Christian Sewing | Bildquelle: AFP

Deutsche-Bank-Chef Sewing Hohe Erwartung, durchwachsene Bilanz

Stand: 08.04.2019 09:04 Uhr

Als Christian Sewing am 8. April 2018 "mit sofortiger Wirkung" zum Chef der Deutschen Bank ernannt wurde, waren die Erwartungen groß. Nach einem Jahr im Amt fällt die Bilanz recht bescheiden aus. Eine neue Herausforderung sind nun die Fusionsgespräche mit der Commerzbank.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Aus Sicht der Aktionäre ist die Bilanz von Christian Sewing sogar verheerend, hat doch der Kurs der Deutschen Bank seit seiner Nominierung über ein Drittel an Wert verloren. Ende Dezember war die Aktie sogar auf 6,75 Euro gefallen, was einem Minus von 40 Prozent seit dem Amtsantritt im April 2018 entsprach.

Von früheren Glanzzeiten ist Deutschlands größtes Geldhaus damit nach wie vor weit entfernt. An der Börse bringt sie keine 16 Milliarden Euro mehr auf die Waage. Zum Vergleich: JPMorgan, Amerikas größte Bank, wird mit 309 Milliarden Euro bewertet, also fast dem 20-Fachen.

Hoffnung und Aufbruch

Natürlich ist die heutige Schwäche der Deutschen Bank nicht eine Folge von Sewings Politik. Die Weichen für den Niedergang des einst so stolzen Hauses wurden bereits in der Ära Ackermann und den Londoner Investmenbankern vor 15 Jahren gestellt.

Als der Aufsichtsrat am 8. April 2018 den damals 47-Jährigen Sewing auf den Chefposten des Frankfurter Geldhauses beförderte, war die Hoffnung groß. Endlich ein Vorstand, der nicht aus dem Investmentbanking kommt, einer der die Bank seit fast drei Jahrzehnten von innen kennt.

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1989 hatte er eine Lehre in der Deutsche-Bank-Filiale Bielefeld begonnen und ist dann die interne Karriereleiter emporgeklettert. Dabei macht er im weltumspannenden Reich des Geldhauses auch Stationen in London, Toronto, Tokio und Singapur.

"Gehalten, was wir versprochen haben"

Managementerfahrung mit dem Kundengeschäft folgte erst in den vergangenen Jahren. Zuvor hatte Sewing vor allen in der Risikokontrolle der Bank gearbeitet und die interne Revision geleitet. Seit 2015 gehört er dem Vorstand an. Dort war zuletzt für das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden sowie das Wealth Management zuständig, also für die soliden, wenig kapitalintensiven Sparten der Bank, nicht aber für das Investmentbanking.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing und Aufsichtsrat Paul Achleitner
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Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner und -Chef Christian Sewing auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle 2018

Sewing folgte auf den glücklosen Briten John Cryan, dem es in drei Jahren Amtszeit nicht gelang, die Deutsche Bank wieder aus der Verlustzone zu führen. Ganz anders Sewing: Dank eines scharfen Sparkurses hat die Bank 2018 zum ersten Mal seit 2014 wieder einen Gewinn eingefahren. "Für 2018 können wir mit Fug und Recht sagen, wir haben gehalten, was wir versprochen haben", lobte sich der Manager auf der letzten Jahrespressekonferenz selbst.

Schatten der Vergangenheit

Doch der Aufbruchstimmung zu Beginn seiner Amtszeit ist längst Ernüchterung gefolgt. Im Investmentbanking sind die Erträge zuletzt wieder rückläufig und die Gewinne abgeschmolzen. Im vierten Quartal 2018 ist der wichtigste Geschäftszweig der Bank sogar wieder in die roten Zahlen gerutscht. Auch im Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung kämpft die Bank mit niedrigen Margen und hohen Kosten.

ARD-Börse: Kritik zu Fusionsgesprächen in der Bankenbranche

08.04.2019 17:49 Uhr

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Zudem verfolgen das Geldhaus immer wieder die Schatten der Vergangenheit: Eine öffentlichkeitswirksame Geldwäsche-Razzia in den Frankfurter Zwillingstürmen Ende November verschreckte Kunden und Aktionäre und war letztlich ein Grund für die roten Zahlen im Schlussquartal.

Führungsanspruch

Besserung hat es angeblich auch im ersten Quartal 2019 nicht gegeben. Der Sparkurs muss also weiter verschärft werden. Im Klartext heißt das: Es müssen noch mehr Stellen abgebaut werden. Dass Sewing harte Maßnahmen nicht scheut, zeigt der bereits im vergangenen Jahr verkündete Abbau von 6.000 Vollzeitstellen in der Bank auf weniger als 93.000 Arbeitsplätze.

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Das forsche Auftreten des 48-Jährigen klingt nach Führungsanspruch - und genau diesen fordert Sewing offenbar auch in den Gesprächen mit der Commerzbank ein: Es laufe auf eine Übernahme des kleineren Konkurrenten hinaus, so die einhellige Meinung der Frankfurter Finanzbranche.

Dabei stand Sewing einer Fusion mit der Commerzbank eigentlich skeptisch gegenüber. In dürren Worten bestätigte der Vorstand am 17. März, dass Gespräche mit der Commerzbank geführt werden. Es handele sich um eine "strategische Option", die geprüft werden müsse. Eine Gewähr, dass es zu einer Transaktion komme, gebe es aber nicht.

Achleitner wirbt für Fusion

Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner
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Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner

Dennoch hat sich Sewing den Gesprächen nicht verweigert - zumal Aufsichtsratschef Paul Achleitner die Marschrichtung vorgibt. Er hält ein Zusammengehen mit der Commerzbank für "makroökonomisch sinnvoll". Ob sie auch betriebswirtschaftlich Sinn macht, wird jetzt geprüft. Das sei Aufgabe des Vorstands.

Was er von Sewing erwartet, hat Achleitner schon bei der Beförderung an die Konzernspitze vor einem Jahr formuliert: "Christian Sewing hat in seinen mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank konstant bewiesen, dass er führungsstark ist und eine große Durchsetzungskraft hat. Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass es ihm und seinem Team gelingen wird, die Deutsche Bank erfolgreich in eine neue Ära zu führen."

Ob und wie die Commerzbank in diese "neue Ära" der Deutschen Bank passt, darüber könnte schon Ende April Klarheit herrschen, wenn beide Häuser über ihre Geschäfte im ersten Quartal berichten.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. April 2019 um 06:37 Uhr.

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