Ölpumpen

Corona und die Folgen Ölpreis rutscht auf Krisen-Tief

Stand: 31.03.2020 06:45 Uhr

Auf dem Ölmarkt tobt ein beispielloser Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland. Und heute endet auch noch der Opec-Deal über die Förderbremse. Ausgerechnet das billige Öl könnte die durch das Corona-Virus ausgelöste globale Rezession noch verschärfen.

Schließlich leben ganze Staaten zu einem erheblichen Teil von den Einnahmen am Rohstoffmarkt. Auch ein ganzer, extrem kapitalintensiver Industriezweig, die Ölindustrie, ist davon abhängig, dass die Förderung profitabel bleibt. Und angesichts des globalen Nachfrageinbruchs gibt es derzeit ein riesiges Überangebot an Öl. "Die Nachfrage ist eindeutig abgestürzt", meint Chevron-Chef Mike Wirth gegenüber Bloomberg TV. "In einigen Teilen der Welt sogar sehr dramatisch." Das sieht man.

Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen
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Lufthansa-Maschinen am Boden

Denn weltweit stehen ganze Nationen weitgehend still, Fahrzeuge werden nicht bewegt, die Produktion wird runtergefahren, komplette Luftflotten der Fluglinien parken am Boden. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) Fatih Birol hat jüngst mitgeteilt, dass die Ölnachfrage 2020 um bis zu 20 Prozent fallen könnte.

Ins Bodenlose scheint auch der Ölpreis zu fallen. Ein Barrel der Sorte Brent sank am Montag auf den tiefsten Stand seit 2002. Der Preis für die Sorte WTI sackte zuletzt wieder unter die Marke von 20 Dollar.

"Schmerzhafte Kollateralschäden"

Und ausgerechnet in dieser Krisenzeit tobt der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland: "Ein länger anhaltender Ölpreiskrieg würde schmerzhafte Kollateralschäden verursachen und die bevorstehende Rezession wegen der Corona-Pandemie noch verschärfen", kommentiert Adolf Rosenstock, volkswirtschaftlicher Berater von MainSky Asset Management. Denn das Einnahmedesaster der Ölproduzenten komme unnötigerweise hinzu, so Rosenstock.

Weitere Kursinformationen zu Öl (WTI)

"Ob die staatlichen Ölunternehmen, große internationale Energiekonzerne oder US-Schieferölunternehmen, sie alle werden ihre Investitionen demnächst massiv kürzen müssen", meint deshalb Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Gerade die Fracking-Industrie in den USA gilt als hochverschuldet.

Je länger der Preiskrieg andauert, desto wahrscheinlicher wird also eine Pleitewelle: Halte die Talfahrt im Ölpreis an, dürften viele Unternehmen laut Rosenstock ohne staatliche Hilfe kaum überleben können. Dies werde die gesamtwirtschaftliche Erholung in den USA auch langfristig beeinträchtigen, stellt der Investmentchef der Schweizer Privatbank Pictet, Cesar Perez Ruiz, fest. Und ohne die Wirtschaftsmacht USA ist eine globale Erholung kaum denkbar.

Donald Trump, der Dealmaker

Fracking-Anlage in Wyoming, USA
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Fracking-Anlage in Wyoming, USA: Es droht eine Pleitewelle

Saudi-Arabien hat bereits angekündigt, seine Produktion trotz des Überangebots hochzufahren. Bloß: Wer soll das Öl kaufen, wenn die Lager immer voller werden und bald an die Kapazitätsgrenzen stoßen?

"Die USA versuchen Saudi-Arabien davon zu überzeugen, den Preiskrieg zu beenden und den Ölmarkt nicht noch stärker zu überschwemmen", so Commerzbank-Experte Weinberg. US-Präsident Donald Trump hatte vor einigen Tagen bereits signalisiert, sich zu einem angemessenen Zeitpunkt in den Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Russland einzuschalten. Dass in den USA sogar über eine Art Öl-Allianz mit Saudi-Arabien nachgedacht wird, bestätigte US-Energieminister Dan Brouillette via Bloomberg TV.

Weitere Kursinformationen zu Öl (Brent)

IPO Saudi Aramco
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IPO von Saudi Aramco: Gemeinsam mit Russland im Sinne der Weltwirtschaft handeln

"Schaffen es die USA Saudi-Arabien von einem Preiskrieg abzuhalten, dürfte der Brentölpreis schon bald wieder in Richtung 35 Dollar je Barrel steigen. Scheitern die 'Friedensverhandlungen', droht der Ölpreis unter 20 Dollar zu fallen", prognostiziert Weinberg.

Zuletzt schien sich in Russland die Tür zu öffnen für ein neues Abkommen mit den Opec-Staaten. Eventuell zeigen die ungewöhnlichen Ideen in den USA Wirkung? Eine Opec+-Vereinbarung könnte möglich sein, wenn auch andere Länder sich daran beteiligten, sagte Kirill Dmitriew, Chef des russischen Staatsfonds. "Gemeinsames Handeln der Länder ist nötig, um die weltweite Wirtschaft wiederherzustellen." Anders ausgedrückt: Langfristig wird auch Russland nicht mit einem Ölpreis von weniger als 20 Dollar seine Kosten bestreiten können.

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. März 2020 um 07:10 Uhr.

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