesinger war von seinem Posten zurückgetreten, nachdem ihn Elliott-Chef Singer scharf attackiert hatte.

Ausbau der Macht?

Auf der heutigen Hauptversammlung von Thyssenkrupp könnte Cevian, mittlerweile zum zweitgrößten Aktionär aufgestiegen, seinen Einfluss mit der Wahl zweier Vertrauenspersonen im Aufsichtsrat stärken.

Es kommt den Schweden wohl besonders darauf an, dass einzelne Sparten abgespalten und verkauft werden, um damit den Wert für die Aktionäre zu steigern. Dafür braucht es den Aufsichtsrat.

Angriffe von Investoren nehmen zu

Aktivistische Investmentgesellschaften attackieren immer häufiger Firmen. Sie werden aktivistisch genannt, weil sie sich anders als normale Fondsgesellschaften aktiv ins Management einmischen. Laut einer Zusammenstellung der US-Investmentbank Lazard wurden weltweit im dritten Quartal 2018 174 Unternehmen ins Visier genommen - mehr als im gesamten Jahr zuvor.

Für Europa zählte Goldman Sachs im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres 19 Kampagnen gegen Konzerne und geht für das gesamte Jahr von 38 Angriffen aus. Das ist ein Anstieg von fast 50 Prozent gegenüber 2017. Dabei stehe besonders Deutschland als größte Volkswirtschaft des Kontinents im Fokus.

Immer nach der gleichen Methode

Für ihre Attacken suchen sich Cevian, Elliott und Co. meist angeschlagene große Konzerne. "Gesunde Unternehmen, die übersehen, missverstanden oder bei den Investoren in Ungnade gefallen sind" - so beschreibt Cevian seinen Schwerpunkt selbst.

Zunächst kaufen die Fonds recht unauffällig Aktien des neuen Ziels. Später stocken sie ihren Bestand allerdings auf und setzen darauf, das Großunternehmen in Einzelteile zu zerlegen. Zu viele Aktien wollen die Investoren aber nicht besitzen, um im Falle eines Scheiterns die Verluste gering zu halten.

Für den Umbau oder die Fusion üben die Verantwortlichen, wenn es sein muss, gehörig Druck auf die Geschäftsleitung aus, auch durch Pressekampagnen oder gar Schadensersatzklagen. Die Statistik gibt den aktivistischen Investoren jedoch zum Teil recht: Zwei Drittel der Attacken enden nach Angaben der Unternehmensberatung McKinsey erfolgreich und steigern den Gewinn.

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Aktivistische Investoren greifen deutsche Unternehmen an

Bilfinger-Logo auf der Unternehmenszentrale

Bilfinger
2013 zog Jens Tischendorf für den Bilfinger-Großaktionär Cevian in den Aufsichtsrat. Zunächst ließ sich der ehemalige Chef des Baukonzerns Bernhard Walter nicht einschüchtern. Er ignorierte Tischendorfs Forderungen und Analysen und verweigerte ihm sogar das Rederecht. Ein Jahr später musste Walter auf Druck von Cevian seinen Posten räumen - und wurde durch Eckhard Cordes, ersetzt, ehemals Metro-Chef und inzwischen Partner bei Cevian.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 01. Februar 2019 um 07:47 Uhr im "Morgenecho".

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