Ein Flugzeug von Thomas Cook vor dem Start in Manchester | Bildquelle: REUTERS

Rettungspaket für Reisekonzern Hilfe aus China für Thomas Cook

Stand: 28.08.2019 14:13 Uhr

Die Übernahme des kriselnden britischen Touristikkonzerns durch den chinesischen Großaktionär Fosun kommt schneller voran als geplant. Das Rettungspaket für Thomas Cook umfasst insgesamt fast eine Milliarde Euro.

Mit dem Mischkonzern Fosun, den kreditgebenden Banken und wesentlichen Gläubigern gebe es eine grundsätzliche Einigung, berichtete Thomas Cook am Mittwoch. Demnach sollen - statt den ursprünglich angedachten 750 Millionen Pfund - 900 Millionen britische Pfund (995 Millionen Euro) frisches Kapital in die Kassen des Reisekonzerns fließen. Davon kommt die Hälfte von Fosun. Die Chinesen wollen 450 Millionen Pfund an frischem Geld bereitstellen und damit drei Viertel des Reisegeschäfts und ein Viertel der Airline-Gruppe übernehmen. Die Finanzspritze soll dem ältesten Reiseveranstalter der Welt durch den Winter helfen.

Damit sei eine Reorganisation der Gruppe verbunden, die letztlich zu einem Rückzug von der Börse führen könne, erklärte das Unternehmen. Wie schon im Juli vereinbart, würde Thomas Cook bei einer erfolgreichen Übernahme aufgespalten werden. An dem Touristikkonzern mit der deutschen Marke Neckermann soll Fosun die Mehrheit übernehmen, an den Airlines mit dem deutschen Ferienflieger Condor lediglich 25 Prozent. So blieben die europäischen Flugrechte erhalten und die wichtigsten Banken und Anleihegläubiger, die die Schulden in Eigenkapital umwandeln, hätten in der Sparte das Sagen.

Rückzug vom Aktienmarkt?

Die Anteile der bisherigen Aktionäre würden durch den Deal deutlich entwertet werden. Bereits in den vergangenen Wochen sank der Aktienkurs auf wenige Pence. Seit der Bekanntgabe des Rettungsplans sackte das Thomas Cook-Papier an der Londoner Börse um über 50 Prozent ab, Ende Juli erreichte es ein Rekordtief. Am Mittwoch rauscht die Aktie am Mittag um über zehn Prozent nach unten.

Weitere Kursinformationen zu Thomas Cook

"Der Vorstand hat derzeit die Absicht, die Börsennotierung beizubehalten", teilte Thomas Cook mit. Die Umsetzung der Vorschläge könne jedoch zu einem Rückzug vom Aktienmarkt führen. Das Rettungspaket soll bis Anfang Oktober unter Dach und Fach gebracht werden. Dazu sind aber noch viele Vereinbarungen mit allen Beteiligten und die Zustimmung von Wettbewerbsbehörden notwendig. Ursprünglich hatte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser das Jahresende als Zielmarke genannt.

Fosun ist bereits seit 2015 mit 18 Prozent als größter Aktionär an Thomas Cook beteiligt. Die vom Hongkonger Milliardär Guo Guangchang mitgegründete Gruppe zählt zu den gewichtigsten Konglomeraten in China. In Deutschland ist Fosun am Modekonzern Tom Tailor und der Privatbank Hauck & Aufhäuser beteiligt.

Condor und Lufthansa rücken zusammen

Der weltweit zweitgrößte Reisekonzern nach Tui war durch eine milliardenschwere Abschreibung auf ein britisches Tochterunternehmen und ein schwächeres Reisegeschäft ins Schleudern gekommen und steht vor dem Aus. Zuletzt waren die Nettoschulden auf rund 1,6 Milliarden Pfund geklettert, im Mai hatte das Unternehmen die Anleger mit einer Gewinnwarnung geschockt.

Thomas Cook leidet stark unter dem Brexit und dem schwächerem Pfund. Das schmälert die Reiselust der Briten. Zugleich seien die Treibstoffkosten für die Airlines und auch Hotelpreise gestiegen. Die im Februar verkündeten Verkaufspläne für die Airline-Sparte, mit denen Condor zu seinem früheren Eigner Lufthansa hätte zurückkehren können, hatte Thomas Cook auf Eis gelegt. Dennoch könnten Condor und Lufthansa Insidern zufolge enger zusammenrücken, indem sie gemeinsam Langstreckenflüge anbieten.

"Pragmatische und verantwortliche Lösung"

Das frische Geld soll Thomas Cook ausreichenden Spielraum für das Winterhalbjahr 2019/2020 liefern und Investitionen beispielsweise in Hotels ermöglichen. Der Winter ist typischerweise reise- und einnahmeschwach für Reisekonzerne.

Thomas Cook-Chef Peter Fankhauser
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Thomas Cook-Chef Peter Fankhauser

Thomas Cook-Chef Peter Fankhauser hatte den Deal zu Lasten der Alt-Eigner als "pragmatische und verantwortliche Lösung" bezeichnet, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Es seien grundsätzlich gute Nachrichten für die Beschäftigten, die Kunden und die Zulieferer des Unternehmens. Nach Fankhausers Darstellung hatte vor allem die hohe Schuldenlast das Geschäft erschwert.

Von rund 9.000 Beschäftigten der Thomas-Cook-Airlines arbeiten etwa 4.000 bei der deutschen Gesellschaft Condor mit Hauptsitz in Frankfurt. Die Fluggesellschaften haben zusammen gut 100 Flugzeuge in Deutschland, Großbritannien, Spanien und Skandinavien stationiert und arbeiten seit Jahren im Konzern vergleichsweise eigenständig und profitabel. Eine noch größere Eigenständigkeit könne möglicherweise neue Optionen zur Weiterentwicklung bringen, hieß es am Mittwoch in Unternehmenskreisen.

tb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 01. September 2019 um 03:54 Uhr.

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