Mann hält Smartphone in den Händen | Bildquelle: AP

Interview mit Analystin "Smartphone-Markt 2021 im Aufwärtstrend"

Stand: 30.04.2020 14:15 Uhr

Die Corona-Pandemie hat im ersten Quartal für einen dramatischen Einbruch der globalen Smartphone-Verkäufe gesorgt. Doch schon 2021 dürfte es wieder bergauf gehen, betont Gartner-Analystin Annette Zimmermann.

boerse.ARD.de: In der Corona-Krise haben sicherlich viele Menschen besseres zu tun, als sich ein neues Smartphone zu kaufen. Frau Zimmermann, schlägt sich das bereits in den Verkaufszahlen der Hersteller nieder?

Annette Zimmermann: Ja, in der Tat. Laut unserem neuesten Report dürften die Verkaufszahlen im ersten Quartal 2020 weltweit um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zurückgegangen sein. Dieser Rückgang von 30 Prozent fing mit dem Einbruch des chinesischen Marktes im Februar an und zog sich dann weltweit bis zu uns nach Deutschland durch.

boerse.ARD.de: Ist das nur ein kurzfristiger Effekt – oder werden die Smartphone-Hersteller über das Jahr 2020 hinaus an einem Nachfragerückgang zu knabbern haben?

Zimmermann: Für 2020 sehen wir derzeit einen weltweiten Rückgang der Verkaufszahlen von circa 15 Prozent im Vergleich zu 2019. Das entspräche 1,3 Milliarden verkauften Smartphones weltweit im Vergleich zu 1,54 Milliarden im Jahr 2019. Der Markt wird sich im zweiten Halbjahr 2020 etwas erholen. Für 2021 und 2022 erwarten wir dann einen neuen Aufwärtstrend. Für diese beiden Jahren können wir entsprechend mit zwei bis drei Prozent Wachstum weltweit rechnen.

boerse.ARD.de: Bleibt wegen der Corona-Pandemie jetzt auch der für 2020 erhoffte 5G-Boom aus?

Zimmermann: Wir hatten vor der Pandemie im Dezember noch einen positiveren Forecast für die Verkaufszahlen von 5G-Smartphones als in unserer neuesten Auflage. Die Nachfrage verschiebt sich auf 2021. Einer der wenigen Märkte, wo 5G 2020 noch eine wichtige Rolle spielen wird, ist China.

boerse.ARD.de: Der Lebenszyklus unserer Smartphones wird immer länger - drückt auch das auf die Nachfrage?

Zimmermann: Ja, 2019 war das erste Jahr seit Beginn der Smartphone-Ära, in dem wir einen leichten Rückgang (ein Prozent) in den Verkaufszahlen sahen im Vergleich zum Vorjahr. 2020 wird sich dieser Trend noch intensivieren. Viele werden ihren Smartphone-Kauf um einige Monate, wenn nicht sogar auf 2021 aufschieben.

boerse.ARD.de: Doch nicht nur die Nachfrage leidet aktuell. Wie stark sind die Lieferketten beeinträchtigt?

Zimmermann: Die Produktion in China hat seit etwa zwei Wochen wieder 90 bis 100 Prozent der Vor-Corona-Kapazität erreicht. Allerdings erreichen uns immer wieder Meldungen über Verknappung von Komponenten, sodass die Smartphone-Hersteller im zweiten Halbjahr nicht nur an der fehlenden Nachfrage, sondern auch am mangelnden Angebot scheitern könnten. Ein Mittelklasse-Smartphone wie das iPhone SE würde sich in der jetzigen Situation gut verkaufen – unter der Voraussetzung, dass Apple die Nachfrage bedienen kann.

boerse.ARD.de: Rächt sich jetzt, dass etwa Apple einzig und allein auf China als Produktionsstandort gesetzt hat?

Zimmermann: "Einzig und allein" ist etwas zu streng formuliert, schließlich produziert Apple auch in Indien. Außerdem sitzen alle Hersteller da im gleichen Boot. Der einzige Hersteller, der in dieser Hinsicht im Moment etwas besser dasteht, ist Samsung.

Weitere Kursinformationen zu Apple

Weitere Kursinformationen zu Samsung GDR

boerse.ARD.de: Werden sich wegen der Corona-Pandemie auch die Release-Termine neuer Smartphones nach hinten verschieben?

Zimmermann: Ja, es könnte gut sein, dass sich etwa der Release des neuen iPhone, das normalerweise im September vorgezeigt wird, um ein bis zwei Monate nach hinten verschiebt.

boerse.ARD.de: Wer zählt zu den Gewinnern, wer verliert im aktuellen Marktumfeld?

Zimmermann: Huawei war außerhalb von China wegen seiner fehlenden Android-Lizenz schon vor Corona in einem Abwärtstrend. Apple hat zwar weiterhin einen hohen Verkaufsanteil von iPhones am Gesamtumsatz, aber insgesamt kann das Unternehmen durch die neuen Dienste und Wearables einen Rückgang bei den Smartphones besser abfedern als eine Firma wie Oppo, die sich fast ganz auf Smartphones. Samsung hat durch seinen Produktionsstandort einen Angebotsvorteil und zudem viel mehr Produkte. Gleichzeitig ist Samsung Zulieferer für andere Smartphone-Hersteller. Wenn diese weniger produzieren, wird dies auch Samsung merken. Unterm Strich wird es am Schwersten für die Hersteller, die in China produzieren und ausschließlich Smartphones am Markt haben. Und für Huawei. Besser läuft es für Apple und Samsung.

Das Interview führte Angela Göpfert.

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: