Tesla-Chef Elon Musk bei der Präsentation des Model 3

Autobauer Tesla Von der Wachstums- zur Pleite-Story?

Stand: 29.05.2019 06:44 Uhr

Wird es Tesla in einem Jahr noch geben? Das ist keineswegs ausgemacht. Bei dem einst so gehypten Elektroautobauer hat der Kampf ums nackte Überleben begonnen. Der Konzern steckt in der tiefsten Krise seit seiner Gründung.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

„Das ist das Jahr, in dem sich Tesla auflösen wird.“ Mit dieser düsteren Prognose schockte der renommierte New Yorker Professor Scott Galloway jüngst die Tesla-Fans. Der Branchenkenner reiht sich damit ein in die immer größer werdende Riege der Kassandras, die das vorzeitige Ende des Elektroauto-Pioniers ausrufen.

Ein Brand und zwei Ladenhüter

Tesla X
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Das Model X gibt's jetzt günstiger - ob das ein gutes Zeichen ist..

Verübeln kann man ihnen ihren Pessimismus nicht, folgt doch bei Tesla seit Wochen schon eine Hiobsbotschaft auf die andere. So fielen im April die Verkaufszahlen auf dem wichtigsten Markt China im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,7 Prozent. Dass Ende April ein parkendes Model S in Shanghai in Flammen aufging, war dabei sicherlich nicht gerade hilfreich.

Tesla Model 3
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Das Model 3: starke Konkurrenz - vor allem für die anderen Tesla-Modelle

Im Mai reduzierte Tesla dann die Preise für das Model S und Model X – und weckte so Sorgen vor einer nachlassenden Nachfrage. Bereits im ersten Quartal war der Absatz der beiden Luxusausführungen im Vergleich zum Vorquartal um mehr als die Hälfte eingebrochen. Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach den Modellen S und X durch das neue Model 3 kannibalisiert wird.

Nur noch zehn Monate bis zur Pleite?

Anfang Mai musste Tesla schließlich 2,7 Milliarden Dollar frisches Kapital aufnehmen – nachdem Konzernchef Elon Musk vergangenes Jahr noch vollmundig versprochen hatte, Tesla habe keine neue Geldspritze mehr nötig.

Angesichts der hohen Geldverbrennungsrate des Konzerns – 1,6 Milliarden Dollar im ersten Quartal – verspricht dieser Schritt aber nur kurzfristige Linderung. Dessen ist sich offenbar auch Musk bewusst: Ende Mai forderte er seine Mitarbeiter in einer Brand-Mail auf, jede auch noch so kleine Ausgabe der Firma zu überprüfen. Sollten nicht "Hardcore-Änderungen" eingeleitet werden, könne dem Elektroautobauer in zehn Monaten das Geld ausgehen.

Nicht schon wieder!

Tesla auf direktem Weg in die Pleite? Nichts Neues, sollte man meinen. So soll Tesla bereits 2013, gerade als das Model S ausgeliefert werden sollte, ums Überleben gekämpft haben. Und Ende 2018 erklärte Musk, Tesla habe durch die herausfordernde Produktion des Model 3 kurz vor dem Ruin gestanden.

Tesla
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Kursgewinne von zwei Jahren binnen kürzester Zeit vernichtet

Doch wer die aktuellen Pleite-Spekulationen mit einem Schulterzucken abtut, macht einen Fehler. Die Lage ist ernst, das zeigt schon ein Blick auf den Aktienkurs. Seit Jahresbeginn ist die Tesla-Aktie um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Erstmals seit 2016 kostet sie wieder weniger als 200 Dollar. Binnen weniger Monate ist auch der Kurs der noch bis 2025 laufenden Anleihe von 90 auf 81 Prozent abgestürzt.

Hofft bloß nicht auf Apple!

Apple will Tesla
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Apple als Retter in der Not?

Zuletzt keimten am Markt allerdings Hoffnungen auf: Apple könne doch als Retter in der Not einspringen und Tesla kaufen. Laut NYU-Professor Galloway verbirgt sich ein realer Marktwert hinter dem Tesla-Konzern, den sich der iPhone-Konzern nicht entgehen lassen werde.

Tesla nach einem tödlichen Unfall in Kalifornien
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Tesla nach einem tödlichen Unfall in Kalifornien

Das sehen aber nicht alle so. „Tesla ist keine Wachstumsstory mehr“, betont Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas. Apple wolle bestimmt kein Unternehmen übernehmen, „dessen Autos gelegentlich Feuer fangen, gegen Gebäude fahren oder Menschen töten“.

„Noch dümmer als ein Mensch“

Tatsächlich ist es nur zwei Wochen her, da ermittelte die US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit, dass Teslas Assistenzsystem „Autopilot“ bei einem tödlichen Unfall im März in Florida eingeschaltet gewesen war.

Weitere Kursinformationen zu Tesla

Kurz darauf kritisierte die US-Verbraucherschutzorganisation „Consumer Reports“ Tesla scharf dafür, „automatisierte Fahrsysteme“ zu veröffentlichen, die „nicht richtig sicherheitsgeprüft“ seien.

Tesla - Autonomes Fahren
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Verbraucherschützer warnen vor Teslas Autopiloten

Teslas Autopilot schneide beim Spurwechsel häufig andere Autos, sei auch bei wenig Verkehr regelmäßig überfordert und überhole andere Autos sogar rechts. Das wenig erfreuliche Fazit: „Die neue Technik ist noch dümmer als ein Mensch.“

Zukunftsstrategie Robo-Taxis

Das ist fatal für Musk, steht der Autopilot doch im Mittelpunkt seiner neuen Strategie: Statt mit dem Model 3 weiter um Anteile am Massenmarkt zu kämpfen, will Musk bereits ab 2020 ein Netzwerk von Robo-Taxis aufbauen.

Doch angesichts der aktuellen Entwicklungen ist es extrem unwahrscheinlich, dass Tesla auf dem Zukunftsmarkt für autonomes Fahren kurzfristig reüssieren kann. Zumal sich hier mittlerweile auch viele etablierte Autobauer und große Techkonzerne wie Google tummeln.

Wen interessieren schon Details?

Elon Musk
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Der Markt verliert das Vertrauen in Elon Musk

Der neuerlicher Strategieschwenk ist allerdings symptomatisch für Musks Führungsstil: Anstatt sich lange mit unliebsamen Details wie etwa der Optimierung der bestehenden Autoproduktion aufzuhalten, eilt Musk lieber von einer – zugegeben oftmals grandiosen – Idee zur nächsten.

Keine Frage: Der Tesla-Chef ist ein großer Visionär – aber ist er auch ein großer Geschäftsmann? Der Markt ist derzeit geneigt, diese Frage mit Nein zu beantworten. Womöglich ist Elon Musk derzeit Teslas größtes Problem.

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Die wichtigsten Stationen im Leben von Elon Musk

Klein-Elon Musk

Das frühreife Kind
Am 28. Juni 1971 erblickt Elon Musk in Südafrika das Licht der Welt. Er wächst in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sein Vater ist Ingenieur, seine Mutter hat eine Praxis als Ernährungsberaterin. Elon ist neugierig und frühreif. Manchmal verfällt der kleine Junge in eine Art Trance, dann hört er nicht mehr hin. Ärzte machen Tests mit ihm und beschließen, seine Polypen herauszunehmen. Das ändert nichts.

Quelle: boerse.ard.de
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