Erich Sixt

Autovermieter Erich Sixt Auch mit 75 noch angriffslustig

Stand: 25.06.2019 06:45 Uhr

Mit seinen schrill-frechen Werbekampagnen sorgt Sixt immer wieder für Aufsehen. Firmengründer Erich Sixt hat aus einem kleinen lokalen Autoverleih Europas führenden Autovermieter geformt. Nun greift er auch noch BMW, Daimler und Uber an. Heute feiert Sixt seinen 75. Geburtstag.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Arbeit? Das Wort mag Erich Sixt nicht. Der Begriff sei negativ besetzt, sagt er. Wenn der 75-Jährige arbeitet, ist es für ihn Vergnügen. So ist es wenig verwunderlich, dass der Firmenpatriarch sieben Tage lang die Woche bei Sixt seinem Vergnügen nachgeht.

Vorbild Warren Buffett

Ans Aufhören oder gar Rente denkt Erich Sixt nicht. Zwar läuft nächstes Jahr sein Vertrag als Vorstandschef aus. Aber Spekulationen, er könne auf der Hauptversammlung im Juni 2020 seinen Rückzug verkünden, widerspricht er vehement. "Ich fühle mich noch ganz fit", sagt er. Als sein großes Vorbild gilt Warren Buffett. Der US-Investor mischt mit 88 Jahren immer noch im Geschäft mit.

Ein Autoschlüssel mit einem Sixt-Anhänger
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Sixt hat eine von 270.000 Autos. 

Dabei könnte sich der "Mietwagen-König" in seine Villa in München-Grünwald oder sein Anwesen in Südfrankreich gemütlich zurückziehen und den Konzern an seine Söhne übergeben. Denn Sixt eilt von Rekordergebnis zu Rekordergebnis. Auf der Hauptversammlung Anfang Juni konnte der Patriarch "das bislang stärkste Jahr in der Firmengeschichte vermelden. "Die Konkurrenten sehen uns nur noch im Rückspiegel", sagte er.

Marktführer in Europa und Nummer vier in den USA

Selbst der Platzhirsch Europcar wurde abgehängt. "Wir sind 2018 die Nummer eins in Europa geworden", verkündete Sixt den Aktionären stolz.

Auch die Expansion in die USA ist gelungen. Inzwischen rangiert Sixt auf dem weltgrößten Vermietmarkt auf Platz vier. Das freut Erich Sixt. "Im Sixt-Imperium geht die Sonne nicht mehr unter", kommentiert er die erfolgreiche Expansion nach Übersee.

"Ich habe Generationen von Geschäftsführern überlebt und aus 200 Autos den innovativsten Autovermieter der Welt gemacht", tönt der 75-Jährige. Tatsächlich hat Sixt aus dem Münchner Taxibetrieb seines Vaters, der 200 Autos vermietete, binnen eines halben Jahrhunderts ein Imperium mit einer Flotte von 270.000 Autos geschaffen. 2018 fuhr die Firma fast drei Milliarden Euro Umsatz und 439 Millionen Euro Gewinn ein.

Freche Werbung mit Merkel-Cabrio-Frisur

Erich Sixt
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Sixt hat über die Jahre mit einer Serie von Bildern von Politikern und Prominenten Werbung gemacht.

Mit provozierenden Werbekampagnen hat Sixt immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. So wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Spruch "Lust auf eine neue Frisur?" aufs Korn genommen. Zur "Ibiza-Affäre" und dem per Misstrauensvotum abgewählten österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz fiel den Sixt-Werbern der Spruch "Perfekt für den Kurz-Urlaub – diesem Angebot braucht man nicht zu misstrauen" ein. Und jüngst bekam auch noch die zurückgetretene SPD-Parteichefin Andrea Nahles ihr Fett weg. "Rekord-Werte für Andrea: In 3,9 Sekunden weg von der SPD", hieß es im Sixt-Slogan mit dem Bild von Nahles und einem BMW M5.

Die Börse honoriert die Sixt-Story. In den letzten fünf Jahren hat sich der Kurs verdreifacht. Nach einem Kurseinbruch in der zweiten Jahreshälfte 2018 hat sich die SDax-Aktie wieder aufgerappelt.

Weitere Kursinformationen zu Sixt ST

Trotzdem gibt sich der alte Firmenpatriarch noch lange nicht zufrieden. "Erfolg ist der größte Feind des Erfolgs", klagt er. "Sich darauf auszuruhen, wäre fatal."

Expansion ins Carsharing-Geschäft

Sixt- Angestellte zeigt die verschiedenen PKW-Modelle auf einem Tablet
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Zur Flotte gehören verschiedene PKW-Modelle.

Nachdem Sixt Deutschland, Europa und die USA mit den orangenen Mietstationen überzogen hat, will der Konzern zum führenden Mobilitätskonzern werden. Mit der "OneApp" bietet Sixt künftig nicht mehr nur die Autovermietung, sondern auch Carsharing-Dienste und die Vermittlung von Taxifahrten an. Die neuen Konkurrenten heißen BMW und Daimler, die jüngst ihre Carsharing-Töchter DriveNow und Car2Go zusammengelegt haben, und… Uber. Der Fahrdienstleister aus den USA ist aktuell mit 73,4 Milliarden Dollar bewertet. Sixt dagegen kommt an der Börse nur auf eine bescheidene Marktkapitalisierung von 2,8 Milliarden Euro…

Erich und Sohn Alexander Sixt
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Erich Sixt und sein Sohn Alexander

Dass Sixt bald von Uber oder den großen Autobauern überholt werden könnte, glaubt Erich Sixt nicht. Uber sei ein "Verlustmaximierer", dem er keine große Zukunft gebe. Und die Autohersteller wie Daimler und BMW müssten erstmal eine Infrastruktur für Carsharing aufbauen. Da habe Sixt einen Vorsprung von 2.000 Stationen. Momentan haben Car2go und Drive Now zusammen weltweit etwa 20.000 Autos auf der Straße, die verfügbar sind. Sixt hingegen zählt alleine in Deutschland schon über 50.000 Mietwagen, die für das Carsharing nutzbar gemacht werden könnten.

"Andere stellen Autos her, wir stellen Autos hin!"

"Carsharing und Autovermietung sind im Prinzip das Gleiche", glaubt Sixt-Sohn Alexander, Strategievorstand des Konzerns. Die einzigen Unterschiede seien, dass beim Carsharing minutengenau abgerechnet wird und dass man das Auto nicht mehr an der Station, sondern am Straßenrand abhole.

"Andere stellen Autos her, wir stellen Autos hin", frotzelt Sixt junior. Der 39-jährige Sohn des alten Firmenpatriarchen verfolgt das Ziel, den individuellen Verkehr zu reduzieren. "Wir wollen Mobilität so günstig machen, dass es sich nur noch die Reichen leisten können, ein Auto zu besitzen", tönt er. Mehr Mobilität mit weniger Autos - das ist die Vision von Sixt. Mal sehen, wann Vater Erich seinem Sohn als Mobilitätsvisionär das Steuer überlässt…

Quelle: boerse.ard.de
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