Auf dem Bildschirm wird die Messenger-App Slack angezeigt.  | Bildquelle: dpa

Plattformen im Wettbewerb Slack wächst, aber nicht wie erwartet

Stand: 05.06.2020 10:18 Uhr

Die Kommunikationsplattform Slack galt als großer Gewinner der Pandemie. Aber die Konkurrenz ist hart und niemand will sich das Milliardengeschäft entgehen lassen. Neben Zoom hat sich vor allem Microsoft eine starke Position erobert. Und jetzt zeigt Slack Schwäche.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Noch immer sitzen Millionen von Menschen im der heimischen Wohnzimmer und versuchen ihre Arbeit so gut wie möglich von dort aus zu erledigen. Und nach allem was man heute weiß, wird dieser Trend auch über die Zeit von Corona und Lockdown hinaus erhalten bleiben.

Fast 75% der Unternehmen möchten mehr Arbeit im Homeoffice
galerie

Fast 75% der Unternehmen möchten mehr Arbeit im Homeoffice

Das auf die IT-Branche spezialisierte US-Analysehaus Gartner hat im April eine Umfrage unter US-Finanzvorständen veröffentlicht: Fast drei Viertel der Entscheider beabsichtigen, Heimarbeit nach der Pandemie auszubauen. Der Grund ist klar: Die Kosten: "Finanzvorstände stehen bereits unter Druck, um Kosten zu sparen", kommentiert Gartner-Experte Alexander Blant. Im Homeoffice-Trend sähen sie eine gute Gelegenheit, Einsparungen zu realisieren.   

Große Hoffnung auf die Zukunft

Für Videodienste, Kommunikationsplattformen und Messengerdienste ist die Corona-Krise deshalb eine unverhoffte Chance, das Geschäft kräftig auszubauen. Und das klappt ausgezeichnet, wie die jüngsten Quartalszahlen von Zoom beweisen. Der Videodienstanbieter steigerte den Umsatz um sensationelle 169 Prozent. Die Zahl der Kunden mit mehr als zehn Mitarbeitern stieg um 354 Prozent auf 265.400. Die Aktie legte allein seit Jahresbeginn trotz zeitweiliger Sicherheitsbedenken um rund 230 Prozent zu. Offenbar sehen die Investoren riesiges Zukunftspotenzial.  

Aber der Markt ist hart umkämpft. Facebook bietet seit neuestem einen Chatdienst an, Microsoft ist mit seinem Dienst Teams dick im Geschäft, auch der 2013 gegründete und in San Francisco beheimatete Kommunikationsdienstleister Slack gehört zu den klaren Profiteuren.

Slack-Gründer Steward Butterfield
galerie

Slack-CEO Steward Butterfield: Microsoft kein direkter Konkurrent?

Wie sehr die Börse längst auf den Trend setzt, zeigt die Marktkapitalisierung von Slack und Zoom. Slack kommt aktuell auf einen Börsenwert von rund 22 Milliarden Dollar, während Zoom sogar 63 Milliarden wert ist. Das ist ungefähr so viel, wie der Wert von Daimler und BMW plus Dax-Absteiger Lufthansa zusammen - allesamt Unternehmen, die Menschen noch persönlich zusammenbringen.      

Slack-Zahlen enttäuschen

Wer also Slack installiert hat, kann getrost zu Hause bleiben. Und es werden mehr. Bereits Ende März twitterte CEO Stewart Butterfield man habe die Zahl der simultanen Nutzer allein in der Zeit vom 10. März bis zu 25 März von 10 Millionen auf 12,5 Millionen gesteigert. Der Erfolg hat sich zwar fortgesetzt, aber die Bilanz des ersten Quartals fiel schwächer aus, als Experten erwartet hatten.

Slack steigerte seinen Umsatz im Jahresvergleich um 50 Prozent auf 201,7 Millionen Dollar. Allerdings hat das Wachstumstempo nicht wie erhofft durch die Pandemie zugelegt. Unter dem Strich blieb ein Minus 74,4 Millionen Dollar, also doppelt so viel wie im Vorjahr.    

Zoom
galerie

In Zooms Welt

Wenn die Konkurrenz schwächelt, freut sich Microsoft. Der Microsoft Chat-Dienst Teams wächst rasend schnell. Am 18. März hatte Microsoft mitgeteilt, Teams habe 44 Millionen täglich aktive Nutzer. Bei der Präsentation der Geschäftszahlen Ende April waren es bereits 75 Millionen.

Das Virus beeinflusse jeden Aspekt unserer Arbeit und Lebens, lässt Microsoft-Chef Satya Nadella wissen. Die digitale Transformation habe sich dadurch in zwei Monaten so beschleunigt wie sonst in zwei Jahren. Laut Nadella ist Teams die am schnellsten wachsende Anwendung in der Unternehmensgeschichte.

Wozu braucht Microsoft Slack?

Der Erfolg von Teams macht dem Slack-Management Sorgen - auch wenn Butterfield Microsoft nicht als direkten Konkurrenten sehen will und dabei auf die unterschiedliche Gestaltung der Dienste hinweist. Aber ist das nicht nur für Kenner interessant? Der Mehrheit der Anwender wird es darauf ankommen, dass die Kommunikation funktioniert. Der Slack-Boss stellt in einem Interview mit dem US-Magazin "The Verge" fest: "Microsoft ist auf eine ungesunde Weise damit beschäftigt, uns auszuschalten." Und Teams sei das Mittel, um das zu erreichen.

Satya Nadella
galerie

Microsoft-CEO Satya Nadella kommt auch ohne Slack klar

Nicht ausgeschlossen, dass es funktioniert, denn Teams ist sowohl kostenlos erhältlich als auch Teil des Abonnements der Office-Anwendungen 365. Und das Microsoft-Imperium ist gigantisch. Mitte März teilte das Unternehmen mit, dass Windows 10 auf einer Milliarde Endgeräten installiert ist. Mit einer solchen Basis lässt sich arbeiten.

Im Jahr 2016 soll Microsoft Medienberichten zufolge an einem Kauf von Slack interessiert gewesen sein. Aber ein Preis von 8 Milliarden Dollar sei der Führung um Nadella zu teuer gewesen, hieß es. Angesichts des aktuellen Werts wäre es wohl ein gutes Geschäft gewesen. Aber wozu bräuchte Microsoft noch Slack?

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: