Silber

Preis über 20 Dollar Der neue Silberrausch

Stand: 22.07.2020 07:10 Uhr

Die Ungewissheit über den Ausgang der Corona-Krise und die Billionen-Geldflut der Notenbanken treiben die Anleger in sichere Häfen. So ist neben Gold zunehmend auch Silber gefragt. Das Edelmetall kletterte heute auf ein Vier-Jahres-Hoch.

Wenn Silber tatsächlich das "Gold des kleinen Mannes" ist, dann hat der Silberrausch gerade erst begonnen. Edelmetallhändler berichten über eine zuletzt rasant gestiegene Nachfrage nach Silberbarren, während sich das Interesse für Gold auf Normalniveau eingependelt hat. "Unsere Barren von einem Gramm bis 100 Gramm sind gefragter denn je", sagt Alexander Filkorn, Geschäftsführer des Handelshauses Ophira. Die Kunden kauften Silberpakete als Absicherungsinstrument. Mit kleinen Stückelungen von ein bis zehn Gramm "könnten sie im Falle eines Währungs-Crashs besser umgehen als mit kleinen Goldbarren", weiß er. Damit könnten sie überall einkaufen, "und der Händler, Bäcker, Metzger oder Bauer müsse nicht rausgehen", um das Metall zu tauschen.

Stärker als Gold gestiegen

Tatsächlich hat in den letzten Wochen und Monaten Silber stärker zugelegt als Gold. Während das gelbe Edelmetall seit dem Tiefpunkt des Corona-Crashs gut 24 Prozent zulegte, gewann Silber knapp 70 Prozent. Seit Anfang Juni ist der Silberpreis um rund zwölf Prozent gestiegen. Gold hat sich im selben Zeitraum nur um fünf Prozent verteuert.

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Am Dienstag sprang der Silberpreis erstmals seit knapp vier Jahren wieder über die Marke von 20 Dollar. In der Spitze kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls am Vormittag 20,43 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit September 2016.

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Gold-Silber-Verhältnis gefallen

Entsprechend ist das Gold-Silber-Verhältnis, das die beiden Preise gegenüberstellt, spürbar gefallen. Es liegt aber immer noch deutlich über seinem längerfristigen Durchschnitt. Deshalb sehen Experten Spielraum für einen weiter steigenden Silberpreis.

Gold und Silber profitieren schon seit einiger Zeit unter anderem von der großen Ungewissheit über den Fortgang der Corona-Krise. Die Edelmetalle gelten als sichere Anlagehäfen, die in unsicheren Zeiten als wertstabile Anlage geschätzt werden. Wegen der Billionen, die Notenbanken und Regierungen zur Bekämpfung der Corona-Folgen auf den Markt schmeißen, fürchten immer mehr Menschen  eine steigende Staatsverschuldung und mittel- bis langfristig eine hohe Inflation. Silber gilt wie Gold als Inflationsschutz.

Wette auf Konjunkturerholung

Allerdings hängt das Edelmetall auch von der Konjunkturentwicklung ab, da es - anders als Gold - stark in der Industrie eingesetzt wird. Die leichtere konjunkturelle Erholung in den letzten Wochen dürfte den Silberpreis zuletzt zusätzlich gestützt haben. Darüber hinaus kommen die anhaltend niedrigen Zinsen zinslosen Anlagen wie Silber und Gold zugute.

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Experten der Commerzbank sehen bereits seit längerem einen massiven Einstieg von großen Investoren in Silber-ETFs. Auslöser war der Rekordstand beim Gold/Silber-Verhältnis zugunsten von Gold. Seitdem seien Tausende Tonnen in die Silber-ETFs geflossen.

Experte: Silberpreis könnte sich 2020 verdoppeln

Manche Rohstoffexperten trauen dem "Gold des kleinen Mannes" noch weitere Preissprünge zu. Finanzblogger Kris Knutson zum Beispiel prophezeit auf der Webseite "The Motley Fool", dass sich der Preis in diesem Jahr verdoppeln könnte. Denn Silber werde seit Jahrtausenden als Zahlungsmittel verwendet. "Anleger werden versuchen, ihr Vermögen durch Wertspeicher wie Edelmetalle zu erhalten. Zudem sei Silber günstiger als Gold.

Charttechnisch sieht es für das weiße Edelmetall ebenfalls gut aus. Nach dem Anstieg über die Marke von 19 Dollar könnte die Bodenbildung der letzten Jahre gelingen, schreibt die HSBC in ihrem täglichen Newsletter. Sie taxiert das Kursziel auf 28 Dollar.

nb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 22. Juli 2020 um 11:12 Uhr.

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