Osram

Verkauf von Osram Traditionskonzern in chinesischen Händen?

Stand: 05.09.2019 06:45 Uhr

Wer schluckt Osram? Heute sollte eigentlich die Frist für die Offerte von Bain und Carlyle enden. Nun wird sie verlängert, weil AMS aus Österreich ebenfalls für den Lichtkonzern bietet - mit einem unbekannten Partner im Rücken.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Noch vor wenigen Monaten sah es so aus, als würde Osram göttlichen Beistand bekommen. Osram-Chef Olaf Berlien reiste in den Vatikan, um dort den Petersdom mit LED-Lampen umzurüsten. Kardinal Giuseppe Bertello, eine Art Regierungschef im Vatikan, würdigte Berlien als einen Mann, der Licht ins Dunkle bringt.

Doch der göttliche Beistand blieb aus. Osram rutschte in die roten Zahlen. "In einigen unserer Geschäfte geht die Sonne unter", verkündete Berlien und stellte das Unternehmen auf einen harten Umbau ein. "Wir müssen kämpfen und rennen."

Vom Glühbirnenhersteller zum Hightech-Unternehmen

Historische Osram-Werbung von 1920
galerie

Historische Osram-Werbung von 1920

Mehr als 100 Jahre lang war Osram ein reiner Lichtkonzern - von der Glühbirne bis zur Halogen-Lampe. Inzwischen hat der Münchner Traditionskonzern das Glühbirnen- und das Halogen-Geschäft verkauft. Berlien will Osram vom Lichthersteller zum Hightech-Unternehmen, zum Spezialisten für Leuchtdioden (LED) und optische Halbleiter umbauen. "Heute und in Zukunft ist Osram immer mehr ein Anbieter für unsichtbares Licht", sagt er. So liefern die Münchner Sensoren für Fahrerassistenzsysteme beim autonomen Fahren oder entsprechende Lichttechnik für das Entsperren von Smartphones mit Gesichts- oder Iris-Erkennung.

Nun scheint es, dass Osram den Umbau aus eigener Kraft nicht mehr schafft. Der Konzern stellt sich zum Verkauf. Die US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle reichten Anfang Juli ein Übernahmeangebot in Höhe von 3,4 Milliarden Euro ein. Sie boten den Osram-Aktionären 35 Euro je Aktie - und sicherten den Osram-Beschäftigten den Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten zu. Vorstand und Aufsichtsrat begrüßten die Milliardenofferte.

Österreicher bieten mehr als US-Investoren

Doch dann sprang überraschend ein in Deutschland relativ unbekannter österreichischer Halbleiterkonzern in den Ring. Die Firma AMS aus Premstätten bei Graz überbot die US-Finanzinvestoren und zeigte sich bereit, vier Milliarden Euro für den deutschen Traditionskonzern zu zahlen. 38,50 Euro je Aktie winken den Aktionären.

Weitere Kursinformationen zu Osram

AMS wirbt mit dem Argument, einen "weltweit führenden Anbieter von Sensoriklösungen und Photonik" zu schaffen. Ein Zusammenschluss der beiden Firmen ermögliche "eine erhebliche Wertsteigerung". Bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge in Deutschland wolle AMS im Fall einer Übernahme fortsetzen. Doch die IG Metall lehnt die Übernahme von Osram durch AMS vehement ab. Aus Sicht der Gewerkschaft gibt es trotz der Kooperationsvereinbarung keine wirklich belastbare Arbeitsplatzsicherheit.

Nach eingehender Prüfung hat die BaFin die Offerte der Österreicher am Dienstag genehmigt. Das Übernahmeangebot läuft bis 1. Oktober. Damit verlängert sich automatisch die Offerte von Bain und Carlyle um weitere fünf Wochen – ebenfalls bis Anfang Oktober.

Allianz GI gegen Bain-Offerte

Momentan deutet wenig darauf hin, dass die beiden US-Private-Equity-Häuser die erforderliche Annahmequote von 70 Prozent der frei verfügbaren Aktien erreichen. Denn Großaktionär Allianz Global Investors, der über neun Prozent Aktien an Osram hält, lehnt die Offerte als zu niedrig ab.

Analysten rechnen mit einem Bieterkampf. "Carlyle und Bain könnten ihr Angebot auf gut 40 Euro je Aktie nachbessern", glaubt Analyst Wolfgang Donie von der NordLB. Die Commerzbank hat das Kursziel für Osram von 37 auf 39,50 Euro angehoben.

David übernimmt Goliath

AMS und Osram im Vergleich
galerie

AMS und Osram im Vergleich

Zwar sehen einige Experten mögliche Synergien bei einer Übernahme von Osram durch AMS. Andererseits haben sie Bedenken, wie die Österreicher den Zukauf stemmen wollen. Denn AMS ist gemessen am Umsatz fast drei Mal kleiner als Osram. Und ist auch hoch verschuldet.

Chinesen in der Hinterhand?

Manche befürchten, dass AMS nur als Strohmann agiert. Tatsächlich hat der österreichische Sensorhersteller durchblicken lassen, dass er einen Partner an seiner Seite hat. "Gut möglich, dass dieser aus China kommt", mutmaßt Analyst Donie. Den Chinesen wird ein großes Interesse an Osram nachgesagt. Bereits 2016 hatte Sanan Optoelectronics, Chinas führender LED-Hersteller, ein Auge auf Osram geworfen. Doch ein breiter Widerstand bis in die Politik verhinderte den Einstieg der Chinesen.

Die militärrelevante Lasertechnik von Osram gilt als Knackpunkt. Berlin könnte sein Veto mit Hinweis auf die nationale Sicherheit einlegen. Im ersten Halbjahr 2019 scheuten chinesische Investoren größere Übernahmen in Deutschland und Europa. Laut EY gaben sie nur 2,1 Milliarden Euro für Firmenzukäufe und -beteiligungen aus - über 80 Prozent weniger als im Vorjahr. In den Jahren zuvor hatten chinesische Investoren den Roboter-Hersteller Kuka sowie den Sitze-Zulieferer Grammer übernommen. Dass Osram nun dasselbe Schicksal droht, scheint unwahrscheinlich.

alt Chinas Handelswege

Chinesen kaufen meist große und schwächelnde Firmen

Chinesen haben den Ruf, mittels staatlicher Subventionen im Ausland mittelständische Firmen im Hochtechnologiebereich zu kaufen. Eine Studie des Ifo-Instituts kommt nun zu einem ganz anderen Ergebnis.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete WDR5 am 05. Juli 2019 um 18:04 Uhr.

Darstellung: