Zoom-Gründer Eric C. Yuan

US-Milliardär Eric Yuan Der Mann hinter dem Zoom-Erfolg

Stand: 01.12.2020 10:25 Uhr

Das Homeoffice hat den Videodienst Zoom groß gemacht. Ohne die Beharrlichkeit des Gründers und Multimilliardärs Eric Yuan wäre der Erfolg nicht gelungen. Dabei hatte der Einwanderer einen langen Weg zurückzulegen.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

In den USA liebt man Aufsteigergeschichten. Sie bedienen den großen Mythos, wonach es jeder unabhängig von Stand und Herkunft nach ganz oben schaffen kann - wenn er es denn wirklich will. Vermutlich einer der besten Orte um reich, erfolgreich und berühmt zu werden war in den vergangenen Jahren nicht Hollywood, sondern das Silicon Valley. Es ist der wichtigste Technologiestandort der Welt und eine wahre Milliardärsquelle.  

Genau dort hat der aus China stammende Zoom-Chef Eric S. Yuan deshalb auch seinen Volltreffer gelandet: Anfang September dieses Jahres betrug Yuans Vermögen noch rund elf Milliarden Dollar. Rund drei Monate später ist es Forbes-Angaben zufolge bereits das Doppelte. Seine Goldgrube ist der Videodiensteanbieter Zoom, den er im Jahr 2011 gegründet hat, im April 2019 an die Börse brachte und der heute zu den Profiteuren der Corona-Pandemie gezählt wird.   

Homing im Homeoffice

Homeoffice: Goldgrube für Videodienste

Digitale Idee, analoger Erfolg 

Um ein Vermögen in dieser Höhe anzuhäufen, musste der Multimilliardär einen weiten Weg gehen. Geboren wurde der heute 50-Jährige nicht in den USA, sondern in der chinesischen Provinz Shadong. In China erwarb er zwei Universitäts-Abschlüsse, einen in Mathematik und einen weiteren in Bergbautechnik.

Die Idee für einen Videodienst Zoom ist aus der Liebe geboren. Der Einfall kam ihm bereits als Student. Yuan erzählt, dass er in den 1990er-Jahren im riesigen Land stundenlange Zugreisen unternehmen musste, um seine damalige Freundin zu treffen. Dabei habe er sich gefragt, ob es noch andere Möglichkeiten gäbe, sich zu sehen, da er die Zugfahrten hasste. Es gibt sie. 

Sein Privatleben hat aber vom persönlichen Kontakt profitiert. Aus der Freundin, die er seinerzeit besuchte, ist seine Ehefrau geworden.

Zoom

Schon 2011 gründete Eric Yuan seinen Dienst für Videokonferenzen

Yuan akzeptiert kein Nein

Wie beharrlich Yuan an seinen Zielen arbeitet, zeigt schon die Geduld, die er brauchte, um in die USA einreisen zu können. Achtmal stellte er einen Antrag auf ein Einreisevisum, achtmal wurde er abgelehnt. Erst sein neunter Versuch gelang. Yuan, der damals kaum Englisch sprach, wanderte 1997 in die Vereinigten Staaten aus. Seine Erfolgsgeschichte konnte beginnen.

Denn einen besseren Zeitpunkt hätte Yuan sich kaum aussuchen können. Internet-Hype und Technologie-Boom begannen und die Unternehmen im Silicon Valley suchten in diesen Goldgräberzeiten händeringend nach Talenten, um ihre Ideen in Geschäftsmodelle und Geld zu übertragen.   

Yuans Karriere in den USA startete bei Webex, einem Start-up-Unternehmen, das bereits im Bereich Videodienste und Konferenzsoftware tätig war. Webex wurde von Cisco übernommen - und Yuan ebenfalls. Nach einer sehr erfolgreichen Zeit beim Netzwerkausrüster gründete er im Jahr 2011 mit Zoom den Videodienst, der ihn zum Milliardär machen würde.

Zoom

Zoom wird auch von vielen Schulen genutzt

Glückliche Angestellte, glückliche Kunden  

Sein Ziel sei es gewesen, die Leute glücklich zu machen und Menschen in einem reibungslosen Video-Umfeld zusammenzubringen, behauptet Yuan. Glück ist ein Begriff, den der Unternehmer gerne verwendet. Der Sinn des Lebens, sei es glücklich zu sein. Auch das Glück seiner Angestellten liegt ihm am Herzen, wie er immer wieder unterstreicht. Wenn auch Geld zufrieden macht, dürfen wir uns Yuan, der mittlerweile US-Bürger ist, jetzt als glücklichen Menschen vorstellen.  

Schon beim Börsengang machte Yuan ein Vermögen. Bereits der Einstandskurs lag mit 65 Dollar rund 80 Prozent über dem Ausgabepreis. Und genau wie die Konkurrenzdienste von Cisco, Google, Facebook oder Microsoft, profitierte auch Zoom massiv von den Lockdowns wegen der Corona-Pandemie. Die Zahl der Nutzer wächst rasant.

Genau wie der Aktienkurs: Kostete eine Aktie vor rund einem Jahr noch weniger als 60 Euro, erreichte sie im Oktober 2020 fast die Marke von 500 Euro. Damit erzielte auch das Vermögen Yuans Höchststände, weil ihm noch immer 22 Prozent des Unternehmens gehören.

Anleger reagieren unbarmherzig

Auch im jüngst abgelaufenen dritten Quartal legte Zoom fantastische Wachstumszahlen vor. Der Umsatz stieg dank zunehmender Bezahlkunden um 367 Prozent auf 777,2 Millionen Dollar. Inzwischen kommt das US-Unternehmen, das zwischenzeitlich mit Sicherheitsproblemen und "Zoombombing" zu kämpfen hatte, auf 433.700 Kunden mit mehr als zehn Mitarbeitern. Das entspricht einem Plus von 485 Prozent. Von solchen Wachstumszahlen wagen etablierte Konzerne kaum zu träumen  Für das laufende Quartal rechnet Zoom mit Erlösen zwischen 806 und 811 Millionen Dollar. Das ist mehr als von Analysten erwartet wurde.

Allerdings waren die Erwartungen der Anleger offenbar so hoch, dass selbst diese Zahlen sie nicht zufriedenstellen, die Aktie gibt nach. "Angesichts hoher Erwartungen und der Bedenken, wie die Wachstumsraten nach Covid-19 aussehen könnten, dürften die Titel kurzfristig zur Schwäche neigen, kommentiert Analyst Alex Zukin vom Analysehaus RBC.

Ein sinkender Aktienkurs hat unmittelbare Auswirkungen auf Yuans Vermögen. Aber wenn er die Sache mit dem Glück ernst meint, werden ihn die erratischen Schwankungen der Börse kaum interessieren. Was macht es für einen Unterschied, ob man zwanzigfacher oder zweifacher Milliardär ist?

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Dezember 2020 um 11:00 Uhr.