Der Containerschiff-Neubau MV «OOCL Hong Kong» | Bildquelle: dpa

Folgen neuer Umweltnormen Saubere Schiffe - weniger Wachstum?

Stand: 09.01.2020 07:53 Uhr

Seit Jahresbeginn gelten für Schiffsmotoren strengere Abgasauflagen. Das könnte die Weltwirtschaft belasten. Denn 80 Prozent des Welthandels wird über die Schifffahrt abgewickelt.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Tatsächlich wurden 2018 erstmals elf Milliarden Tonnen Güter über das Meer transportiert, so viel wie noch nie. Dabei verfeuerten die Reeder auf ihren Schiffen überwiegend stark schwefelhaltiges, umweltschädigendes Schweröl.

Seit Jahresbeginn ist damit Schluss - zumindest offiziell. Gemäß den neuen Umweltauflagen der Internationalen Maritimen Organisation (IMO) dürfen Schiffe nur dann weiter mit Schweröl fahren, wenn sie eine Abgasreinigungsanlage (Scrubber) besitzen, die den Schwefel aus den Abgasen extrahieren. Ansonsten müssen sie Schiffsdiesel mit geringem Schwefelanteil verwenden. Die umweltfreundlichste Lösung wäre der Einsatz von verflüssigtem Erdgas – Liquified Natural Gas (LNG). Dieses wird jedoch nur von einem geringen Teil der Flotte genutzt.

Steigende Betriebskosten

Laut dem Verband Deutscher Reeder (VDR) will die überwiegende Mehrheit der deutschen Handelsflotte Marinediesel nutzen, mit einem Schwefelanteil von 0,5 Prozent statt wie bisher 3,5 Prozent. Auf Nord- und Ostsee und in den deutschen Häfen gilt schon länger ein Grenzwert von 0,1 Prozent. Das hört sich wenig an, ist aber immer noch hundert Mal so viel, wie im Diesel für Straßenfahrzeuge enthalten sein darf.

Große Schiffe benötigen 100 bis 200 Tonnen Treibstoff pro Tag. Das kostet und ist ein wesentlicher Teil der Betriebsausgaben. Dennoch sprechen die Reeder von einer Zeitenwende in der Schifffahrt, leite sie doch das Ende des Schweröls ein. Rund 80 Prozent der weltweiten Flotte musste umgerüstet werden.

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Teurer Treibstoff

Doch die neue Vorschrift hat ihren Preis, denn der neue Treibstoff ist rund 50 Prozent teurer als der alte. Die Hamburger Container-Linienreederei Hapag-Lloyd erwartet Mehrkosten von rund einer Milliarde Dollar pro Jahr; beim weltgrößten Reedereikonzern Maersk sind es zwei Milliarden.

Insgesamt rechnen Experten nach einer Analyse der Landesbank Baden-Württemberg mit Zusatzkosten von 60 Milliarden Dollar. Eine dort zitierte Studie des Informationsdienstes S&P Global Platts kommt sogar auf eine Billion Dollar im Laufe von fünf Jahren.

Wird das Wirtschaftswachstum geringer ausfallen?

Damit könnten die neuen Regeln das weltweite Wachstum belasten und die Gefahr einer globalen Rezession verstärken. LBBW-Analyst Per-Ola Hellgren will nicht ausschließen, dass das Weltwirtschaftswachstum deshalb bereits in diesem Jahr geringer ausfallen könnte. Doch genau kann das niemand sagen, weil es eine solche Situation zuvor noch nicht gegeben hat.

Die Reeder sind überzeugt, dass sie die höheren Treibstoffkosten nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben können. Zudem sei unklar, ob es den neuen Brennstoff auch überall geben wird. Die deutschen Raffinerien sehen sich zwar gerüstet. Doch die Branche weiß nicht, welche Sorte von welchen Reedereien in welcher Menge in welchem Hafen künftig geordert wird.

Nur geringe Auswirkungen für die Verbraucher

Welche Auswirkungen die besseren Kraftstoffe auf ähnliche Raffinerieprodukte wie Diesel, Heizöl und Kerosin haben wird, lässt sich ebenfalls noch nicht sagen. Die Erdölfirmen wollen aber nicht ausschließen, dass die Dieselpreise für Autofahrer an der Zapfsäule zumindest zeitweise anziehen werden.  

Letztlich müssen die Verbraucher für den schwefelarmen Treibstoff bezahlen. Die Reedereien wollen die höheren Treibstoffkosten an Spediteure oder Handelskonzerne weiterreichen - und geben gleichzeitig Entwarnung. Ein Preisaufschlag von 50 Prozent beim Treibstoff würde die Transportkosten für die einzelne Hose oder ein T-Shirt für den Endverbraucher kaum teurer machen.  

Kreuzfahrtschiffe fahren weiter mit Schweröl

Im Fokus der Kritik von Klimaaktivisten stehen auch die Kreuzfahrtanbieter. Auf die entfallen zwar nur 400 bis 500 der insgesamt 55.000 Handelsschiffe. Sie verfeuern aber weiter überwiegend Schweröl, weil sie eigene Reinigungsanlagen besitzen.

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Bei Tui sind sechs der sieben Schiffe mit einem solchen Filter ausgestattet. Auch MSC setzt auf die Technik. Elf Schiffe verfügen bereits über einen Scrubber, die verbleibenden sechs sollen ebenfalls bald mit dem System ausgestattet werden.  

Bei der Carnival-Tochter Aida waren es im vergangenen September neun Schiffe, weitere sollen folgen. Die Branche setzt bei ihren Neubauten auf Erdgas. Und sie forscht an umweltschonenden Antriebslösungen wie Brennstoffzellen und Elektrobatterien. Denn auch die Schifffahrt will ihren Beitrag zum nachhaltigen Umweltschutz leisten und bis 2050 klimaneutral werden.

Quelle: boerse.ard.de
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