Ryanair

Hohe Verluste wegen Corona Trüber Sommer für Ryanair

Stand: 02.11.2020 10:34 Uhr

Das für die Airline-Branche so wichtige Sommergeschäft ist in diesem Jahr coronabedingt schwer von den Reisebeschränkungen betroffen. Der Billigflieger Ryanair flog erstmals seit Jahrzehnten in Sommerzeiten ins Minus.

Im Vorjahreszeitraum hatte es für Ryanair im ersten Halbjahr noch zu einem Gewinn in Höhe von fast 1,2 Milliarden Euro gereicht. In diesem Jahr stand unter dem Strich ein Verlust von 197 Millionen Euro. Es ist der erste Verlust in einem Sommerhalbjahr seit Jahrzehnten. Die Folgen der Reisebeschränkungen sind dramatisch: Der Umsatz brach von 5,4 Milliarden Euro auf rund 1,2 Milliarden Euro ein.

Im Ergebnis ist das kaum überraschend: Transportierte Ryanair in den ersten sechs Monaten 2019 noch 85,7 Millionen Fluggäste, waren es 2020 nur noch 17,1 Millionen – ein Minus von 80 Prozent. Laut Unternehmensmitteilung parkten 99 Prozent der Flotte von Mitte März bis Ende Juni am Boden.

Michael O'Leary

Ryanair-Chef Michael O'Leary gestikulierend

Illusionslos in die zweite Jahreshälfte

Vor allem das Sommerquartal selbst verlief desaströs. Weil sich die Ticketnachfrage nach dem faktischen Flugstopp im Frühjahr nur schleppend erholte, stand im zweiten Geschäftsquartal bis Ende September ein Verlust von rund 226 Millionen Euro in den Büchern. Ein Jahr zuvor hatte Ryanair in der wichtigsten Reisezeit des Jahres noch einen Gewinn von 910 Millionen Euro erzielt.

Für den Winter macht sich Konzernchef Michael O'Leary angesichts steigender Infektionszahlen, neuer Lockdowns in mehreren Staaten und vieler Reisebeschränkungen keine Illusionen. Das Unternehmen hat sein Flugangebot für die Wintermonate noch einmal deutlich zusammengestrichen. Jetzt rechnet O'Leary in der kalten Jahreshälfte mit einem noch höheren Verlust als im Sommerhalbjahr.

Ryanair

Ryanair-Maschinen in Parkposition am Flughafen Dublin

Sind Staatshilfen illegal?  

Für das gesamte Geschäftsjahr bis Ende März 2021 rechnet die Ryanair-Führung mit etwa 38 Millionen Fluggästen. Auch diese Prognose steht unter Vorbehalt. Sollten die Regierungen in der Europäischen Union weitere unabgestimmte Reisebeschränkungen erlassen, könnte die Zahl noch niedriger ausfallen, hieß es. Im vorangegangenen gesamten Geschäftsjahr hatte Ryanair noch fast 149 Millionen Passagiere gezählt.

Für die Monate November bis Dezember hat die Gesellschaft ihr Flugangebot bereits auf 40 Prozent des Vorjahresniveaus zurückgefahren. Einige Konkurrenten kürzen noch stärker: So will die Lufthansa im laufenden Quartal nur rund ein Viertel so viele Sitzplätze anbieten wie ein Jahr zuvor.

Lufthansa Maschinen im Hangar

Lufthansa Maschinen im Hangar

Viele Fluggesellschaften haben angesichts drohender Pleiten zuletzt Staatshilfen in Anspruch genommen. Ryanair betrachtet diese Hilfen als illegal und sieht darin eine Verzerrung des Wettbewerbs. Der irische Billigflieger hat sich wegen der Krise zuletzt frisches Geld von Anlegern an der Börse besorgt. Allerdings profitiert das Unternehmen auch von dem staatlichen Corona-Kreditprogramm in Großbritannien.

ts

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. November 2020 um 10:15 Uhr.