Osram

Zu wenige Aktien für AMS Osram-Übernahme gescheitert

Stand: 07.10.2019 09:30 Uhr

Die Übernahme des Beleuchtungsherstellers durch die österreichische Firma AMS ist geplatzt - vorerst. Denn Vorstandschef Alexander Everke hält an seiner Vision fest.

"Unsere Vision mit Osram ist es, einen global führenden Anbieter von Sensoriklösungen und Photonik zu schaffen, der auf europäischer Technologie basiert und damit sicherstellt, dass Europa seine weltweite Spitzenstellung bei optischen Technologien beibehält", erklärte AMS-Vorstandschef Alexander Everke.

Doch Osram würde lieber selbstständig bleiben: "Nach dem Scheitern der bisherigen Übernahmeversuche behalten wir jetzt unsere Eigenständigkeit und gestalten unsere Zukunft selbst", erklärte anschließend Olaf Berlien, Vorstandschef von Osram. Das Management des Münchner Beleuchtungsherstellers lud die AMS-Führung zu Gesprächen ein, "wie eine sinnvolle und für beide Unternehmen vorteilhafte Kooperation im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben aussehen könnte".

Mehrere Optionen möglich

Am Markt hieß es, es gebe mehrere Optionen. Mit der Zustimmung des Osram-Vorstands könnte AMS den Münchenern ein neues Angebot unterbreiten, sonst ist AMS nach dem Übernahmegesetz für zwölf Monate blockiert und könnte nach Ablauf dieser Frist einen neuen Anlauf nehmen, ohne Osram um Erlaubnis zu fragen.

Osram Zentrale
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Osram Zentrale

Die IG Metall hatte im Voraus des ersten Übernahmeversuchs durch AMS schon einen "Merger of Equals" - also eine Fusion auf Augenhöhe - zwischen Osram und AMS ins Spiel gebracht. Dies geschieht meist durch einen Aktienaustausch zwischen den Unternehmen. In diesem Fall würde es passen, da beide Unternehmen einen ähnlichen Wert am Aktienmarkt haben. Allerdings ist die Stimmung zwischen den beiden Firmenchefs zu verhagelt, als dass man sich eine Einigung vorstellen könnte.

Auch eine Kooperation zwischen beiden Unternehmen wäre denkbar. Osram-Chef Berlien selbst regte am Freitag noch Gespräche über "eine sinnvolle und für beide Unternehmen vorteilhafte Kooperation im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben" an.

Allerdings gilt auch eine Offerte durch die ebenfalls interessierten Finanzinvestoren Advent und Bain als möglich. Dem Investorenduo war zuletzt bei der Abgabe eines möglichen Gegenangebots die Zeit davon gelaufen. Ein Händler betonte deshalb, es könnte klüger sein, die Aktien nicht zu aggressiv zu verkaufen.

Weitere Kursinformationen zu Osram

Am Morgen gaben die Papiere trotzdem nach. Sie fielen um bis zu vier Prozent auf 39,20 Euro, nachdem sie im vorbörslichen Handel noch auf 38 Euro gefallen waren. Der Kurs ist allerdings seit Mitte Juni um über 50 Prozent gestiegen. Die Anleger von AMS dagegen nahmen den Rückschlag bei der Übernahme vorerst mit Erleichterung auf. Die in Zürich gehandelte Aktie rückte im vorbörslichen Handel um sieben Prozent vor, drehte im regulären Handel aber leicht ins Minus.

Angst vor einer Zerschlagung

Osram-Vorstand und Aufsichtsrat hatten das Übernahmeangebot von AMS zwar befürwortet, aber mit so vielen Bedenken, dass dies von vielen als verstecktes Nein gewertet wurde. Die IG Metall lehnt eine Übernahme durch AMS ohnehin strikt ab, weil die Gewerkschaft eine Zerschlagung Osrams fürchtete.

Die mehrwöchige Bieterschlacht war von zwei US-Finanzinvestoren gestartet worden, die aber nur 35 Euro je Aktie boten und deshalb keine Chance hatten. Osram bleibt nun selbstständig, doch schreibt das Unternehmen hohe Verluste. AMS hat im Verlauf der Bieterschlacht knapp 20 Prozent der Osram-Aktien an der Börse gekauft und ist damit jetzt größter Anteilseigner.

ARD-Börse: Osram vor ungewisser Zukunft

08.10.2019 11:47 Uhr

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Eine Hauptsorge bei Osram war die Finanzierung. Osram-Vorstandschef Olaf Berlien und der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Bauer hatten sich entschieden, ihre eigenen Aktien nicht an AMS zu verkaufen. Damit hatte AMS keine Chance, das selbst gesetzte Ziel 62,5 Prozent der Osram-Anteile unter seine Kontrolle zu bringen, zu erreichen.

nb/lg/ms

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Oktober 2019 um 20:00 Uhr.

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