RWE-Zentrale in Essen | Bildquelle: imago/PR

Rodungsstopp im Hambacher Forst RWE-Aktie fällt auf Viermonatstief

Stand: 05.10.2018 17:01 Uhr

Das hatte sich RWE anders vorgestellt. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat einen vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst ausgesprochen. Die RWE-Aktie rutscht ans Dax-Ende.

Der Energiekonzern will in den kommenden Monaten gut 100 von zuletzt verbliebenen 200 Hektar des Waldes abholzen, um den benachbarten Braunkohle-Tagebau zu erweitern. Das sei "zwingend erforderlich", so RWE. Eine vorübergehende Aussetzung der ab Oktober geplanten Abholzung gefährde die Stromerzeugung in den Kraftwerken. Es gebe aufgrund des freiwilligen Verzichtes auf Rodungen im vergangenen Jahr keinen zeitlichen Puffer mehr.

Gegen die Rodung hatte es massiven Widerstand gegeben: Klimaaktivisten hatten jahrelang gegen Braunkohle und für den Klimaschutz demonstriert. Die Polizei räumt Baumhäuser, mit denen die Umweltschützer seit Jahren den Wald besetzt halten.

Rodung vorerst unterbrochen

Die Richter entsprachen mit ihrer Entscheidung in einem Eilverfahren dem Antrag des BUND. Der Umweltverband hatte argumentiert, dass der Wald mit seinem Bechsteinfledermaus-Vorkommen den Qualitäten eines FFH-Schutzgebietes entspreche und daher geschützt werden müsse. Die Unterlagen dazu umfassten allerdings mehrere Kisten und die Rechtsfrage sei sehr komplex, teilte das Gericht mit. In einem Eilverfahren könne diese nicht endgültig beantwortet werden, sodass die Rodung zunächst gestoppt werden müsse.

Nach Einschätzung der Richter hat RWE die Notwendigkeit für die Versorgungssicherheit nicht belegt.

RWE-Aktie bricht ein

Die RWE-Aktie weitete am Nachmittag ihre Verluste aus. Der Energieversorger teilte mit, dass er infolge des Rodungsstopps mit jährlichen Belastungen in dreistelliger Millionenbetrag ab 2019 rechne. Mit einer Entscheidung des Gerichts im Hauptsacheverfahren könne womöglich erst Ende 2020 gerechnet werden. Der Titel verliert zur Stunde rund sieben Prozent und fällt auf den tiefsten Stand seit Juni. RWE ist damit größter Dax-Verlierer.

Weitere Kursinformationen zu RWE ST

Mit dem Kursverlust vom Freitag koppeln sich die RWE-Papiere ein Stück weit vom Branchentrend ab: Der Stoxx Europe 600 Utilities stabilisiert sich zum Wochenschluss nach seinem herben Vortagesverlust. Am Donnerstag hatten Versorgeraktien unter dem Anstieg der Renditen am US-Anleihenmarkt gelitten. Höhere Anleihenrenditen lassen gerade Dividendenaktien tendenziell unattraktiver erscheinen.

tb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Oktober 2018 um 17:30 Uhr in der Wirtschaft.

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