Dampf und Rauch steigt aus dem RWE-Braunkohle Kraftwerk Neurath II. | Bildquelle: dpa

Hauptversammlung in Essen RWE will weg von der Kohle

Stand: 03.05.2019 17:10 Uhr

Die Klimaschutz-Debatte hat die Hauptversammlung von RWE am Freitag beherrscht. Eine zentrale Vertreterin der "Fridays for Future"-Bewegung lieferte sich einen Schlagabtausch mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz. Draußen gab's laute Proteste.

Generationenkonflikt in der Essener Gruga-Halle: Die 23-jährige Studentin Luisa Neubauer, das Gesicht der Klimaschutz-Bewegung "Fridays for Future", redete auf der RWE-Hauptversammlung den Aktionären ins Gewissen. "Kein Konzern in Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE", hielt sie den RWE-Anteilseignern im Saal vor. Diese verkauften "ihre Verantwortung für ein paar Cent Rendite". Sie sollten sich nicht zu schweigenden Komplizen von Konzernchef Schmitz machen.

"Schalten Sie noch dieses Jahr ab!"

Redebeitrag einer Klimaschutzaktivistin auf der RWE-Hauptversammlung
galerie

Klimaschutzaktivistin Luisa-Marie Neubauer spricht auf RWE-Hauptversammlung

Der Kohleausstieg bis 2038 käme zu spät. Sie fordert, dass bereits bis Ende dieses Jahres ein Viertel der deutschen Kohlekraftwerke abgeschaltet werde. "Schalten Sie dieses Jahr ab - und gänzlich bis 2030", verlangte sie. Wer nach 2030 noch ernsthaft plane, Kohle zu verstromen, "hat nicht verstanden, in welcher Krise wir sind", monierte Neubauer.

Das ging den meisten RWE-Aktionären dann doch zu weit. Sie applaudierten lieber RWE-Chef Schmitz, der ein ganz anderes Bild von RWE zeichnete. Von 2012 bis 2018 habe der Essener Versorger den Kohlendioxidausstoß um 34 Prozent reduziert. "Das ist in einem viel kürzeren Zeitraum mehr als Deutschland seit 1990 erreicht hat." Die Kohlekommission habe neben dem Klimaschutz auch die Versorgungssicherheit und soziale Aspekte berücksichtigen müssen. Dabei sei es um Arbeitsplätze gegangen, die auch Neubauers Generation brauche.

RWE-Chef beschwört Wandel zum Öko-Riesen

Schon bald werde der Konzern bei den erneuerbaren Energien zu den internationalen Marktführern gehören, betonte Schmitz. Ermöglichen soll das ein Milliardendeal mit dem Konkurrenten Eon, der RWE schlagartig zur Nummer drei bei den erneuerbaren Energien in Europa und weltweit zur Nummer zwei bei Windkraft auf See machen würde. "Kein Unternehmen setzt so konsequent auf Umbau", warb Schmitz für seinen Kurs. Schon in einem Jahr werde RWE kaum wiederzuerkennen sein, versprach er.

Weitere Kursinformationen zu RWE ST

Der Manager lobte die Schüler. Er finde es gut, dass sich viele die sich für das Thema Klimaschutz interessierten und ihre Stimme erheben. Doch zum Fordern gehöre auch das Machen. Dafür stehe RWE.

Imageschaden wegen Hambacher Forst

Kritik bekam Schmitz aber nicht nur von den jungen Klimaschützern, sondern auch von eher älteren Aktionären. So warf Fondsmanager Winfried Mathes von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka dem Konzernchef vor, mit seinem langen Beharren auf der Abholzung des Hambacher Forsts RWE einen Reputationsschaden zugefügt zu haben. Deka werde deshalb für die Nichtentlastung des Vorstands stimmen.

Einen Aufstand der Aktionäre wie bei Bayer muss Schmitz aber nicht befürchten. Dafür sorgen allein die jüngsten Kursgewinne, die die Anteilseigner milde gestimmt haben. Vereinzelt erhielt Schmitz sogar Lob. Aktionärsvertreter Thomas Hechtfischer würdigte Schmitz dafür, dass er mit den erwarteten Milliarden-Entschädigungen für Kraftwerke einen Weg gefunden habe, aus Kohle Geld zu machen. Auch die kommunalen Aktionäre, die bei RWE ein Fünftel der Anteile halten, hatten angesichts der gestiegenen Dividende ebenfalls wenig am Kurs von Schmitz zu kritisieren.

Proteste vor der Halle

Vor der Essener Grugahalle demonstrierten Schüler und Umweltschützer gegen den Versorger, der wegen seiner vielen Kohlekraftwerke seit Jahren in der Kritik steht. "Braunkohle Irrsinn - Das können wir uns nicht mehr leisten", war auf Plakaten zu lesen oder "Wer zu spät kommt, den bestraft das Klima". "Der Kohleausstieg geht nicht schnell genug", kritisierte Demonstrantin Claudia Römer. Sie war am Morgen aus Köln angereist und hielt eine Fahne mit der Aufschrift "Stoppt Braunkohle. Hambacher Forst bleibt" in der Hand. Der Wald nahe der Domstadt ist schon längst zum Symbol für den Kampf um den Kohleausstieg geworden. "RWE muss einen endgültigen Rodungsstopp erklären", forderte sie.

nb/ME

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

Darstellung: